Thomas Strässle

Salz

Eine Literaturgeschichte
Cover: Salz
Carl Hanser Verlag, München 2009
ISBN 9783446234178
Gebunden, 480 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Das Salz, sagt Peter Handke, gehört wie die Liebe, der Zorn oder der Wahnsinn zu den Wörtern, "mit denen die großen alten Geschichten erzählt wurden und ohne die es keine Geschichten gibt". Um solche großen Geschichten geht es in diesem Buch: In fünf thematischen Kapiteln - Natursalze, Glaubenssalze, Sprachsalze, Körpersalze und Beziehungssalze - verfolgt Thomas Strässle die Spur, die das weiße Gold durch die Literaturgeschichte zieht - von den Anfängen bis in die Gegenwart: vom Alten Testament bis Paul Celan, von Homer bis Dürrenmatt, von Cicero bis Peter Weiss. Dabei zeigt sich ein unerhörter Reichtum an Bedeutungen, die die literarischen Texte dem elementaren Stoff zuschreiben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.03.2010

Dass Salz weit mehr als ein einfaches Gewürz ist, sondern ein "Sinnkristall" und ein "Stoff, der zum Geistigen" führt, erfährt Manfred Koch von Thomas Strässle. In seiner Literaturgeschichte des Salzes geht der Zürcher Germanist der Bedeutung und Symbolik des Salzes in der deutschen Literatur vom Barock bis zur Gegenwart nach, wie der Rezensent gelesen hat. Der Autor erläutert laut Koch zunächst ausführlich, aber immer "erhellend" den kulturgeschichtlichen Hintergrund und die religiöse Symbolik des "weißen Goldes". So wird der Rezensent nicht nur mit Lots zur Salzsäure erstarrten Frau bekannt gemacht, sondern erfährt auch, dass Judas in Leonardo Da Vincis berühmten Abendmahl-Gemälde dadurch als Verräter auffällt, dass er das Salzfass umstößt. Sehr eindrucksvoll findet Koch auch die Salzvorkommen in der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts bei Autoren wie Paul Celan, Walter Benjamin oder Durs Grünbein, die im Zentrum der Literaturgeschichte stehen. Vom Tränensalz in der Lyrik nach 1945, aber auch von anderen salzhaltigen Ausscheidungen wie Schweiß und Urin liest Koch, den das Schlusskapitel über Harnsalz in Grünbeins "Vom Schnee" besonders fasziniert hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.02.2010

Großes Lob für diese als Habilschrift getarnte, aber ganz und gar leserfreundliche Semantik des Salzes, so versichert uns jedenfalls ein begeisterter Hans-Herbert Räkel. Was genau Thomas Strässles Buch darstellt, wenn schon nicht die versprochene Literaturgeschichte des Salzes, dies aufgrund mangelnder historischer Konstanten in Sachen Salz, so der Rezensent -  was es darstellt, erschließt sich Räkel langsam, doch gewaltig (nein, auch keine Kulturgeschichte der Speisewürze!). Am Ende vermag Räkel nicht nur das Salz als Chiffre zu lesen, poetische und poetologische Verfahren seiner Modellierung zu dechiffrieren, mit Hilfe des angebotenen Forschungskatalogs, 100 Seiten Anmerkungen, Bibliografie und Namensregister erster Güte gelingt es dem Rezensenten auch, begriffsorientiert (Natursalze, Glaubenssalze, Sprachsalze, Körpersalze etc.) bei Plinius, Durs Grünbein oder bei Lots Weib nachzuschlagen, wie die es mit dem Salz halten. Und das Tollste für Räkel ist: Strässles erstaunliche Gelehrsamkeit geht ihm nie auf den Senkel, sondern bleibt menschenfreundlich und auf nachvollziehbare begriffliche Erkenntnis ausgelegt.

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