Die Aufstellung der Bundeswehr ab 1955 war ein Ergebnis der weltpolitischen Frontstellung im Kalten Krieg. Sie erfolgte im Rahmen der NATO, die Strategie, Struktur und Aufgaben nachhaltig bestimmte. Auf allen Ebenen mussten sich die Streitkräfte in die schon ausgebildete politische, ökonomische und gesellschaftliche Struktur der Bundesrepublik konkurrierend einordnen. Im Rahmen eines größeren Forschungsprojekts zur Militärgeschichte der Bundesrepublik untersucht diese Studie den spezifischen Anteil, den vornehmlich neu gegründete Bundeswehrstandorte an den sozioökonomischen Wandlungsprozessen der 50er bis 70er Jahre in Westdeutschland hatten. Der Bogen spannt sich dabei von der Makroebene des Bundes bis zur Mikroebene einzelner Kommunen und ermöglicht so differenzierte gesamtgesellschaftliche Analysen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.06.2007
Instruktiv findet Rezensent Carsten Kretschmann diese Studie von Wolfgang Schmidt, die sich mit der Rolle der Bundeswehr bei der sozioökonomischen Modernisierung der Bundesrepublik von 1955 bis 1975 befasst. Die Darstellung der Geschichte der Bundeswehr als ein insgesamt erfolgreicher Integrationsprozess in Staat und Gesellschaft scheint ihm überaus gelungen. Der Autor führt für ihn überzeugend vor Augen, wie etwa der Bau von Kasernen für die Streitkräfte in den 1950er und 1960er Jahren gerade in der Provinz und in strukturschwachen Regionen zum bedeutenden Faktor lokaler Modernisierung der Infrastruktur wurde. Kretschmann unterstreicht, dass Schmidt Konflikte und Widersprüche bei der Integration der Bundeswehr nicht unter den Tisch fallen lässt. Darüber wird für ihn aber auch der Platz der Bundeswehr im Modernisierungs- und Demokratisierungsprozess nach 1945 deutlich. Zudem bescheinigt er Schmidts Studie, die Geschichte der Bundeswehr für kulturwissenschaftliche Fragestellungen zu öffnen.
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