Aus dem Englischen von Uda Strätling. Teju Cole betrachtet Kunst, wie er die Welt betrachtet: mit dem Blick eines unsystematischen Historikers, der zunächst beobachtet, beschreibt, das Offensichtliche betrachtet, um zum weniger Offensichtlichen vorzudringen, das darunter liegt. Seine Essays handeln vom Unterwegssein, von politischer Moral, von Rassismus und von dem, was ihn geistig nährt, ob Essays von Baldwin, Gedichte von Tranströmer oder neue Meister der Fotografie auf Instagram. Und immer wieder zieht er erhellende Verbindungen, von der konkreten Gegenwart zur Dichtung, von der Geschichte zur Kunst.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.01.2017
Martin Zähringer liest Teju Coles Essays über Literatur, das Schauen und das Reisen mit großem Gewinn. Nicht nur dass der Fotografiekritiker Cole ihm Benjamins dialektisches Bild erläutert und medienästhetische Entwicklungen in den Blick nimmt. Der Autor vermag ihm auch das Thema Rassismus und Fotografie auseinanderzusetzen, indem er die weiße Standardsetzung im technlogischen Dispositiv ausmacht. Als programmatischen Einstieg in die ursprünglich als Zeitungs- und Magazintexte erschienenen Arbeiten empfiehlt Zähringer Coles Essay über James Baldwin. Hier wird für ihn auch eine Technik erkennbar, die der Autor von Baldwin übernommen haben könnte: von der Nahaufnahme in die Totale aufzuziehen und so kulturelle Tiefenschärfe zu gewinnen.
Tim Caspar Boehme schätzt Teju Cole vor allem als Flaneur. Wenn sich der Autor in seinem Essayband als lesender Beobachter und beobachtender Leser treiben lässt und über weiße Vorherrschaft nachsinnt, über seinen Kollegen James Baldwin in Leukerbad, die lebensrettende Stärke der Gedichte Tomas Tranströmers, das Ausstellen von Morden auf Youtube oder die kunstgeschichtlichen Aspekte der Alpen, wird es Boehme auch schon mal zu pathetisch. Doch insgesamt begeistern ihn die Texte in ihrer mitunter somnambulen Hellsichtigkeit.
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