Aus dem Amerikanischen von Jürgen Brocan. So schmutzig und glanzvoll ist Amerika: Der Waisenjunge Jack Engle wächst um 1850 im multikulturellen New York auf. Er muss lernen, sich zu behaupten zwischen Armut und Wohlstand, zwischen korrupten Geschäftsleuten und windigen Politikern, zwischen verführerischen Tänzerinnen und nicht ganz trockenen Alkoholikern. Doch Jack schlägt sich durch in der wimmelnden Metropole. Gemeinsam mit seinen Freunden Nat und Martha gelingt es ihm schließlich sogar, die Machenschaften eines betrügerischen Anwalts aufzudecken. Whitman selbst bezeichnete New York als die "radikalste Stadt Amerikas".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.10.2019
Erst 2017 wurde der New-York-Roman "Jack Engle" Walt Whitman zugeschrieben, den Amerikas Großdichter offenbar 1852 anonym als Fortsetzungsroman im "Sunday Dispatch" veröffentlicht hatte. Jetzt kommen gleich drei Übersetzungen auf den deutschen Markt, die Rezensent Martin Zähringer kurz vorstellt: Jürgen Brôcan sei als Übersetzer der "Leaves of Grass" bestens mit Whitmans Werk vertraut, Irma Wehrli und Renate Orth-Guttmann seien als Duo ebenfalls versierte Übersetzerinnen, konstatiert Zähringer, während sich Whitman-Experte Stefan Schöberlein einige übersetzerische Freiheiten herausnehme. Eine Vorliebe äußert der Rezensent nicht, diplomatisch nennt er sie "apart in der äußeren Ähnlichkeit, aber grundverschieden im Inneren". Format, versichert Zähringer, haben sie alle drei.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.05.2019
Nicolas Freund staunt darüber, wie digitale Suchmethoden diesen Zeitungsroman als ein Werk Walt Whitmans identifizieren konnten. Die bisherigen Übersetzungen konnten ihn allerdings nicht befriedigen. Umso mehr freut sich Freund darüber, dass Jürgen Brocan nun die ultimative, weil vollständige und genaue Übersetzung gelungen ist, samt hilfreichem Kommentar und Anhang. Whitmans Geschichte um einen Drifter im New York der 1850er Jahre wirkt auf Freund zwar immer noch etwas schematisch und beliebig, ihr Reportagestil lässt den Rezensenten aber eintauchen in ein vergangenes New York.
Matthias Kußmann gibt offen zu, dass er Walt Whitmans erst 2016 entdeckten Fortsetzungsroman für kein literarisches Feuerwerk hält. Die Geschichte einer Kindheit und Jugend im New York um 1850 scheint ihm gut lesbar, lebendig und mit sozialkritischem Einschlag, aber nicht sensationell. Als frühen modernen Stadtroman findet er das Buch unterhaltsam und sprachlich durch die Verwendung von Hoch- und Alltagssprache durchaus anspruchsvoll. Jürgen Brocans Übersetzung wird Whitmans Stil gerecht, findet Kußmann.
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