Dieses Buch untersucht die Gründe für die Aufwertung des Tastsinns bei Herder - ein Desiderat der Forschung. Veränderungen in der Wahrnehmungstheorie seit der frühen Neuzeit sind hierfür konstitutiv. Sie führen zur Umkehr der Sinneshierarchie sowie zur Nivellierung der Unterschiede zwischen "sensus communis", Körper, Tastsinn und Gefühl. Werk- wie systemimmanent nicht lösbare Inkonsistenzen in Herders Konzeption des Tastsinns sind so erklärbar. Die Umkehr der Sinneshierarchie ist für die Ästhetik und Hermeneutik von zentraler Bedeutung, wie exemplarisch an der Diskussion um die Bestimmung der menschlichen Schönheit seit dem 16. Jahrhundert und in der Literatur um 1800 dargelegt wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.09.2000
In Form einer germanistischen Habilitationsschrift, schreibt Robert Jütte, liegt nunmehr eine "umfassende Würdigung" der durch Herder vorgenommenen Umkehrung der traditionellen Sinneshierarchie vor. Seine Betonung des Haptischen macht ihn, wie die Autorin schreibt und Jütte zitiert, zu einem "Vorläufer postmoderner Leiblichkeit". Der große "ideengeschichtliche Bogen", den die Germanistin nachzeichnet, um Herder wiederum in einen Kontext zu stellen, reicht vom Mittelalter bis ins achtzehnte Jahrhundert. Die "facettenreiche" Studie ist allerdings für unbeschlagene Leser nicht so leicht lesbaren. Dennoch, meint Jütte, "kein geringes Verdienst", Herders "ästhetische Überlegungen zum Ausgangspunkt" der Analyse seiner Hochschätzung des Tastsinnes gemacht zu haben.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Karl Ove Knausgard: Arendal Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Wo ist dein Platz im Leben? Wohin gehörst du? Wo liegen deine wahren Gefühle?Wir schreiben das Jahr 1976. Syvert Løyning ist nach einer…