Michael Niehaus

Das Buch der wandernden Dinge

Vom Ring des Polykrates bis zum entwendeten Brief
Cover: Das Buch der wandernden Dinge
Carl Hanser Verlag, München 2009
ISBN 9783446234055
Gebunden, 405 Seiten, 21,50 EUR

Klappentext

Die in ihnen schlummernde Macht offenbaren die Dinge erst, wenn Weggeworfenes zurückkommt: wie der Ring des Polykrates, wenn Verschicktes von einem Dritten versteckt wird; wie "Der entwendete Brief" von E. A. Poe, wenn Verschenktes in den Händen eines Dritten auftaucht; wie das Taschentuch in Shakespeares "Othello". Der Literaturwissenschaftler Michael Niehaus erzählt Geschichten, in denen Dinge von Hand zu Hand gehen. Sein Buch schöpft aus dem reichen Fundus von Literatur, Film und Theater und schildert das rätselhafte erotische oder detektivische Begehren, die Verführungskraft und die Beunruhigung, die wandernden Dingen und ihren Geschichten innewohnen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.12.2009

Überaus eingenommen zeigt sich Rezensent Peter Geimer von Michael Niehaus' Arbeit über die verwinkelten Wege wandernder Gegenständen in Literatur, Theater und Film. Das Buch des Literaturwissenschaftlers unterscheidet sich für ihn wohltuend von der Masse der Sekundärliteratur, er nennt es ein Sachbuch "im besten Sinn", denn im Mittelpunkt sieht er die Frage, wie Dinge ihre ahnungslosen Besitzer in Verwicklungen führen, die sie oft nicht mehr kontrollieren können. Er lobt Niehaus' phänomenologischen Zugang zum Thema, die Fülle von bekannten und überraschenden Beispielen aus Literatur, Theater und Film, die behandelt werden, sowie den "geschärften Blick" für die Struktur von Ding-Konstellationen. Dass einige für das Thema relevante Autoren wie Proust, Flaubert oder Nabokov fehlen, kreidet er dem Autor nicht allzu negativ an. Er wünscht seinem "eigenwilligen" Buch vielmehr, "dass es selbst zum wandernden Ding wird und viele Leser erreicht."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.10.2009

"Variantenreich", aber auch "allzu tiefschürfend": Mit Michael Niehaus hat Rezensent Tobias Haberkorn einen Lacan-Kenner entdeckt, der seine Vorliebe für die psychoanalytische Sprache des Franzosen nicht immer sofort offenlegt. Wie Haberkorn etwas irritiert feststellt, bekommt man in diesem Buch über das Wesen der Dinge, wie sie im westlichen Literatur- und Filmkontext ausgedeutet werden, doch einige Lacansche Begriffe ("Ehre des Vaternamens", "imaginäres Dreieck") trocken und unerklärt vor die Augen gesetzt, so dass Lacan-Laien bei dem ohne Zweifel "sprachlich ausgefeilten" Text doch ihre Mühe haben dürften. Gleichwohl strotzt das Buch für Haberkorn nur so vor kurzweiligen und erkenntnisreichen Passagen, gerade auch wenn sich aus dem unerschöpflichen narrativen Archiv bedient wird. So erfreut sich Haberkorn beispielsweise sehr an der Neubetrachtung von Shakespeares "Othello", in der nun alles vom Einfluss des Taschentuchs her erzählt wird. Unter diesem zweigeteilten Urteil erklärt Haberkorn das Buch zur Geschmackssache.

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