Aus dem Englischen von Arno Schmidt. Mit einem Vorwort von Carvel Collins, der Kurzgeschichte "Piporakemes!" von Arno Schmidt und einem Nachwort von Bernd Rauschenbach. 1925 veröffentlichte der damals noch völlig unbekannte William Faulkner einige Skizzen und Kurzgeschichten in regionalen Zeitschriften. Einfache Leute sind das Personal dieser in New Orleans angesiedelten Genrebilder, Seeleute, Schmuggler, Bettler und Huren, Wettbetrüger und Priester.
1960 wurden diese New Orleans Sketches des mittlerweile weltberühmten Nobelpreisträgers Arno Schmidt zur Übersetzung angeboten. Er griff, wie er sagte, nur "aus Reklamegründen" zu, denn er mochte Faulkner nicht. Seine 1962 erschienene deutsche Version der Sketches ist trotzdem brillant - in Faulkners Alltagssprache war Schmidt eben zu Hause.
Eine Fortsetzung fand Schmidts Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Schriftstellerkollegen in der Erzählung "Piporakemes!". Dort besucht ein englischer Faulkner-Spezialist einen gewissen Schmidt, um ihn für seine miserable Übersetzung zur Rechenschaft zu ziehen. Wie der missvergnügte und angetrunkene Schmidt den Professor durch immer haltloseres Schwadronieren abblitzen lässt, gehört zum Komischsten, was der Sprachexperimentator aus der Heide geschrieben hat. In der vorliegenden Neuausgabe ist auch diese Erzählung enthalten und setzt einen humoristischen Kontrapunkt zum Ernst von Faulkners Skizzen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.06.2017
Schon in den frühen, erstmals 1925 erschienenen Prosawerken ist die ganze Meisterschaft William Faulkners zu erkennen, stellt Rezensent Friedhelm Rathjen nach der Lektüre der hier versammelten Skizzen und Erzählungen fest. Allein wie sicher Faulkner in diesen Charakterporträts eigensinniger Figuren vom Rande der Gesellschaft mit extrem subjektiven Perspektiven umgeht und durch modernistische Techniken wie dem Bewusstseinsstrom, dem inneren Monolog oder dem Traumprotokoll große Sog- und Suggestivkraft entwickelt, ringt dem Kritiker größte Anerkennung ab. Zufrieden ist Rathjen auch mit der hier vorliegenden Übersetzung durch Arno Schmidt, der Faulkners frühe Texte zwar verabscheute, der sich aber aus Imagegründen besondere Mühe gab und eine "frische", dem Original gerecht werdende Fassung ohne "Schmidtsche Sprachmarotten" lieferte, lobt der Rezensent. Bernd Rauschenbachs kenntnisreiches Nachwort und Schmidts herrlich selbstironische Erzählung über seine Übersetzungstätigkeit vollenden den Band, schwärmt Rathjen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.05.2017
Rezensent Nicolas Freund hat diese "schöne" Neuauflage von Arno Schmidts Faulkner-Übersetzung mit viel Vergnügen gelesen. Das liegt allerdings weniger an Faulkners hier versammelten frühen Erzählungen, die erscheinen dem Kritiker noch wie etwas "überambitionierte literarische Gehversuche", in denen die Sozialkritik allzu "oberflächlich" daherkommt. Wenn Freund in Bernd Rauschenbachs kundigem und auf sorgfältiger Quellenrecherche beruhendem Nachwort allerdings nachliest, wie Schmidt in der Hoffnung, einen brillanten Text des Nobelpreisträgers übersetzen zu dürfen, den Auftrag annahm, nach Kenntnis der hier vorliegenden Skizzen aber gegen Faulkner, den "Schleimer vom Einfach=Leben" wetterte, kann sich der Kritiker das Lachen nicht verkneifen.
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