Die originellen, oft kühnen und polemischen Entwürfe russischer Denker blieben im deutschsprachigen Raum weitgehend unbekannt. Dabei können zahlreiche Erscheinungen der russischen Kultur ohne die Tradition der russischen Religionsphilosophen kaum verstanden werden. Ulrich Schmid stellt sie jeweils mit einer biografischen Skizze und einem repräsentativen Textbeispiel vor und ordnet ihre Ansätze in einen größeren geistesgeschichtlichen Zusammenhang ein. Die russische Religionsphilosophie bietet ebenso eigenständige wie gehaltvolle Antworten auf die neuzeitlichen Denkmodelle Westeuropas.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.06.2003
Die russischen Philosophen des frühen 20. Jahrhunderts standen in ihrer Denk- und Schreibweise den Essayisten und Schriftstellern immer näher als den klassischen Schulphilosophen, erläutert Felix Philipp Ingold, was, wie er meint, ihrer Rezeption im Westen hinderlich gewesen sei. Gerade ihr Hang zur Metaphorik, zum Okkultismus, zum politischen und religiösen Engagement habe dazu geführt, dass man sich lieber gleich solchen Literaten wie Tolstoi oder Dostojewski zugewendet habe. In der Folge seien heute viele der bedeutendsten vorrevolutionären Philosophen Russlands hierzulande unbekannt, unübersetzt, klagt er und begrüßt um so mehr den von dem Slawisten Ulrich Schmid zusammengestellten Sammelband mit religionsphilosophischen Texten. Der Titel sei eher irreführend, meint Ingold, es handele sich überwiegend um Mustertexte allgemein philosophischen Inhalts. Für alle Texte sei jedoch das sie durchziehende "religiöse Fluidum" kennzeichnend, das ihre begriffliche und argumentative Konsistenz - in unseren Augen - in Frage stelle. Ein Erkenntnisgewinn stelle sich weniger durch logische Ableitungen her als durch anschauliche Metaphern; dies sei keineswegs als Schwäche, sondern als eine Besonderheit des russischen Denkens zu verstehen, betont Ingold.
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