Marcel Reich-Ranicki

Vom Tag gefordert

Reden in deutschen Angelegenheiten
Cover: Vom Tag gefordert
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), Stuttgart 2001
ISBN 9783421055019
Gebunden, 208 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Große Reden Marcel Reich-Ranickis, Reden aus gegebenen Anlässen, die jedoch stets weit über diese Anlässe hinausgingen. Warum werden unserer zeitgenössischen Literatur unentwegt "unproduktive Erschöpfungsphasen" vorgeworfen? Sollten wir den haarsträubenden Unsinn, der sich meist auf unseren Bühnen abspielt, dulden? Warum ist unsere oft geschmähte Literaturkritik heute erheblich besser als vor dreißig Jahren oder in der Weimarer Republik? Ist die Rhetorik eine Hure, die allen zur Verfügung steht, die von ihr Gebrauch machen wollen? Worin besteht die Einzigartigkeit jenes Kapitels der deutschen Literatur, das wir den Juden verdanken? Polemisch, temperamentvoll und leidenschaftlich spricht Reich-Ranicki zudem über sein Verhältnis zu drei deutschen Genies: zu Goethe, Hölderlin und Kleist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.06.2001

Marcel Reich-Ranicki hat in seinen zahlreichen Büchern über die Literatur sein eigenes erzählerisches Talent unter Beweis gestellt, dies ist ihm in der Vergangenheit sowohl von der Fachwelt als auch vom Publikum bestätigt worden. Das gilt auch, findet Heinz Ludwig Arnold, für sein neustes Buch, das zwölf Reden aus vierzehn Jahren enthält, sich aber eigentlich wie seine Autobiografie lese. Wovon Reich-Ranicki auch erzähle, es sei immer "lebendig, lehrreich, unterhaltsam - und vor allem klar, unzweideutig, unverwechselbar", lobt er. Reich-Ranicki ist für ihn ein Weiser geworden, der dem Leser in der Funktion des Lehrmeisters der Literatur gleichzeitig als Lehrmeister in den Angelegenheiten der Welt begegne. Dass er dafür in der Öffentlichkeit auch die Maske des unterhaltsamen Clowns nicht verschmähe, findet Arnold besonders bemerkenswert. Auch rechnet er ihm hoch an, dass Reich-Ranicki selbstkritisch einst gefällte Urteile überdenkt und revidiert. Fazit von Arnolds Besprechung ist, dass sich über den literarischen Wert von Reich-Ranickis Reden hinaus Fragestellungen eröffnen, die wesentliche Probleme der deutschen Vergangenheit und Gegenwart berühren und so weit über das vom Tage Geforderten hinausgehen.

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