Theodor Herzls (1860-1904) Karriere könnte man wie einen Entwicklungsroman erzählen: Ein junger Mann zieht in die Hauptstadt und macht dort Erfahrungen, die sein Denken so verändern, dass er schließlich die Welt verändert. Oder man könnte einen Bildungsroman erzählen: Ein Wiener Kaffeehausliterat wird zum engagierten Schriftsteller und dann zum politischen Führer einer weltumspannenden Bewegung, deren Folgen noch immer Schlagzeilen machen. Tatsächlich war Theodor Herzl - gebürtiger Ungar, österreichischer Staats angehöriger und deutscher Bildungsbürger ein säkularer assimilierter Jude, der seine literarischen Ambitionen mit politischen Mitteln verwirklichte. Denn Herzl begriff den Antisemitismus seiner Zeit als ein national-politisches Problem, das nach einer national-politischen Lösung verlangte. Diese Lösung fand er im zionistischen Projekt, das er in Propagandaschriften mit großem rhetorischen und narrativen Geschick artikulierte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.07.2010
Voll des Lobes ist Oliver Pfohlmann angesichts von Stefana Sabins instruktivem Essay über den Schriftsteller und Journalisten Theodor Herzl, den Urvater des modernen politischen Zionismus. Mit Interesse liest der Rezensent nicht nur, dass Herzls Vorstellungen vom jüdischen Staat in Palästina "völlig säkular" waren und sich vor allem auf wirtschaftlichen Fortschritt konzentrierten. Er erfährt zudem zu seiner Überraschung, dass der Schriftsteller insbesondere in seinem Roman "Altneuland" von 1902 als Vorreiter des sozialistischen Realismus zu erkennen ist, wie die Autorin einleuchtend darlege.
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