Russland und Wodka scheinen untrennbar zu sein. Von Nikolaus II. über Leo Trotzki bis zu Michael Gorbatschow sind alle Versuche gescheitert, dem Alkohol den Krieg zu erklären. Unter Putin haben Modernisierung und Verwestlichung zwar eine Veränderung des Lebenssstils und der Trinkgewohnheiten mit sich gebracht. Aber das Riesenreich im Osten zwischen Chinesischem und Baltischem Meer wird nach wie vor von dem hochprozentigen "Wässerchen" beherrscht. Die Autorin, gebürtige Russin geht in ihrem Buch der verhängnisvollen Rolle nach, die der Wodka auf dem russischen Sonderweg gespielt hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2005
Recht angetan zeigt sich Rezensent Eberhard Rathgeb von Sonja Margolinas "wasserklarer Geschichte" über "Trinken und Macht in Russland". Gerne folgt er der Autorin durch Jahrhunderte des oftmals staatlich geförderten Suffs in Russland. So erzählt er launig, mit welch durchschlagendem Erfolg Iwan der Schreckliche im sechzehnten Jahrhundert Wirtshäuser gründete, in denen nur getrunken werden sollte, um die Staatskasse zu füllen. Auch über den übermäßigen Alkoholkonsum in der russischen Armee, die darüber manche Schlacht verlor, weiß Rathgeb zu berichten. Trotzki freilich habe den sozialistischen Traum der wenigen im Saufen aller untergehen sehen und Lenin habe den Wodka als Droge des Kapitalismus gebrandmarkt. Doch spätestens mit Stalin habe die sowjetische Macht wieder an die russische Tradition angeknüpft, durch Alkoholeinnahmen die Staatskasse aufzubessern. Margolinas Buch lobt der Rezensent als "so elegant geschrieben", dass es ohne Mühen "weit und tief" blicken lasse.
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