Eine Frau steht drei Elefanten in einem deutschen Zoo gegenüber. Es ist Sinthujan Varatharajahs Mutter. Die Frau, eine Asyl suchende Tamilin, und die Elefanten haben etwas gemeinsam: Sie haben eine weite Reise hinter sich. Alle vier wurden verschleppt oder vertrieben und treffen in einem sogenannten Elefantenhaus aufeinander. Von diesem Moment aus begibt sich Sinthujan Varatharajah auf eine intensive Spurensuche und verknüpft Augen öffnend Aspekte globaler Kolonialismen mit europäischer Asylpolitik. Mit großer Klarheit stellt Sinthujan Varatharajah grundsätzliche Gewissheiten infrage und wählt dabei einen persönlichen Zugang, der sich ins Gedächtnis brennt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.10.2022
Rezensentin Julia Werthmann ist fasziniert von Sinthujan Varathrajahs Buch, das die eigene Familiengeschichte mit postkolonialer Theorie verbindet. Die Eltern des Autors sind vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka nach Deutschland geflohen, Varathrajah selbst in einem Asylbewerberheim auf die Welt gekommen. Als politischer Geograf verbinde er Theorie, Geologie und Autoethnografie zu einer ganz eigenen Sprache, staunt Werthmann, die das Buch als Dokument einer Ermächtigung versteht, etwa wenn Varathrajah schildert, wie sich der Vater durch die Fotografie, die bisher als "Waffe der Unterwerfung" gedient habe, Bildmacht aneigne.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 10.10.2022
Pascal Fischer erkennt in Sinthujan Varatharajahs Buch eine Lehrstück, dessen Lektüre lohnt. Teils Roman, teils Sachbuch, teils Memoir und auch ein bisschen Essay bietet der Band laut Fischer eine facettenreiche, aber auch weitschweifige Annäherung an westliche Unterwerfungslogiken. Elefanten in deutschen Zoos, Helmut Kohls "Tamilenregulierung", Abholzung und Monokultur, die Rede vom "Weltkrieg" und von der "Zivilisation", während andere Zusammenhänge konsequent ausgeblendet werden, all das macht der Autor laut Fischer deutend sichtbar. Dass es dem Autor nicht immer gelingt, den Eurozentrismus sprachlich zu überwinden und manches Gendern im Text fragwürdig erscheint, kann Fischer verzeihen. Ein streitbares Buch, findet er.
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