Auf die zunehmende Bedrohung von rechts werden immer drängender Antworten gesucht. Eine davon lautet in jüngster Zeit: "Antifaschistische Wirtschaftspolitik". Gezielte Umverteilung von oben nach unten und eine planvolle Investitionspolitik seitens des Staates soll die neoliberale Politik der letzten Jahrzehnte endlich ablösen. Vorrangiges Ziel: die Stärkung sozialer Sicherheit. Auslöser dieser Forderung ist die Beobachtung, dass Menschen tendenziell eher rechts wählen, wenn aufgrund von wirtschaftlichen Krisen, Inflation und der Kürzung von Sozialausgaben Abstiegsängste und Unsicherheit zunehmen. In diesem Kontext stellen sich einige Fragen: Warum wählen die Menschen dann rechts und nicht links? Welche grundlegenden Fragen werden dabei gar nicht erst angesprochen? Welche Strukturen des Kapitalismus können Aufschluss darüber geben, welche Weltanschauungen im Alltagsbewusstsein anschlussfähiger sind? Vor diesem Hintergrund diskutiert Sabine Nuss die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen einer "antifaschistischen Wirtschaftspolitik" exemplarisch anhand von vier Maßnahmen - mit Andrej Holm (Mietendeckel), Stephan Kaufmann (Inflation), Antonella Muzzupappa (Investitionen) und Ingo Stützle (Vermögenssteuer).
Rezensentin Anja Krüger empfiehlt Sabine Nuss' Interviewband als soliden Einstieg ins Thema "antifaschistische Wirtschaftspolitik". Denn was genau unter dieser zuletzt laut gewordenen Forderung zu verstehen ist, sei noch nicht hundertprozentig erschlossen, aber die wichtigen Eckpfeiler erklären die Herausgeberin und ihre Interviewpartner: Mit dem Politologen Ingo Stützle, dem Stadtsoziologen Andrej Holm, dem Wirtschaftskorrespondenten Stephan Kaufmann und Antonella Muzzupappa von der Rosa-Luxemburg-Stiftung spricht sie über (schon bekannte) konkrete Maßnahmen wie Vermögenssteuer, Mietendeckel, Preiskontrollen und staatliche Investitionen. Interessanter und neuer findet die Kritikerin aber den Fokus auf kapitalistische Strukturen, die hier als Ursache von faschistoiden Entwicklungen gesehen werden - hier merke man den Gesprächspartnern ihren gemeinsamen marxistischen Hintergrund an. Wie diese Sichtweise in den Gesprächen argumentativ gefüttert wird, scheint der Kritikerin fundiert und "gut verständlich". Kein "Lehrbuch", aber trotzdem ein lehrreicher und "lesenswerter" Band, lobt sie.
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