Ida ist ein Zirkuskind, ihre Eltern sind Stars im DDR-Staatszirkus, die Mutter am Trapez, der Vater als Elefantendompteur, es gibt sogar eine Briefmarke mit seinem Bild. Zur Einschulung wird das Mädchen nach Tann ins Erzgebirge verschickt, zur Oma, in deren Kneipe die Männer vom Uranbergwerk ihre Extrazuteilungen versaufen, ehe sie früh an radioaktiver Vergiftung, der Schneeberger Krankheit verrecken. Nach der Wende wird die Mine geschlossen, der Zirkus an einen westdeutschen Investor verscherbelt. Die Ehe der Eltern scheitert an Stasigeschichten. Idas Vater hockt in seinem Zirkuswohnwagen im Garten der Großmutter und säuft. Sie selbst folgt der Elefantendame Hollerbusch, die an den Zoo von Kiew verkauft wurde …Der Roman einer Familie und der einer Stadt, die immer eine andere war, in einem Land, das es nicht mehr gibt.
Rezensentin Bettina Baltschev bekommt ganz schön viel Stoff mit diesem Roman von Tina Pruschmann, aber die Autorin weiß ihn zu bewältigen, versichert die Kritikerin. An der Seite von Artistentochter Ida erlebt Baltschev das Zirkusleben in der DDR, das Kurleben in einem Bad im Erzgebirge und die Ukraine kurz nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Denn dorthin verschlägt es Ida, als die Zirkuselefanten ihrer Kindheit nach Kiew verkauft werden. Über Idas Großmutter führt der Roman zudem ins 19. Jahrhundert. Nicht alle Erzählstränge hätte die Kritikerin zwingend gebraucht. Aber wie Pruschmann alles ausbalanciert, auch Gesagtes und Nichtgesagtes, und dabei die ganze Komplexität ostdeutscher Biografien nachzeichnet, findet Baltschev bemerkenswert.
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