Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.11.2025 - Architektur

In der FAZ freut sich Bernhard Schulz über die Berufung von Wang Shu und Lu Wenyu zu künstlerischen Leitern der im Jahr 2027 stattfindenden nächsten Architekturbiennale von Venedig, denn: "die Auswahl des chinesischen Architektenpaares, der Begründer des in schöner Untertreibung 'Amateur Architecture Studio' genannten Büros, hebt das Innerste der Profession, die Baukunst, ins Licht der Öffentlichkeit, das in Venedig noch immer so hell strahlt wie an keinem zweiten Ort."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.11.2025 - Architektur

Übergangsunterkunft für Obdachlose in Sarrià-Sant Gervasi, Barcelona. Foto: Vivas Arquitectos. 

Wohnungen fehlen überall und die Zahl derer, die tatsächlich auf der Straße leben müssen, wird immer höher: Klaus Englert widmet sich in der FAZ dem Bau von zwei Obdachlosenunterkünften in Barcelona und München. Das Büro Vivas Arquitectos hat im wohlhabendsten Viertel von Barcelona eine überraschend schöne Übergangsunterkunft errichtet, lesen wir: "Das Erscheinungsbild überrascht, weil man hier die üblichen Standards vergleichbarer Sozialzentren weit übertroffen hat. Neben die massiven Instituts-Turmbauten aus der Belle Epoque setzten Vivas Arquitectos einen Riegel mit glänzender Fassade aus gewelltem Aluminiumblech. Dabei kamen für den knapp 5,1 Millionen Euro teuren Bau keineswegs die preiswertesten Baumaterialien zum Einsatz. Für die Konstruktion wählten sie CLT-Brettsperrholz, das hohe Festigkeit und Stabilität, hervorragende Brandschutz- und Wärmedämmeigenschaften sowie eine schnelle Bauweise gewährleistet." 

Weitere Artikel: In der taz blickt David Kasparek auf Architektur für Flüchtlings-Unterkünfte und damit verbundene soziale Projekte. In der SZ bewundert Boris Herrmann das Studio Museum im New Yorker Stadtteil Harlem (mehr hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.11.2025 - Architektur

Während die bildende Künstlerinnen zunehmend wiederentdeckt werden, hört man von Architektinnen noch wenig. Nach wie vor gilt die Architektur als eine der "frauenfeindlichsten Branchen", weiß Hannah Jane Parkinson im Guardian. "Eklatante Formen von Sexismus" drängen Frauen aus dem Beruf, entnimmt sie dem jüngsten Bericht des Royal Institute of British Architects (RIBA) - in Folge werden Gebäude vor allem für Männer errichtet. Dabei gibt es großartige Architektinnen: "Da ist Kazuyo Sejima mit ihren selbstbewussten, aber wandelbaren Bauten, die die Stimmungen ihrer natürlichen Umgebung widerspiegeln: Aluminium glänzt in der hellen Sonne und schimmert im Regen; die durchdachte 'reflektierende Wolke' ihres Pavillons der Serpentine Gallery von 2009 (zusammen mit Ryue Nishizawa) fügt sich nahtlos in den Hyde Park ein. Mariam Issoufou, eine in Niger geborene Architektin, arbeitet mit nachhaltigen, lokalen Materialien und Ressourcen - Lehmziegeln, Gummibaumholz, Palmblättern - um in ihrem Heimatland und anderswo ansprechende Bibliotheken und Wohnsiedlungen zu schaffen."

Weitere Artikel: Im Tagesspiegel berichtet Birgit Rieger von Ärger um den Neubau am Haus am Lützowplatz in Tiergarten: Der Bauantrag ist genehmigt, der zuständige Architekt Edgar Döwe vermutet aber, gegen das Projekt könne "eine Art Putsch" im Gange sein.
Stichwörter: Architektinnen

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.11.2025 - Architektur

Entwurf für die Neugestaltung der Turmruine der Berliner Gedächtniskirche. Foto: heneghan peng architects. 

Falk Jaeger ist in der FAZ restlos überzeugt vom Entwurf der heneghan peng architects aus Dublin zur Sanierung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. Elf Millionen stehen für die Sanierung und eine Neukonzeption der Gedenkhalle zur Verfügung: "Der 'hohle Zahn', wie der Volksmund den Turm mit dem schräg abgebrochenen Turmhelm tituliert hatte, bekommt keine Füllung. Vielmehr werden ein nach dem Krieg aus statischen Gründen eingezogener Zwischenboden und der Dachdeckel geöffnet, sodass man aus der Ebene +1 in den Himmel sehen kann." Mit einem "gläsernen Aufzug" kann man dann auf die zweite Ebenen in 21 Metern Höhe fahren, erklärt Jaeger. "Von dort aus führen Treppenläufe bis über den Glockenstuhl ins oberste Turmgeschoss mit Panoramablick. Doch es geht noch weiter, denn über eine Wendeltreppe, öffentlich zugänglich nur mit Führung und Extraticket, erreicht man die Ebene +5 auf 60 Meter Höhe im Inneren des oben offenen Turmhelmrelikts. Diese Ebene hatten heneghan peng als einziges Team im Wettbewerb öffentlich zugänglich gemacht, wohl in der berechtigten Annahme, dass der Höhepunkt zur Publikumsattraktion in der City West werden wird."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.11.2025 - Architektur

