Thomas Schüller

Unheilige Allianz

Warum sich Staat und Kirche trennen müssen
Cover: Unheilige Allianz
Carl Hanser Verlag, München 2023
ISBN 9783446277663
Gebunden, 208 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Ein prominenter Kirchenrechtler ruft auf: schafft die Privilegien der Kirche ab! Weniger als die Hälfte der Deutschen gehört noch einer der beiden Kirchen an, die aber verfügen weiterhin über enorme Privilegien. Dem Staat kommt es gelegen, wenn Diakonie und Caritas soziale Aufgaben übernehmen, und sei es auf Kosten des Arbeitsrechts. Sexuellen Missbrauch verfolgt die kirchliche Justiz genauso halbherzig wie Veruntreuung - und die weltliche Justiz schaut zu. Dabei kassieren die Kirchen jedes Jahr eine halbe Milliarde Euro staatlicher Steuergelder, weil vor 200 Jahren ihre Klöster enteignet wurden. Für Thomas Schüller profitieren beide Seiten von dieser Komplizenschaft. Aber die Gesellschaft hat sich verändert: höchste Zeit, dass dieser unheiligen Allianz ein Ende gemacht wird.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.12.2023

Ein bemerkenswertes Buch über die katholische Kirche und ihr Verhältnis zum deutschen Staat liest Rezensent Ronen Steinke bei Thomas Schüller, Professor für Kirchenrecht: Erst ganz langsam öffnet sich die Kirche dafür, homosexuellen Mitarbeitern etwa nicht mehr sofort zu kündigen. Zumindest plädieren die Diözesanbischöfe dafür, die aber zahlenmäßig bislang der Deutschen Bischofskonferenz unterliegen, die sich dem in den Weg stellt und deren Mitglieder vom Autor als "bischöfliche Voyeure" bezeichnet werden. Schüller erscheint Steinke in dem Buch als "enthusiastischer Insider", der sehr gut informiert und der katholischen Kirche trotz aller Kritik durchaus freundlich gesinnt ist, attestiert er ihr doch ein Arbeitsklima, das grundsätzlich dem Prinzip der Nächstenliebe folge. Gleichzeitig legt er er nahe, dass sich Staat und Kirche noch viel strikter voneinander trennen müssen: Schluss mit der Kirchensteuer, fordert der Autor beispielsweise laut Rezensent, außerdem sollten Verbände anderer religiöser Gruppen mit der Kirche auf eine Stufe gestellt werden. Klug und aufschlussreich, findet der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2023

Rezensent Horst Dreier horcht auf, wenn ein gelehrter Katholik wie Thomas Schüller loslegt, um die Kirche auf breiter Front zu kritisieren. Dem Autor geht es um affirmative Kritik, stellt Dreier fest, in dem Sinne, dass Schüller die Kirche gern fit machen würde für eine besser Zukunft. Dafür schlägt er laut Rezensent allerdings erst einmal polemisch um sich, moniert das Verhältnis Staat Kirche in Deutschland, kirchliche Extrawürste im Arbeitsrecht und bei der Steuer und vieles mehr. Das ist nicht neu, so Dreier, aber dennoch lesenswert, weil Schüller die Entfremdungserscheinungen zwischen Bürger und Kirche engagiert genauer in den Blick nimmt.

Buch in der Debatte

9punkt 21.12.2023
In einer Streitschrift fordert der Kirchenrechtler Thomas Schüller eine klare Trennung von Kirche und Staat, schreibt der Soziologe Armin Pfahl-Traughber auf hpd. "Ausgangspunkt der Betrachtungen in dem Buch sind die zahlreichen, von Finanz- bis Missbrauchsskandalen reichenden Vorkommnisse. Sie führten mit zu einer kontinuierlichen Austrittswelle wie einem massiven Vertrauensverlust. Daher fragt der Autor, ob zugunsten der Kirchen bestehende Sonderrechte noch zu rechtfertigen seien. Unser Resümee

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