Aus dem Französischen von Gustav Roßler. Die grundlegende Annahme in diesem überraschenden und politisch-programmatischen Essay ist die Fiktionalität der Konstruktion von Recht - insbesondere die der Rechtspersönlichkeit. Der Philosoph und Ökonom Sacha Bourgeois-Gironde sieht darin die nur scheinbar paradoxe Möglichkeit, uns der Natur näher zu bringen und die Spaltung von Natur und Kultur aufzuheben. Durch die Zuweisung des Status eigenständiger Rechtssubjekte gelänge es uns, die Natur und ihre Belange besser zu identifizieren und letztlich sie und unsere Existenz in ihr zu schützen. Diese Position mag gegen eine Anfechtung des Rechts zugunsten eines idealen und imaginären Naturgesetzes sprechen, das die Menschen auf ihrer Suche nach der Natur und dem Wunsch nach Harmonie mit der Umwelt anstreben. Es wäre ein Weg der endogenen Veränderung und nicht einer, der von innen über Naturrechtsvorstellungen hinausführt. Eine neue juristische Fassung der Beziehung von Mensch und Natur könnte auch indigene Vorstellungen von Natur inkludieren und über eine neue Verfassung anerkennen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.08.2023
Rezensent Milos Vec liest die Gedanken des Philosophen und Wirtschaftswissenschaftlers Sacha Bourgeois-Gironde über die Idee, Ökosysteme als juristische Personen zu behandeln, mit Interesse. Die Fachgrenzen überschreitende "Natur-Rechts-Philosophie" des Autors benötigt aufmerksame Lektüre, rät Vec. Eine Richtung "Common-Law" tendierende "Bricolage" aus Talmud, Antike, Maori-Kosmologie und westlichem Patent-, Erb- und Eigentumsrecht, die Vec dazu geeignet scheint, die Idee der Menschheit als "Vermächtnisempfänger der Umwelt" mit "juristischer Substanz" zu füllen.
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