Aus dem Russischen und mit einer Nachbemerkung von Olga Radetzkaja. Mit Anmerkungen und einem Nachwort von Anselm Bühling. Mit seiner Kunst des Erzählens hat Viktor Schklowskij die Zeit von 1917 bis 1922 durchlebt und überlebt: als Kommissar an der russisch-österreichischen und an der persisch-osmanischen Front, als sozialrevolutionärer Soldat im Kampf gegen die Bolschewiki, auf der Flucht nach Finnland 1922, als ihm die Verhaftung drohte. Als Literaturtheoretiker wurde Viktor Schklowskij weltweit bekannt und starb 91-jährig 1984 in Moskau.
Welterschütternde fünf Jahre beschreibt dieser Bericht: von Krieg, Bürgerkrieg und Revolution, von Angst und Ohnmacht und Tod - mit scharfem Blick, hart und kühl im Stil, immer ironisch und niemals sentimental. Dieses Buch ist das anatomische Präparat eines schreibenden und handelnden Zeitzeugen als literarisches Kunstwerk.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 29.08.2017
Oleg Jurjew lernt mit diesem Buch die interessanten Seiten des Schriftstellers und Teilzeitrevolutionärs Viktor Schklowskij kennen. Von Schklowskijs Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg bleiben ihm weniger die Selbstpreisungen des Autors als russischer Revolutionär im Gedächtnis denn die Beschreibungen von Leid und Gewalt in Petrograd oder im persischen Urmia-Gebiet. Starke Nerven empfiehlt der Rezensent der Leserin und ein Interesse an der Geschichte des 20. Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.08.2017
Der Titel "Sentimentale Reise" ist eine Verneigung vor Laurence Sterne, das Buch selbst war hingegen eine "Ohrfeige" für alle akademischen Traditionalisten, weiß Rezensent Bruno Preisendörfer. Denn Viktor Schlowskijs Werk über die russische Revolution, die Kriegsgräuel und das Hungerleiderleben von St. Petersburg ist im besten Sinne eine "Zumutung", fährt der Kritiker fort, der in den kurzen, "parolenhaften" Sätzen, die immer wieder von Wertungen, Gedanken, Rechtfertigungen oder Ausbrüchen der Verzweiflung unterbrochen werden, das Geschehen unmittelbar miterleben kann. Hier wird nicht ästhetisiert, wie etwa in Isaak Babels "Reiterarmee", sondern hier zerbricht die Sprache wie die Welt, urteilt der Rezensent, der auch mit Olga Radetzkajas Übersetzung sehr zufrieden ist.
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