Die "Kritik der Urteilskraft" gilt gewöhnlich als ein Werk, in dem Kant eine philosophische Grundlegung der Ästhetik als der Wissenschaftvom Geschmack und von den Phänomenen des Schönen vorgelegt hat. Im Gegensatz dazu will dieses Buch jedoch zeigen, dass Kant gar nicht beabsichtigte, eine derartige Lehre zu begründen oder gar auszuarbeiten. Das Geschmacksurteil diente ihm vielmehr nur als Beispiel, anhand dessen er verdeutlichen konnte, in welcher Weise die Urteilskraft überall dort, wo sie in Anspruch genommen wird, schon von Hause aus und unabhängig von aller Erfahrung mit der Sphäre der Emotionen, der Gefühle und der Empfindungen verknüpft ist. Das gilt selbst dort, wo sie im Dienst des Erkennens tätig wird.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.02.2002
Von Anfang an hielt Immanuel Kant die Fähigkeit des Menschen zum Urteilen für das wichtigste, aber auch das geheimnisvollste der menschlichen Vermögen. Um nichts anderes als die Aufhellung dieses Geheimnisses, so die These Wolfgang Wielands, sei es Kant in seiner "Kritik der Urteilskraft" gegangen. Er widerspricht damit der gängigen Ansicht, es handele sich bei Kants dritter Kritik um eine "philosophische Grundlegung der Ästhetik". Vielmehr geht es darum, so Wieland, nachzuweisen, wie eng die Urteilskraft mit der "Sphäre der Gefühle und Empfindungen verknüpft" ist. Dass Wieland aus diesem Grund von einem "emotionalen Apriori" spricht, findet der Rezensent (Kürzel upj.) in seiner einzigen wertenden Äußerung zu dem Buch "konsequent".
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