Thomas Strässle

Fluchtnovelle

Eine Fluchtgeschichte, wie man sie noch nie gelesen hat
Cover: Fluchtnovelle
Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783518474488
Gebunden, 121 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Erfurt, 1965: Im "Haus der Roten Armee" lernen sich eine Studentin aus der DDR und ein Student aus der Schweiz kennen. Beide sind blutjung - sie 21, er 23. Sie verlieben sich ineinander und wollen ein gemeinsames Leben, doch trennt sie der Eiserne Vorhang. Dass er zu ihr in den Osten gehen könnte, kommt für beide nicht in Frage, und so suchen sie verzweifelt nach einem Weg für sie in den Westen. Als sie einsehen müssen, dass es legal nicht geht, schmieden sie einen genialen Plan und wollen das System von der Seite her angreifen, der es am wenigsten Aufmerksamkeit schenkt: Die DDR tut alles, um die Menschen an der Ausreise zu hindern, also versuchen sie es aus der entgegengesetzten Richtung, bei der Einreise. Die Route führt über Prag, sie bereiten alles minutiös vor, doch als der entscheidende Moment da ist, läuft nichts wie geplant …

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.02.2025

Äußerst angetan ist Rezensent Alexander Kosenina von Thomas Strässles Buch über die Republikflucht seiner Eltern. Mithilfe zahlreicher Dokumente stellt Strässle laut Kosenina diese Geschichte nach, darunter Gesetzestexte, Zeitungsartikel und vor allem ein 1975, neun Jahre nach der Flucht aufgezeichnetes Gespräch der Eltern. Die Flucht selbst, die unter anderem einen gefälschten Reisepass und eine Doppelgängerin der Mutter des Autoren involviert, ist, lesen wir, dynamisch und spannend erzählt, droht immer wieder an überraschenden Details wie etwa der tschechischen Orthografie zu scheitern. Außerdem wird hier nicht einfach nur Zeitgeschichte nacherzählt, sondern auch fabuliert, freut sich Kosenina, etwa, wenn ein innerer Dialog der Mutter in das Buch einfließt. Auch, dass hier nicht romantischer Überschwang, sondern die präzise Rekonstruktion der Ereignisse im Zentrum steht, gefällt dem insgesamt ziemlich hingerissenen Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.01.2025

Rezensentin Cornelia Geißler gefällt Thomas Strässles Novelle über die Liebesbeziehung seiner Eltern, die letztlich seine eigene ist und dazu eine Fluchtgeschichte. Wie seine Eltern, sie DDR-Bürgerin, er Schweizer, unter schwierigsten Umständen zueinanderfanden, erzählt der Autor laut Geißler  mit Sinn für die Brisanz der Situation und Zeit, mit szenischen Elementen und Dialogen, Gesetzesauszügen und wechselnden Orten. Was mitunter konkret wie ein Dokumentarfilm wirkt, ist nicht zuletzt eine Liebesgeschichte, meint Geißler.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.11.2024

Rezensent Paul Jandl bekommt mit dem schmalen Buch von Thomas Strässle einen Krimi und eine Liebesgeschichte in einem. Das Leichte der Novelle verbindet der Autor laut Jandl geschickt mit der Schwere einer Fluchtgeschichte im Jahr 1966. Indem er die Geschichte seiner Eltern erzählt, er in der Schweiz, sie in der DDR, schafft Strässle auch eine Verbindung zwischen dem Privaten und dem Politischen, meint Jandl. Die Auswertung von Stasi-Akten und die Abbildung der DDR-Paranoia erzeugt für Jandl eine dichte Atmosphäre, als würde im Kopf des Lesers ein Film ablaufen. Berührend und kurios, findet er.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.10.2024

Rezensentin Elke Heidenreich hält mit Thomas Strässles Buch erstens eine mustergültige Novelle und zweitens ein "gutes" Buch in der Hand. Gelesen hat sie es auch und lobt voller Überschwang Strässles Fähigkeit, auf engem Raum eine spannende Fluchtgeschichte, eine Liebesgeschichte und einen Blick auf die unsäglichen Verhältnisse in der DDR zu vereinen. Hinreißend findet Heidenreich Strässles Vermengung von Recherchiertem, Erzähltem und DDR-Amtsdeutsch, von Liebe, Mut, Fantasie, Gefahr und Bammel, wunderbar auch, wie er das Unerhörte vor den Leserinnenaugen wahr werden lässt. Die Flucht aus der DDR zum Geliebten in die Schweiz gelingt, die Rezensentin verrät es. Am Lesegenuss ändert das nichts, versichert Heidenreich. Und das Beste: Es ist die Geschichte der Eltern des Erzählers, die hier berichtet wird.

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