François Mitterrand zählt zu den schillerndsten französischen Staatsmännern des 20. Jahrhunderts. Seit langem ist bekannt, dass er seine ambivalente Vita bewusst "begradigt" und in einem Dickicht von Geheimnissen verhüllt hat. Zu dieser Inszenierung gehört vor allem seine Selbststilisierung zum fast lebenslangen Verfechter der deutsch-französischen Freundschaft. Ulrich Lappenküper enträtselt die "Sphinx" Mitterrand und bestimmt dabei auch die Grenzen zwischen Dichtung und Wahrheit.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.10.2011
Als Herausforderung bezeichnet Johannes Willms eine Bewertung Mitterrands als widersprüchlichsten, mysteriösesten Politiker der Nachkriegszeit. Dass der Historiker Ulrich Lappenküper sich ihr mit diesem Buch stellt, scheint Willms Respekt einzuflößen. Sinnvoll erscheint ihm Lappenküpers Darstellung von Mitterrands Herkunft als Urgrund seiner politischen Überzeugungen vor allem im Hinblick auf die deutsch-französischen Beziehungen, denen sich der Autor hier in erster Linie widmet, sowie auf Mitterands Begriff der deutschen Einheit als eine Art Kriegserklärung. Besonders schätzt der Rezensent die minutiöse Nachzeichnung des seismografischen Gespürs und der Reaktionen des Staatsmannes bezüglich der Veränderungen im Verhältnis der Bundesrepublik zur DDR und zur Sowjetunion.
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