Als 1933 der Reichstag brannte, war Adolf Hitler gerade einmal vier Wochen Reichskanzler. In den darauffolgenden Stunden und Tagen wurden Tausende verhaftet, der Terror wurde allumfassend. Und doch sind die Umstände des Brandes bis heute nicht geklärt: War es ein Einzeltäter, wie von vielen behauptet, oder ein gezielter politischer Anschlag der Nazis? War der Reichstagsbrand demnach sogar eine Art Staatsstreich der Regierung - gegen das eigene Volk? Mithilfe von historischen Quellen, neuen Indizien und eigenen Ermittlungen betrachtet Uwe Soukup die Ereignisse rund um den Brand. Nicht weniger spannend ist der jahrzehntelang erbittert geführte Streit um die Täterschaft: Es geht um Erpressung, gefälschte und unterschlagene Beweismittel und um die Frage, wer darüber bestimmt, was als historische Wahrheit gilt. So begibt sich Uwe Soukup nicht nur auf die Suche nach der Wahrheit über eine Nacht vor 90 Jahren, sondern auch auf eine Spurensuche durch die historische Aufarbeitung in der Nachkriegszeit.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.02.2023
Rezensent Tanjev Schultz liest (in der SZ Online) mit Interesse diese Recherche zum Reichstagsbrand. Hat wirklich der habblinde kommunistische Niederländer Marinus van der Lubbe den Brand allein gelegt? Uwe Soukup hat sich bereits als Lektor des amerikanischen Historikers Benjamin Carter Hett mit der bis heute ungenügenden Aufklärung des Falles beschäftigt, weiß der Rezensent. Bei Soukup schwinge erkennbar Ärger darüber mit, dass diese These des Hobbyhistorikers und Geheimdienstlers Fritz Tobias jahrzehntelang die Forschung dominierte. Und tatsächlich kann ihm Soukup zeigen, dass Tobias das Münchner Institut für Zeitgeschichte für sich einspannen konnte, weil dessen Leiter Helmut Krausnick als ehemaliges NSDAP-Mitglies erpressbar war. Und dass Tobias von sozialdemokratischen Antipathien gegen die Kommunisten geleitet war. Aber: Auch Soukup könne nicht rekonstruieren, was sich tatsächlich zugetragen habe, stellt der Rezensent fest: Seine Ideen bleiben Spekulationen.
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