Wolfgang Kaleck ist bekannt als Rechtsvertreter von Edward Snowden, doch seine Geschichte reicht viel tiefer. Als idealistischer junger Anwalt vertritt er zur Nachwendezeit in Deutschland Opfer von Stasi und Neonazis. Bei Reisen in Südamerika trifft er auf Menschen, deren Leben von Folter und Gewalt geprägt sind. Erst jetzt wird ihm klar, dass er sich ganz dem Kampf um Menschenrechte widmen will - nicht als Einzelner, sondern als einer von vielen, die sich für eine bessere, solidarische Welt einsetzen. Heute ist er ein weltweit agierender politischer Jurist und Aktivist. Wie er dazu wurde, was ihn geprägt hat und warum die Frage nach den Menschenrechten immer auch eine Systemfrage ist, davon handelt dieses Buch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2015
Eine Nähe zu Carl Schmitt attestiert Christian Hillgruber ausgerechnet dem Strafrechtler und Snowden-Anwalt Wolfgang Kaleck. Bei allem Respekt für Kalecks in diesem Buch nachzuvollziehende Arbeit für Menschenrechte und seinem Einsatz für politisch Verfolgte geht Hillgruber das Engagement des Autors besonders als Verteidiger von Linksradikalen schlicht zu weit, wenn der Strafanspruch des Staates in Zweifel gezogen wird. Dass Kaleck weiß, wer die Guten sind, scheint ihm der Autor auch eine Spur zu selbstgewiss zu vermitteln. Nicht alle von Kaleck Verteidigten sind Helden, gibt Hillgruber zu bedenken. Eine Problematisierung der Frage, was Gerechtigkeit ist, vermisst er im Buch außerdem.
Ausführlich referiert Rezensent Christian Rath Leben und Werdegang des linken Rechtsanwalts Wolgang Kaleck, der an Prozessen gegen argentinische Generäle, den ehemaligen amerikanischen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld oder den Nestle-Konzern beteiligt war, die international für Aufsehen sorgten. Die vorliegende Autobiografie ist nicht nur etwas für Fachexperten, versichert der Rezensent. Juristische Details erspare der Autor seinem Publikum, vielmehr sei das Buch "verständlich geschildert und oft auch spannend zu lesen." Dass Kaleck mitunter auch Narzissmen pflege, nimmt der Kritiker dabei ebenso zur Kenntnis wie die Tatsache, dass er die Protagonisten der politischen Kämpfe vorstellt, die er mit seiner Arbeit unterstützt.
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