Thomas Hettche

Liebe

Roman
Cover: Liebe
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2026
ISBN 9783462002041
Gebunden, 176 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Max stellt künstliche Augen her. Er ist Okularist. In seiner Praxis, über der Flamme des Bunsenbrenners, formt er feine Glaskugeln, versieht sie mit farbigen Äderchen, Iris und Pupille. Max weiß von der stillen Sprache der Blicke. An den Blitzschlag der Liebe aber glaubt er mit Anfang sechzig nicht mehr. Bis er eines Sommerabends Anna begegnet und ihn die Gefühle in ungekannter Wucht überwältigen. Anna geht es genauso, doch sie ist verheiratet, und so bleiben den beiden immer nur Tage, das zu leben, was nicht sein darf. Und immer sind da die Erinnerungen, die Träume, die Schatten. Das stürzt Max in Verzweiflung, denn er weiß, er hat seine große Liebe gefunden. Und er ahnt, dass sie ihn auf eine unheimliche Probe stellen wird.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.03.2026

Rezensent Ijoma Mangold ist erstaunt, in diesem Roman fast sowas wie ein Happy End zu lesen - eine Liebe mit glücklichem Ausgang gibt es ja selten in der anspruchsvollen Literatur: Thomas Hettche schreibt über Max und Anna, die bereits in der zweiten Lebenshälfte sind, als sie sich kennen- und lieben lernen. Sie treffen sich auf einer Feier an der Ostsee, weil sie zufällig im Dunkeln in zwei nebeneinander stehenden Liegestühlen sitzen und sich unterhalten, ohne sich zu sehen, wie Mangold schildert. Anna ist eigentlich verheiratet, verlässt ihren Mann aber nach langem Zögern für Max und geht mit ihm eine Beziehung ein. Etwas konventionell ist der Roman da geraten, wo es um die körperliche Liebe geht, so der Kritiker, "stark" ist er hingegen, wenn es um die Endlichkeit geht, die für beide in ihrem Alter schon eine andere Präsenz einnimmt. Mangold überzeugt die Innigkeit der Liebe, die Hettche hier im Corona-Zeitalter ansiedelt. Auf die Frage, was Liebe eigentlich ist, gibt der Autor keine Antwort, trotz großer "psychologischer Genauigkeit". Aber ein Roman, der darauf eine Antwort hätte, wäre vermutlich auch viel weniger gut als dieser hier, sinniert der überzeugte Kritiker. 

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