Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783518432907 Gebunden, 351 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Die weitgehend friedliche oder zumindest übersichtliche Weltordnung der langen 1990er Jahre ist Vergangenheit: Weder internationale Organisationen noch die vormalige alleinige Supermacht USA können heute militärische Konflikte wie in der Ukraine eindämmen. Der Westen wirkt gespalten. Neue Mächte betreten die Bühne, Handelskriege stellen exportorientierte Staaten wie die Bundesrepublik vor Probleme. Volker Perthes, ehemaliger UN-Diplomat und langjähriger Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, bietet mit seinem Essay Einordnung und Überblick. Wir leben in einer von Multipolarisierung geprägten Zeit. Nach dem Kalten Krieg und der Pax Americana dominieren heute fünf starke Pole die Weltpolitik, neben den USA und China auch die EU, Russland und Indien. Regionale Mittelmächte, das zeigt Perthes an den Beispielen Naher Osten und Südostasien, können diese großen Akteure gegeneinander ausspielen und ihre eigene nahe Umwelt durchaus gestalten. In dieser Lage muss die EU ihre Handlungsfähigkeit stärken, wenn sie nicht zwischen anderen Polen polarisiert werden will.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.02.2026
Der Historiker und Rezensent Stefan Messingschläger erkennt das Plus am Essay von Volker Perthes darin, dass der Autor ein Instrumentarium politischer Urteilskraft liefert und darüber nachdenkt, wie sich die viel beschworene neue Weltordnung mit "prüfbaren Fragen" beschreiben und gegebenenfalls auch umschreiben lässt. Kein Alarm, keine große Theorie also, stellt Messingschläger zufrieden fest, stattdessen bietet Perthes einen Blick auf das Prozesshafte der Multipolarität. Gut gefällt Messingschläger, dass der Begriff auf die Weise seine "politische Aufladung" verliert. Wenn Perthes in Teil 2 des Buches auf die regionalen Auswirkungen etwa in Afrika blickt, fühlt sich Messingschläger informiert und beschenkt. Handlungsoptionen für die EU liefert der Band auch, freut sich der Rezensent.
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