NEXUS
Eine kurze Geschichte der Informationsnetzwerke von der Steinzeit bis zur künstlichen Intelligenz

Penguin Verlag, München 2024
ISBN
9783328603757
Gebunden, 656 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
In den letzten 100 000 Jahren hat die Menschheit enorme Macht erlangt. Doch trotz all unserer Entdeckungen, Erfindungen und Eroberungen befinden wir uns heute in einer existenziellen Krise. Die Welt steht am Rande des ökologischen Zusammenbruchs. Zuhauf werden Falschinformationen verbreitet. Und wir stürzen uns kopfüber in das Zeitalter der künstlichen Intelligenz - ein neues Informationsnetzwerk, das uns auszulöschen droht. Wenn wir so klug sind, warum sind wir dann so selbstzerstörerisch? "Nexus" zeigt, wie der Informationsfluss uns und unsere Welt geformt hat. Yuval Noah Harari nimmt uns mit von der Steinzeit und biblischen Zeiten über die frühneuzeitlichen Hexenverfolgungen, den Stalinismus und den Nationalsozialismus bis zum Wiederaufleben des Populismus in der heutigen Zeit. Dabei lenkt er unseren Blick auf die komplexe Beziehung zwischen Information und Wahrheit, Bürokratie und Mythologie, Weisheit und Macht. Er erkundet, wie verschiedene Gesellschaften und politische Systeme Informationen genutzt haben, um ihre Ziele zu erreichen - zum Guten wie zum Schlechten. Und er befasst sich mit den drängenden Entscheidungen, vor denen wir heute stehen, da nicht-menschliche Intelligenz unsere Existenz bedroht.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2024
Rezensent Thomas Ribi stöhnt auf: Fast 600 Seiten lang beschwört Yuval Noah Harari den technologischen Fortschritt als Kette von Risiken und Beinahekatastrophen. Kurz: "Es geht zu Ende. Mit dem Menschen, mit der Welt", resümiert Ribi und mit der KI soll alles noch schneller bergab gehen. Da Harari den Menschen für kaum mehr als einen Computer hält, ist er auch von dessen Manipulierbarkeit durch KI überzeugt, fasst der Kritiker die Hauptthese Hararis zusammen. Er liest diese schwarzmalerische Geschichte unserer Technologien mit einem "gewissen Vergnügen", aber wirklich neu ist hier nichts, bekennt Ribi und wie wir uns genau vor KI schützen können, sagt ihm Harari auch nicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.09.2024
Rezensent Alexander Armbruster empfiehlt das Buch des Historikers Yuval Noah Harari. Der Autor unternimmt darin laut Armbruster den Versuch einer "Vermittlung" zwischen der Zeit vor der Sprach-KI und unserer Gegenwart, indem er etwa aus dem Altertum berichtet, politische Systeme und Gesellschaftsformen vergleicht und ihren jeweiligen Begriff von Information und Informationsnetzwerken untersucht. Indem Harari alles Leben als Prozess der Informationsverarbeitung betrachtet, geht er für Armbruster einen raffinierten Weg und kann vieles unter dem Gesichtspunkt der Information miteinander in Beziehung setzen. Das alles ist glänzend erzählt, findet Armbruster, lässt für ihn aber die Frage offen, ob KI-Sprachmodelle tatsächlich mehr wissen, als man in sie hineinsteckt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 17.09.2024
Solange Yuval Noah Harari historische Zusammenhänge aus der Vogelperspektive rekonstruiert, liest Rezensent Wolfgang Schneider sein neues Buch gerne, die Schlüsse, die daraus für die Zukunft gezogen werden, überzeugen ihn weniger. Es geht, erfahren wir, um Informationsnetzwerke, und zwar zunächst mit Blick auf die Vergangenheit. Unter anderem, referiert Schneider, legt Harari dar, dass der Buchdruck nicht nur Segen, sondern auch Fluch war, weil mit seiner Hilfe auch Schriften wie der "Hexenhammer" verbreitet wurden und überhaupt Wissen nicht zwingend mit Wahrheit zusammenhängt. Extrapoliert auf die Zukunft und KI schwant Harari Schneider zufolge Schlimmes, KI kann mächtig werden und neigt zu gefährlicher Autonomie. Aber was dagegen tun? Hier hat Harari, meint der enttäuschte Schneider, lediglich dürftige Ideen anzubieten - unter anderem möchte er der KI Selbstzweifel einimpfen. Ein solcher Gedanke steht Harari, einem Selbstzweifeln nicht gerade zugeneigten Denker, nicht allzu gut, findet der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 14.09.2024
Rezensent Peter Praschl liest Yuval Noah Hararis Buch über Informationsnetzwerke mit nicht allzu viel Gewinn. In bewährtem Stil entwirft der Starhistoriker, erfahren wir, eine Menschheitsgeschichte, die sich entlang einer weniger Prinzipien entfaltet und vermittels einiger weniger zentraler Wendepunkte strukturiert. Zu letzteren zählen diesmal, so Praschl, die Entstehung von Religion, Massenmedien und Computer, wobei der Autor zu diesen Phänomenen wenig Neues zu berichten weiß und sich auffallend wenig um die materiellen Voraussetzungen zum Beispiel der gegenwärtigen Informationsnetzwerke interessiert. Wichtiger ist ihm ohnehin die Zukunft, beziehungsweise die künstliche Intelligenz, der er ein Großteil seines Buches widmet und die er als eine existenzielle Gefahr für die Menschheit beschreibt, resümiert Praschl. Wenig anfangen kann der Kritikern mit den Handlungsanweisungen, auf die Harari hinaus will, dass Silicon Valley und russische Bots in ihre Schranken gewiesen werden müssen, hatte er sich bereits gedacht. Allein, wie soll dies geschehen? Darauf hat Harari Praschl zufolge keine überzeugende Antwort. Das Buch adressiert die Menschheit als eine Gesamtheit, erläutert der Rezensent abschließend, aber das eigentliche Zielpublikum sind eher diejenigen, die die KIs dieser Welt programmieren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.09.2024
Yuval Noah Harari wagt sich mit seinem neuen Buch weit vor in den öffentlichen Diskurs, beschreibt Rezensent Andrian Kreye, was sich unter anderem daran zeigt, dass der Historiker nicht nur die Vergangenheit und Gegenwart, sondern auch mögliche Zukünfte thematisiert. Markig ist auch Hararis Ausgangsthese, findet Kreye, die besagt, dass der Mensch deshalb einzigartig ist, weil er Informationsnetzwerke bildet. KI nun, das zentrale Thema des Buches, erscheint für Harari Kreye zufolge als ein Netzwerk, das ohne menschliches Bewusstsein funktioniert und deshalb gefährlich ist. Das teilweise im Thrillerstil geschriebene und ähnlich geschickt konstruierte Buch untersucht, lesen wir, unter anderem Netzwerkbegriffe der Vergangenheit, in denen auch schon das Motiv des Kontrollverlustes anklingt, wie etwa beim Zauberlehrling Goethes. Wichtig in der Argumentation außerdem laut Kreye: dass Wissen nicht automatisch auf Wahrheit, sondern oft auf Macht abziele. Wenn er sich der Zukunft und damit der KI zuwendet, wird Harari, erläutert der Rezensent, zum Apokalyptiker, der nicht nur die Erde, sondern das ganze Universum in Gefahr sieht, sollte niemand der künstlichen Intelligenz Einhalt gebieten. Kreye findet abschließend, dass Harari einigen Lücken zum Trotz durchaus gute Argumente aufzubieten hat.