Sönke Neitzel

Deutsche Krieger

Vom Kaiserreich zur Berliner Republik - eine Militärgeschichte
Cover: Deutsche Krieger
Propyläen Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783549076477
Gebunden, 816 Seiten, 35,00 EUR

Klappentext

Ein Leutnant des Kaiserreichs, ein Offizier der Wehrmacht und ein Zugführer der Task Force Kunduz des Jahres 2010 haben mehr gemeinsam, als wir glauben. Zu diesem überraschenden Schluss kommt Sönke Neitzel, der die deutsche "Kriegerkultur" in all ihren Facetten untersucht. Seine Bilanz: Soldaten folgen der Binnenlogik des Militärs, sie sollen kämpfen und auch töten. Das gilt für die großen Schlachten im Ersten Weltkrieg, den verbrecherischen Angriffskrieg der Wehrmacht und aber auch für die Auslandseinsätze der Bundeswehr. In einer großen historischen Analyse durchmisst Neitzel das Spannungsfeld zwischen Gesellschaft und Militär und zeigt, wie sich die Kultur des Krieges über die Epochen veränderte. 75 Jahre nach Kriegsende geht es darum, das ambivalente Verhältnis der Deutschen zu ihrer Armee neu zu bestimmen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.04.2021

Die meisten Deutschen stellen sich deutsche Militärs als "friedliche Retter" vor, glaubt Thomas Speckmann, doch Realität und Selbstwahrnehmung der Soldaten sehen anders aus. In "Deutsche Krieger" beleuchtet der Militärhistoriker Sönke Neitzel verschiedene militärische Bereiche vom Deutschen Kaiserreich bis heute und macht dabei einige Kontinuitäten sichtbar, die für unbedarfte Leser überraschend sein dürften, so Speckmann. Als Außenstehender in einer weitgehend friedliebenden Gesellschaft macht man sich doch kaum bewusst, dass für viele Soldaten das kriegerische Gefecht immer noch im Mittelpunkt ihrer beruflichen Tätigkeit steht. Die militärische Welt hat sich daher in den letzten 150 Jahren sehr viel weniger verändert als die Außenwelt. Immer noch existiert hier eine Kriegerkultur und ein soldatisches Selbstverständnis, das sich an Vor- und Idealbildern des "tapferen und harten Soldaten" orientiert. Und diese Vorbilder wiederum werden nicht selten dem Wehrmachtskontext entnommen, erklärt Speckmann. Eine kluge, informative Arbeit, die gerade zur rechten Zeit kommt, so resümiert der überzeugte Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.02.2021

Kein gutes Haar lässt Wolfram Wette an diesem Buch: Er nennt den Autor unumwunden "Bellizist und Revisionist" und zudem ahistorisch, d.h. er verbräme mit Wissenschaft nur, was tatsächlich Ideologie sei. Da Wette selbst Historiker und Friedensforscher ist, überrascht das nicht. Er wirft Neitzel Verherrlichung des "Kriegers" vor, einseitige Literaturauswahl und selbst an dem Wissen, das Neitzel im Gespräch mit 200 Zeitzeugen von Bundeswehreinsätzen "gewonnen haben will", äußert er Zweifel. Für den Kritiker argumentiert Neitzel einfach nur voreingenommen, wenn er traumatisierte Soldaten nicht einmal erwähnt und auch die Gründe, aus denen heraus sich die Bundesrepublik lange Zeit nicht an kriegerischen Einsätzen beteiligt hat, ignoriert. Da ist der Weg zum revisionistischen Geschichtsbild der AfD für Wette nicht mehr weit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.11.2020

Rezensentin Isabell Trommer schaut mit dem Militärhistoriker Sönke Neitzel auf deutsche Militärgeschichte vom Kaiserreich über Wehrmacht bis zur NVA. Die Perspektive ist historisch mit Bezügen zur Gegenwart, erklärt Trommer. Aus Archiven und Zeitzeugengesprächen speist sich der zweite Teil über die Bundeswehr. Unter anderem folgende Themen entdeckt Trommer: Führungsdenken, Rahmenbedingungen, "Handwerk", Strategie, Kohäsion. Wie der Autor Kontinuitäten und Brüche herausarbeitet und die NVA in der Retrospektive als die effizientere deutsche Armee anerkennt (bis zu einem gewissen Zeitpunkt jedenfalls), scheint Trommer lesenswert, auch da Neitzel flüssig und pointiert schreiben kann, wie die Rezensentin anmerkt.

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