Was geschieht mit uns, wenn wir lesen, und warum tun wir es so gern? Muss man alles zu Ende lesen, und was sollte man wirklich über den Autor wissen? Muß man sich einschüchtern lassen von großen Werken, und wie nähert man sich denen am elegantesten, an denen man bislang, sich respektvoll verbeugend, vorbeigerauscht ist? Und wo liest man was am besten? Fragen, die jede leidenschaftliche Leserin und jeden Leser, der es werden will, umtreiben und die Ulrich Greiner, der Literaturchef der ZEIT, in seinem intelligenten und unterhaltsamen "Leseverführer" behutsam und sehr persönlich beantwortet. Das Buch wendet sich bewusst an die "Laien", an Leseanfänger und solche, die mehr darüber wissen wollen, was sie begeistert tun, aber es ist auch für die "Profis" ein Vergnügen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.12.2005
Thomas Steinfeld begrüßt diesen "Leseverführer", den der Literaturchef der Zeit, Ulrich Greiner, vorgelegt hat. Dabei äußert er sich zunächst überaus skeptisch gegenüber jeder Pädagogik des Lesens und dem üblichen Plädoyer für die Lektüre. Umso erfreuter ist er, dass Greiners Buch gar keine Verführung zur Lektüre im befürchteten Sinn darstellt. Vielmehr erblickt er darin eine "sehr praktische, zuweilen weit ins Ästhetische ausgreifende Handreichung zum Lesen von Werken der Romankunst". Am stärksten findet er Greiners Buch, wenn sich der Autor nicht zur Literatur bekenne, "sondern an ihr arbeitet" - wenn er etwa über den Körper der "Penthesilea" bei Heinrich von Kleist, über die Form der direkten Anrede des Lesers in Herman Melvilles "Moby Dick" oder über die Vorliebe für das Substantiv bei Adalbert Stifter spricht. Das sind für Steinfeld die Passagen, in denen der Autor die Didaktik seines Unternehmens "offenbar fast vergisst" und die ihn "am meisten überzeugen". Hier nämlich trete Greiner dem Leser als Kritiker entgegen, der es ernst meine mit der Literatur, als einer, "der mit Beobachtung und Analyse überzeugen und das Publikum nicht mit suggestiven Kaufbefehlen und großen Gesten heimsuchen will".
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