Yannick Haenel

Die bleichen Füchse

Roman
Cover: Die bleichen Füchse
Rowohlt Verlag, Reinbek 2014
ISBN 9783498030261
Gebunden, 192 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Claudia Steinitz. Jean Deichel ist dreiundvierzig Jahre alt, als er in ein Auto zieht. Im Handschuhfach liegt "Warten auf Godot", darin blättert er gelegentlich, ansonsten beobachtet er das Treiben in der Pariser Rue de la Chine, wo der Renault 18 parkt. Das Paris, das er nun entdeckt, ist eine ganz andere Stadt als die, die er bislang kannte. Es ist die Stadt der Immigranten. In Hinterhöfen sieht er seltsame Graffiti, halb Fisch, halb Vogel. So gerät er auf die Spur der "bleichen Füchse", einer nach einer Gottheit der Dogon benannten Vereinigung von Immigranten aus Mali. Nachdem zwei Afrikaner von der Polizei gejagt wurden und in der Seine ertrunken sind, organisieren die "bleichen Füchse" einen Protestmarsch durch Paris. Sie tragen Dogon-Masken wie Guy-Fawkes-Masken.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.10.2014

Das geht nicht gut, ahnt Björn Hayer schnell. Was Yannick Haenel seinen Helden durchleben lässt, den Ausstieg aus der bürgerlichen Existenz, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, führt laut Hayer allerdings nicht in die Katastrophe, sondern in die angekündigte Revolte gegen die Wachstumsideologie. Die Zeichen der Zeit findet Hayer in diesem Roman, der für ihn wenig von einem Aufruf à la Stéphane Hessel hat, sondern eher eine Art einfühlende Übung in die Seele der Revolte ist. Als Leser folgt er der Perspektive des Helden, folgt ihm bei seinem Kampf für humane Werte. Lesbare Gesellschaftstheorie ist das für Hayer, auch wenn der Ton mitunter schief ist und ungelenk. Widersprüche und Reibungen, meint der Rezensent, gehören schließlich zur Revolution dazu.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 18.10.2014

Literatur aus dem Geist der Utopie hat Tilman Krause gelesen, für ihn ist das einen Jauchzer wert. Auch wenn Krause dem Autor Yannick Haenel Disparatheit in der Form attestiert (das Buch zerfalle in zwei Teile, schreibt er), hat ihn die Geschichte des sanften Rousseau-Lesers Jean, der zu politischer Militanz übergeht und den Leser in ein rebellisches Paris mitnimmt, fasziniert. Wie der Autor von eher poetischem Schreiben im zweiten Teil in eine Agitprop-Prosa im Stil von "Empört Euch" verfällt, findet der Rezensent zwar ebenso gewöhnungsbedürftig wie die durchaus streitbare Ideologiekritik am Kapitalismus des Westens. Dass Haenel in seinem Buch aber die Tradition von Rousseau, Victor Hugo und den Surrealisten wieder aufleben lässt, wenn der das glitzernde Paris auf seine rebellischen Unterströmungen untersucht, findet Krause schon stark.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.10.2014

Nach einem durchaus "vielversprechenden" Anfang ist Rezensent Ulrich Rüdenauer nach der Lektüre von Yannick Haenels neuem Roman "Die bleichen Füchse" doch ziemlich enttäuscht. Erzählt wird die Geschichte des Aussteigers Jean Deichel, der beschließt in seinem Auto zu wohnen, immer wütender und empörter wird angesichts der politischen Verhältnisse in Frankreich unter Sarkozy, bis er schließlich zum erbitterten, Marx und Rousseau lesenden Gegner der herrschenden Politik wird. Wenn Haenel schließlich in die Wir-Form verfällt, wird das Buch für Rüdenauer zu einem von Pathos triefenden Pamphlet, das sich immer mehr im "terroristischen Furor" des Protagonisten verliert, dabei literarisch aber leider auf der Strecke bleibt.

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