Der Band versammelt Essays, Reden, Kritiken, auch unveröffentlichte, von Ulla Hahn: scharf formulierte, unterhaltsame und informative Überlegungen zum Schreiben und Lesen von Gedichten und zur Rolle des Schriftstellers in der Gesellschaft. Ob Ulla Hahn dem eigenen Schreiben nachforscht oder so unterschiedlichen Autoren wie Else Lasker-Schüler, Gertrud Kolmar, Bertolt Brecht, Friedrich Hölderlin und Friedrich Schiller, Hilde Domin, Sylvia Plath oder Christa Reinig nachspürt, Gedichte von Frauen aus drei Jahrtausenden und den Sprachen der Welt zusammenführt, ihren Kanon vorstellt oder einfach fragt: "Gedichte lesen - warum eigentlich?" - jeder Satz ist ein leidenschaftliches Erkunden der Rolle des Dichters in der Gegenwart und der seines siamesischen Zwillings, des Lesers.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.07.2006
Albert von Schirnding macht zunächst ausgiebig seinem Unmut Luft angesichts dieses Bandes, der Reden, Aufsätze und Rezensionen von Ulla Hahn versammelt, um anschließend dann doch zumindest die Essays über Lyrikerinnen begeistert zu loben. Grundsätzlich findet er solche Sammlungen von vermischten Texten eher unbefriedigend, weil er dahinter mehr Verlagskalkül als einen inneren Zusammenhalt vermutet. Zudem findet es Schirnding ziemlich eitel, wie sich Hahn mit ihren Texten zu verschiedenen Dichtern und deren Einfluss auf ihr eigenes Schreiben mit den berühmten Autoren auf dieselbe Stufe zu stellen versucht, doch dabei nur "Banalitäten" über ihre Textproduktion herauskommen. Genüsslich weist er der Lyrikerin auch zahlreiche philologische Versehen nach, wenn es um die Werke der bekannten Kollegen geht. Und dennoch soll man sich seiner Meinung nach dadurch nicht abschrecken lassen, denn die Aufsätze über Lyrikerinnen wie Nelly Sachs, Hilde Domin oder Sylvia Plath machen die Lektüre gerade in ihrem persönlichen Zugang zu den Texten der Kolleginnen wieder lohnenswert, wie Schirnding betont.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.07.2006
Souverän balanciert Wulf Segebrecht in seiner Besprechung dieses Bandes mit allerlei Literarkritisch-Essayistischem der Dichterin Ulla Hahn auf einem schmalen Grat zwischen leiser Süffisanz und distanzierter Anerkennung, ohne einmal abzurutschen. Unverkennbar ist er der Ansicht, dass das diffizile Argument, die theoretische Diskussion nicht Sache der Dichterin Hahn sind - vielmehr halte sie es mit der "Konfession", mit dem autobiografischen Bezug zu Dichtern und Autoren. Vor allem allerdings Dichterinnen; so schreibt Hahn über die wohl als wahlverwandt wahrgenommenen Else Lasker-Schüler oder Christa Reinig, Sylvia Plath oder Emily Dickinson. In eher prekärer Weise suche Hahn diese als weibliche Autorinnen zu beschreiben, die gerade des Attributs eines "weiblichen Schreibens" oder gar des "Feminismus" nicht bedürfen. Das geht, wie Segebrecht andeutet, nicht ohne Widersprüche ab.
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