Für den Aufmacher des FAZ-Feuilletons reist Hannes Hintermeier nach Traunstein, wo die Architektin Anna Heringer gemeinsam mit den Architekten Hans und Johannes Romstätter für rund 20 Millionen Euro den ersten freitragenden Lehmbau Deutschlands verwirklicht hat. Hintermeier gefällt's: "Der Lehmbau steht im Zentrum des 44.000 Quadratmeter großen Campus-Geländes südwestlich der Altstadt, dessen Bestandsbauten dem orthogonalen Muster folgen. Lang gestreckte, rechteckige Baukörper umgeben nun ein zweigeschossiges Gebäude, das sich ungeniert in ihrer Mitte niedergelassen hat - mit Ecken, Kanten und Zacken, zwei Innenhöfen und einem Dachgarten, der über eine pyramidenförmig zulaufende, steile Außentreppe erreichbar ist. (...)  Die Lehmwände verströmen, innen wie außen, eine einnehmende Wärme."

Und wieder einmal wurde die Inbetriebnahme von Stuttgart 21 verschoben, stöhnt Gerhard Matzig in der SZ, freilich nicht besonders verwundert: "Man kennt Planer, Architektinnen und Ingenieure, die in München, Stuttgart, Berlin und anderswo für die Bahn arbeiten. Wenn sie von der 'Planungskultur' der Bahn hinter vorgehaltener Hand erzählen, wirken sie, als würden sie gleich in Tränen ausbrechen. Für die Bahn zu bauen, die das ohnehin baubürokratisch übermotiviert veranlagte Land in einsame Höhen der eisenbahnplanerischen Delirien bugsiert: Das ist der direkte Weg zu Gleis neundreiviertel. Ein anderes Wort für Planungsexpertise bei der Bahn? Fantasy."

Weitere Artikel: Werner Huber schwärmt in der NZZ von der Sanierung des Neubaus, den die Zürcher Architekten Gebrüder Pfister 1928 für die Kantonsschule in Winterthur errichteten.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.11.2025 - Architektur

Nach acht Jahren Bauzeit wird das 1968 als zentraler Ort für schwarze Kunst gegründete Studio Museum Harlem an neuem Ort wiedereröffnet - und Andreas Robertz (Monopol) ist hingerissen, erscheint das neue Studiomuseum mit Blick auf die revanchistische Kulturpolitik unter Donald Trump doch wie ein "Bollwerk der Hoffnung". Und auch "die Architektur kann nicht übersehen werden. Ein anthrazitfarbener Block aus übereinandergestapelten horizontalen und vertikalen Quadern - der minimalistische, sieben Stockwerke hohe Bau strahlt vor allem eines aus: Selbstbewusstsein. Eine grün-schwarz-rote US-Fahne des Konzeptkünstlers David Hammons weht am Eingang, eine Anspielung auf die panafrikanische Flagge der Schwarzen Nationalisten um Marcus Garvey der 1920er-Jahre." In der FAZ räumt Frauke Steffens ein, dass sich nicht alle Anwohner über den neuen Prachtbau freuen, denn die "'Gentrifizierung' von Harlem ist in vollem Gange, in manchen Ecken wohnen fast nur noch Menschen mit hohem Einkommen, und viele Weiße ziehen her..."

Die Euphorie über die geplante neue Oper in Hamburg wird gedämpft, berichtet Gernot Knödler in der taz Nord, bemerkte man doch jetzt, dass der Entwurf der Bjarke Ingels Group jenem ähnelt, den sie vergangenes Jahr für die Philharmonie in Prag vorgestellt hatten: "Ein Kern von zu einem Hügel gestapelten Funktionsräumen wird mit gläsernen Fassaden umgeben und von einer Spirale weit auskragender, begehbarer Dächer umspielt. Allerdings wirkt der Entwurf für Prag weniger organisch, weniger verspielt, dafür urbaner." Knödler wendet gegen denn Neubau auch ein, "dass die heutige Staatsoper in der Nähe des Gänsemarkts als ältestes von Bürgern gegründetes Opernhaus des Kontinents eine große Tradition hat und das aktuelle Gebäude unter Denkmalschutz steht. Die Stadt müsste es also eigentlich erhalten."

Weitere Artikel: Matthias Alexander atmet in der FAZ auf, dass nun zumindest der Architektenwettbewerb für die ersten drei Baufelder des sogenannten Block B am Berliner Molkenmarkt entschieden worden ist.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.11.2025 - Architektur

Das norwegische Büro Snøhetta hatte den Architekturwettbewerb für den Neubau der Düsseldorfer Oper gewonnen (unser Resümee), nun wurde die Zukunft der Oper in Düsseldorf vor Publikum diskutiert und Kjetil Trædal Thorsen, Mitbegründer des Büros, erklärte, was den Bau der Oper so schwierig macht, resümiert Hubert Spiegel in der FAZ: "Während ähnliche Projekte meistens als freistehende Solitäre konzipiert würden, müsse am Wehrhahn auf einem relativ kleinen Areal ein Gebäude entstehen, das auf etwa 38.000 Quadratmetern verschiedene Nutzungsmöglichkeiten erlaubt, nachhaltig und flexibel ist und positive Impulse für ein ganzes Stadtviertel entwickelt."

