Werner Röhr rekapituliert einhundert Jahre deutscher Debatten über die Verantwortung für den Ersten Weltkrieg. Angefangen vom Weißbuch 1914 über den 'Weltkrieg der Dokumente' nach 1919 bis zur Fischer-Kontroverse 1961ff., umreißt er diese Auseinandersetzungen, hinter die heutige Geschichtsrevisionisten wie Christopher Clark und Heerfried Münkler zurückgehen. Er lenkt den Blick von subjektiven Fehlentscheidungen der Militärs und Politiker auf die äußeren und inneren Kriegsursachen und verweist auf Forschungen marxistischer Historiker der DDR zum Ersten Weltkrieg und holt die von Fritz Fischer und seinen Schüler gewonnenen Erkenntnisse wieder ins Gedächtnis zurück. Anschließend analysiert er einige erneut diskutierte Streitfragen zum Ersten Weltkrieg, an erster Stelle die deutsche Verantwortung, die Kriegsursachen und die deutschen Kriegsziele.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.04.2016
Dominik Geppert attestiert Werner Röhr ein gehöriges Maß an Verschwörungsdenken, wenn sich der Autor mit Argumenten des historischen Materialismus und der marxistischen Geschichtsschreibung dem Ersten Weltkrieg und seinen Ursachen zuwendet. Historische Differenzierung, Sachlichkeit und Nuancen scheinen dem Autor fremd, meint er. Stattdessen biete die "Kampfschrift" politische Agitation aus der Mottenkiste. Als reinen Nostalgiker möchte Geppert den Autor aber dann doch nicht abtun und widmet sich seiner Behandlung des Revisionismus-Begriffs wie auch dessen Vorwurf, neuere Forschung zum Ersten Weltkrieg, dienten der Herstellung eines von Schuldzuweisungen befreiten Geschichtsbildes. Im Vergleich mit Röhr kann der Rezensent die neueren, vom Autor gescholtenen Studien allerdings nur als anregend und attraktiv bezeichnen.
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