Aus dem Französischen von Bettina Kutzer. Conakry, Hauptstadt Guineas, Westafrika. Die 15-jährige Véronique flieht aus dem Haus ihrer Eltern, nachdem sie ihren Vater mit dessen Dienstwaffe erschossen hat. Ein gleichaltriges Mädchen hilft ihr lange Zeit, sich zu verbergen, doch als sie sich endlich in Sicherheit glauben und in das Nachtleben der Clubs von Conakry wagen, taucht eine mysteriöse Figur auf: Ein Verfolger, der ihr Geheimnis zu kennen scheint. Die Art, wie der Roman Véroniques Geschichte erzählt, ist ein Ereignis, das verschiedene Zeiträume und Kontinente verbindet. Zwei Frauen, die sich zufällig in Paris kennenlernen, stellen fest, dass sie beide auf dramatische Weise Opfer der Tyrannenherrschaft von Sékou Touré im gerade unabhängigen Guinea sind. In einem Strudel der Erinnerung lassen sie einander eintauchen in ihre Geschichten - eine der Frauen ist Véronique, die Vatermörderin.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 19.04.2024
Tierno Monénembo verarbeitet in "Indigoblau" eine besonders dunkle Phase der Geschichte Guineas - die Schreckensdiktatur von Ahmed Sékou Tourés, vor der der Autor selbst 1969 geflohen ist. Trotzdem ist diese Geschichte über zwei Frauen - oder eher die ineinander verwobenen Lebensgeschichten dieser heldenhaft resilienten Frauen zeitlos, meint Rezensentin Dina Netz. Denn Menénembo geht es um mehr als die konkrete historische Situation aus der das Leid seiner Protagonistinnen entspringt: ihm geht es um den ambivalenten Prozess des Sich-Erinnerns - ambivalent, weil einerseits identitätsstiftend, andererseits schmerzhaft, manchmal zerstörerisch - und darum, das Gefühl der Leere spürbar zu machen, das viele Heimat- und Geschichtslose empfinden. Dies gelingt ihm in einer eleganten, bildreichen und emotionalen Prosa, mit zahlreichen Dialogen, viel Humor und "überraschender Selbstironie", schließt die berührte Rezensentin.
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