Till Bastian

Niemandszeit

Deutsche Porträts zwischen Kriegsende und Neubeginn
Cover: Niemandszeit
C.H. Beck Verlag, München 1999
ISBN 9783406421310
Taschenbuch, 200 Seiten, 10,17 EUR

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.2000

In einer Doppelrezension bespricht Sabine Fröhlich zwei Bücher, die von den Folgen der Nazizeit handeln:
1) Irene Eckler: "A Family Torn Apart by `Rassenschande`" (Horneburg Verlag)
Sabine Fröhlich erzählt im wesentlichen die Geschichte der Irene Eckler nach, doch wird dabei deutlich, wie sehr sie diese Geschichte beeindruckt hat. Eckler, die sich an ihre Eltern nicht erinnern kann, hat mithilfe alter Dokumente deren Geschichte bruchstückhaft zusammengetragen. Weil die Mutter Jüdin war, durften die Eltern nicht heiraten und wurden später wegen "Rassenschande" verhaftet. Der Vater fiel an der Front, die Mutter starb in der Gaskammer. Die Tochter war derweil bei Pflegeeltern untergebracht. Diese gaben das Kind nach dem Krieg - Irene Eckler war sieben Jahre alt - in ein Waisenhaus. Später gelang Eckler die Ausreise in die USA, doch litt sie ihr Leben lang an den Folgen der Misshandlungen in dem Kinderheim. Eckler trage die Ergebnisse ihrer Spurensuche "sachlich distanziert" vor, so als würde sie über eine dritte Person berichten. Doch gerade dies, stellt die Rezensentin fest, mache dem Leser begreiflich, was es für Irene Eckler bedeutet haben muß, ihre Familiengeschichte aus "gleichgültig abgestempelten Papieren" zu erfahren.
2) Till Bastian: "Niemandszeit" (Beck Verlag)
Diesem Buch, dass die Zeit zwischen dem 8.5.1945 (Kriegsende) und dem 8.5.1949 (Abstimmung des Parlamentarischen Rates über das neue Grundgesetz) als "Niemandszeit" zu definieren sucht, kann Sabine Fröhlich nur wenig abgewinnen. Bastian versuche mit Ausschnitten aus Selbstzeugnissen, diversen Zitaten und zeitgenössischen Schlagzeilen ein Bild der "Stunde Null" zu zeichnen. Auch Irene Eckler taucht in diesem Band auf, doch bleibe sie wie alle anderen Protagonisten "blass und schemenhaft". Die autobiografischen Passagen haben nach Fröhlich "kräftigere Konturen". Alles in allem ist es Bastian ihrer Ansicht nach nicht geglückt, ein Zeitporträt zu schaffen. "Etwas "Beliebiges" hafte dem Band an.

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