Das "Neue deutsche Erzählen" rief Mitte der neunziger Jahre Begeisterungsstürme hervor und junge Autoren wurden in einem vor allem medial inszenierten Jubel wie Popstars gefeiert. Doch mit dem folgenden Zusammenbruch am Neuen Markt ging, glaubte man den Feuilletons, auch ein merklicher Verlust an literarischer Qualität einher. Kritik, Buchhandel und Verlage entdeckten das Wort von der Krise wieder, Mutlosigkeit und Lamento griffen um sich, und schon rief man die Geister eines wohlbekannten romantisch-idealistischen Elitismus auf den Plan. Wie ist es jenseits dieses betrieblichen Rollbacks um das deutschsprachige Erzählen heute bestellt? Alles eitel Langeweile, Literatur aus zweiter Hand, auf provinziellem Niveau? Wo sind die frischen Stimmen von internationalem Rang? Thomas Kraft distanziert sich in seinem Essay von den Klagegesängen der Literaturkritik und der Buchbranche und bricht eine Lanze für eine selbstbewusste zeitgenössische Erzählliteratur deutscher Sprache.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.05.2005
Der Rezensent Burkhard Müller ist entsetzt über die Wirkung dieses Buches von Thomas Kraft, das als Verteidigung der deutschen Gegenwartsliteratur intendiert war. Es leistet nach Meinung des Rezensenten genau das Gegenteil, denn selten macht der Autor mehr, als den gefeatureten Autoren ein "flaues Kompliment" auszusprechen. Müller hinterfragt, ob Kraft als Herausgeber des "Lexikons der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur" wirklich der geeignete Autor für eine solche Streit- (oder, wie es der Autor selber nennt, Werbe-) schrift ist. Dadurch, dass er zu viele Inhalte auf wenig Raum abhandeln will, bleibt das Buch an der Oberfläche. Zudem ärgert sich der Rezensent über Krafts schlechten Stil. Diesbezüglich "soll hier nur eine einzige Beobachtung zum Zuge kommen: Kraft hat seine Metaphern nicht im Griff". Aber eine Leistung will der Rezensent dem Buch nicht absprechen - nämlich " fühlbar gemacht zu haben, wie sehr jenes Buch, das er versprochen und nicht geliefert hat, fehlt".
Prinzipiell begrüßt Rezensent Gerrit Bartels das Unternehmen Thomas Krafts, für die deutschsprachige Literatur mit einer Werbeschrift eine Bresche zu schlagen. Dass er bei seinem Einsatz für die Gegenwartsliteratur aber eine "Art Popanz" aufbaut - gemeint ist das böse Feuilleton, das die Bedeutung unserer Schriftsteller angeblich verkennt -, sorgt bei Bartels für Irritation. Er hält dem Autor vor, damit eine für eine Werbeschrift unnötige und unangemessene Schärfe in sein Buch zu bringen, und zudem mit unschönem Vokabular zu operieren. Auch moniert er den "Schlingerkurs", den Kraft in seinem Buch fährt. Nicht selten renne er etwa offene Türen ein, breche Lanzen für Autoren und Autorinnen, die sowieso Feuilleton- wie Publikumslieblinge sind, und strukturiere seinen Essay mit all den literarischen Bewegungen, die auch das Feuilleton mit Wonne herbeikonstruiert habe. Für Bartels stellt sich da die Frage, "ob diese Form der Werbung wirklich ihren Effekt erzielt".
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