Sharon Dodua Otoo

Adas Raum

Roman
Cover: Adas Raum
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2021
ISBN 9783103973150
Gebunden, 320 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Ada ist nicht eine, sondern viele Frauen: In Schleifen bewegt sie sich von Ghana nach England, um schließlich in Berlin zu landen. Sie ist aber auch alle Frauen, denn die Schleifen transportieren sie von einem Jahrhundert zum nächsten. So erlebt sie das Elend, aber auch das Glück, Frau zu sein, sie ist Opfer, leistet Widerstand und kämpft für ihre Unabhängigkeit.Mit einer bildreichen Sprache und unendlicher Imagination, mit Empathie und Humor zeichnet Sharon Dodua Otoo in ihrem Roman "Adas Raum" ein überraschendes Bild davon, was es bedeutet, Frau zu sein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.03.2021

"Einen politischen Roman", nennt Rezensentin Judith von Sternburg Sharon Dodua Otoos Debüt, "aber kein Roman, der sich von Politik bestimmen lässt." Aktuelle Diskurse über Vergangenheitsaufarbeitung, Kolonialismus, Rassismus, den Brexit und vor allem das Leben als Frau in den verschiedenen Epochen werden darin aufgegriffen und auf virtuose Weise miteinander verwoben, ohne dass die politische Relevanz jemals die eigentümliche Handlung und Erzählweise unter sich erdrückt, lobt sie nachdrücklich. Diese Handlung ziehe sich durch verschiedene Orte und Zeiten - von Totope in Ghana 1459 bis ins Berlin des 21. Jahrhunderts. Und immer ist da die Frau namens Ada, immer ist da eine Gefährtin in der Not, und immer ist da auch dieses goldene Armband, das die Geschichten der vielen Adas miteinander verbindet, lesen wir. Üppig und dicht ist dieser Roman, ausschweifend teilweise, findet von Sternburg, doch Otoo sorgt zwischendurch immer wieder für narrative Abkühlung, versichert die Rezensentin, wenn sie, einem "imposanten" Konzept folgend, geschichtslose Objekte erzählen lässt: ein Frühstücksei, einen Besen, einen Türklopfer zum Beispiel. All das macht "Adas Raum" zu einem facettenreichen, einem ambitionierten literarischen Unterfangen - das gelingt, so die beeindruckte Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.03.2021

Über den Einfall, vier Adas aus vier Jahrhunderten durch Erzählungen des "Weltgeists" miteinander zu verbinden, der in Gebrauchsgegenstände des Alltags fährt, ist Hanna Engelmeier nicht gerade glücklich - aber irgendwie funktioniert es, meint sie. Von der Sprache dieser schon vor dem Debüt so hochgelobten Autorin erfahren wir nichts, stattdessen allerlei aus den vier Frauenleben, in denen Rassismus und Frauenhass die Hauptrollen spielen. Da geht es um Kolonialismus (die erste Ada ist eine Sklavin), um frühe Mathematik (die zweite Ada ist Ada Lovelace), Liebe und Schmerz, dann aber auch um den Holocaust - die dritte Ada ist eine Jüdin im KZ, was dem deutschen Leser, so die erfreute Kritikerin den Zusammenhang zwischen Kolonialismus und Holocaust verdeutlichen soll - und die Wohnungssuche einer schwangeren Schwarzen im heutigen Berlin, so die Kritikerin. Erfreulich findet sie, wie sehr den Leserinnen bei diesen ineinander geschobenen Erzählungen intellektuelle Eigenarbeit zugetraut wird. Auch den Verbindungslinien von kolonialem und antisemitischem Rassismus traut sie eine gewisse Tragkraft zu und hofft auf eine breite Diskussion. Deutlich skeptischer beurteilt die vorsichtige Kritikerin dagegen die Anschlussfähigkeit einer Berliner Wohnungssuche. Aber auch hier lobt sie die "Erzähltechnik" der Autorin als zukunftsweisend.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 26.02.2021

Man spürt, dass Rezensent Carsten Hueck den Roman gern mehr gemocht hätte, aber er ist vor allem verwirrt. Zu viel will die Autorin Sharon Dodua Otoo, eine Engländerin, die seit 2006 in Berlin lebt und diesen Roman auf Deutsch geschrieben hat. Sprachlich gefällt Hueck das ausgesprochen gut, aber handlungsmäßig geht's im zu sehr kreuz und quer. Es geht mit verschiedenen Adas quer durch die Zeiten: erst ist sie eine schwarze Sklavin, dann die Tochter Byrons und eine Polin im KZ - jedes mal wird sie von einem weißen Mann getötet (auch wenn das im Fall der Ada Lovelace historisch falsch ist) und schließlich ist sie eine schwangere schwarze Wohnungssuchende. Am Ende erscheinen Hueck die Windungen des Romans immer mehr als Dekoration. Worauf Otoo eigentlich hinaus will, entzieht sich ihm.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.02.2021

Rezensent Dirk Knipphals rät, sich einfach durch Sharon Dodua Otoos Erzählreigen treiben zu lassen, vom Totope des 15. über das London des 19. ins Berlin des 21. Jahrhunderts, geleitet von unterschiedlichen Erzählstimmen, die auch schon mal aus einem Türklopfer oder einem Reisigbesen tönen können, wie Knipphals amüsiert feststellt. Dass die Autorin die Zentralperspektive verlässt und durch Zeiten und Orte springt, fordert dem Leser durchaus einiges ab, räumt Knipphals ein. Doch das kunstvoll gebaute "Mosaik menschlicher Erfahrungen" von Identitäts- und Klassenunterschieden, das der Roman bietet, ist laut Rezensent die Mühe wert, zumal dem Buch bei allem berichteten Schrecken "etwas Zugewandtes" eignet, wie er findet.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 22.02.2021

Rezensentin Shirin Sojitrawalla ist nicht überzeugt von Sharon Dodua Otoos erstem Roman. Sojitrawalla scheint es, als wolle die Autorin zu viel und habe dafür zu geringe Mittel zur Verfügung, wenn sie anhand von verschiedenen Figuren, Zeiten und Orten über Herkunft und Identität und das Leben von Frauen in Ausnahmesituationen berichtet. Der kecke Ton und das ambitionierte erzählerische Konzept, das den allwissenden Erzähler ausmistet, trösten Sojitrawalla jedenfalls nicht darüber hinweg, dass es mitunter etwas zu behäbig zugeht im Text.