Volker Perthes

Die Multipolarisierung der Welt

Ein geopolitischer Wegweiser
Cover: Die Multipolarisierung der Welt
Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783518432907
Gebunden, 351 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Die weitgehend friedliche oder zumindest übersichtliche Weltordnung der langen 1990er Jahre ist Vergangenheit: Weder internationale Organisationen noch die vormalige alleinige Supermacht USA können heute militärische Konflikte wie in der Ukraine eindämmen. Der Westen wirkt gespalten. Neue Mächte betreten die Bühne, Handelskriege stellen exportorientierte Staaten wie die Bundesrepublik vor Probleme. Volker Perthes, ehemaliger UN-Diplomat und langjähriger Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, bietet mit seinem Essay Einordnung und Überblick. Wir leben in einer von Multipolarisierung geprägten Zeit. Nach dem Kalten Krieg und der Pax Americana dominieren heute fünf starke Pole die Weltpolitik, neben den USA und China auch die EU, Russland und Indien. Regionale Mittelmächte, das zeigt Perthes an den Beispielen Naher Osten und Südostasien, können diese großen Akteure gegeneinander ausspielen und ihre eigene nahe Umwelt durchaus gestalten. In dieser Lage muss die EU ihre Handlungsfähigkeit stärken, wenn sie nicht zwischen anderen Polen polarisiert werden will.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2026

Schlüssig liest sich, findet Rezensent Otto Kallscheuer, was Volker Perthes hier über die aktuellen Machtstrukturen in der internationalen Politik aufschreibt. Die Multipolarisierung des Titels bezieht sich zum einen, ähnlich wie in Herfried Münklers "Welt in Aufruhr", auf eine neue Weltordnung, die nicht mehr von ein oder zwei, sondern von fünf Mächten dominiert wird: der USA, China, Russland, prospektiv Indien und dem derzeit schwächelnden Europa. Freilich beschäftigt sich Perthes nicht nur mit den unterschiedlichen Strategien dieser Großmächte; vielmehr und vor allem blickt er auf kleinere Länder und die verschiedenen Optionen, die sie haben, wenn es darum geht, sich im neuen geopolitischen Machtgefüge zu positionieren. Regionale, teils informelle Allianzen auch zwischen ideologischen Kontrahenten werden in der neuen Weltordnung wichtiger, glaubt Kallscheuer, wobei er besonders den ostasiatischen Raum sowie den Nahen und Mittleren Osten im Auge hat. Kallscheuer liefert kein Erklärungsmodell für alle Krisen dieser Welt, stellt Perthes klar; aber er hat viel zu sagen über die Strukturen, die hinter diesen Konflikten stehen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 10.04.2026

Rezensent Ingo Arend schöpft Hoffnung mit dem Buch des Politologen Volker Perthes. Der Autor beschreibt darin laut Arend allen Großmachtfantasien Trumps und Putins zum Trotz eine multipolare Weltordnung, in der auch Schwellen-Länder wie Brasilien, Indien und Südafrika ein Wort mitzureden haben. Für Arend so überraschend wie nachvollziehbar. Und optimistisch dazu, findet Arend, denn Perthes zeigt wechselseitige Abhängigkeiten der Staaten und dass es Alternativen gibt zur Unterwerfung unter die Großmächte. Auch wenn die "spröde" Schreibe den Rezensenten nicht eben anspricht, bietet Perthes ihm doch ein "profundes Handbuch" zur internationalen Politik und ein "unaufgeregtes Plädoyer" für eine andere globale Ordnung.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.02.2026

Der Historiker und Rezensent Stefan Messingschläger erkennt das Plus am Essay von Volker Perthes darin, dass der Autor ein Instrumentarium politischer Urteilskraft liefert und darüber nachdenkt, wie sich die viel beschworene neue Weltordnung mit "prüfbaren Fragen" beschreiben und gegebenenfalls auch umschreiben lässt. Kein Alarm, keine große Theorie also, stellt Messingschläger zufrieden fest, stattdessen bietet Perthes einen Blick auf das Prozesshafte der Multipolarität. Gut gefällt Messingschläger, dass der Begriff auf die Weise seine "politische Aufladung" verliert. Wenn Perthes in Teil 2 des Buches auf die regionalen Auswirkungen etwa in Afrika blickt, fühlt sich Messingschläger informiert und beschenkt. Handlungsoptionen für die EU liefert der Band auch, freut sich der Rezensent.

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