Ob Snøhetta auch bauen darf, ist allerdings noch nicht klar, berichtet Alexander Menden in der SZ: "Als Nächstes wird die Stadt mit allen vier Siegern in Verhandlungen über das wirtschaftlichste Angebot eintreten. Denn die beiden größten Fraktionen im Düsseldorfer Stadtrat, CDU und Grüne, haben einen Kostendeckel von einer Milliarde Euro vereinbart (2021 war noch von 750 Millionen die Rede). Das klingt nach einer sehr stolzen Summe. Doch die Erfahrungen des südlichen Regionalrivalen Köln, wo die Kosten für eine Sanierung der Bestandsbauten von Oper und Schauspiel explodierten und mittlerweile bei anderthalb Milliarden liegen, dienen als mahnendes Beispiel dafür, wie rasch solche Planungen aus dem Ruder laufen können."
Stichwörter: Snohetta, Oper Düsseldorf

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.11.2025 - Architektur

Wir haben durchaus ein Problem im Stadtbild, aber ein anderes als Friedrich Merz denkt, hält Dankwart Guratzsch in der Welt fest - und blickt düster auf die Stadtarchitektur: Denn die wurde von Bürgermeistern, Baudezernenten und Center-Lobbyisten gemeinschaftlich zerstört, schimpft er, mit Shopping-Centern überall: "Mancher Warentempel hat schon wieder dichtgemacht, hat seine Schaufenster zugeklebt, damit die Leere nicht auffällt, hat ganze Etagen und Passagen abgeriegelt, damit die Kunden nicht merken, dass es wie auf der Rolltreppe nach unten geht. Ähnlich das Bild in mancher einst blühenden Einkaufsstraße. Läden und Kaufhäuser werden als Verfügungsmasse für den Umbau zu Wohnungen und Büros gehandelt oder wie Ramsch auf die Schutthalde gekarrt. Dass in solchen Milieus des Abstiegs und des Abbaus kein Gefühl von Stabilität, Sicherheit und Sinnhaftigkeit mehr gedeihen kann, ist die unausweichliche Konsequenz."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.11.2025 - Architektur

Das ehemalige Hauptquartier der jugoslawischen Streitkräfte in Belgrad ist im Krieg heftig beschossen worden, wurde 2005 unter Denkmalschutz gestellt und soll jetzt möglicherweise von der Trump-Familie gekauft werden. Diese Ankündigung hat in Serbien große Proteste ausgelöst, wie Michael Martens in der FAZ weiß: "Es ist durchaus möglich, dass die Ruine zu einem Symbol des Widerstands gegen die Herrschaft Vučićs in Serbien werden könnte. Aber die Symbolträchtigkeit ihrer Vergangenheit liegt vor allem darin, dass von diesem Gebäude, als es noch keine Ruine war, die Befehle in Kriegen ausgingen, die in den Neunzigerjahren mehr als 130.000 Menschen das Leben kosteten. ... Die Zerstörung war eine (manche sagen: überfällige) Folge der Politik, die hinter diesen Mauern geplant wurde."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.11.2025 - Architektur

Es hat im Trubel um den Siegerentwurf der neuen Hamburger Oper (unser Resümee) gestern offenbar kaum jemanden interessiert - aber auch in Düsseldorf wurde am Donnerstag der Wettbewerb für einen Opernneubau entschieden, und der ist in vielerlei Hinsicht das Gegenprogramm zum Hamburger-Entwurf, wie Nikolaus Bernau im Tagesspiegel weiß. Gewonnen hat das norwegische Büro Snøhetta, man plant realistisch mit einer Milliarde, statt einer gab es drei Wettbewerbsrunden - und auch der Entwurf scheint demokratischer gedacht: "Snøhettas Entwurf zeigt drei gewaltige Baukörper, die in der engen Innenstadt aufragen - noch ein Unterschied zu Hamburg: Dort soll die Oper ins Luxusviertel am Hafen umziehen, in Düsseldorf Teil des Stadtlebens bleiben. Große Fenster öffnen die steilen Foyers, sonst sind die Fassaden eher geschlossen, durchstanzt von kleinen Öffnungen gleich einem alten Computerband."

Matthias Alexander, der gestern noch in der FAZ staunte, dass mit Bjarke Ingels das Büro eines verhältnismäßig jungen Architekten den Wettbewerb für die neue Hamburger Oper gewann, beugt sich heute über den Entwurf und schimpft: "Ein bisschen maritimes Flair, ein bisschen Dünen- und Waldromantik - fertig ist der edelkitschige Architektur-Mix, der sogar Hanseaten sinnlich werden lässt." Überhaupt ärgert es Alexander, dass sich die Hamburger Politik von "einem in einem Steuerparadies sitzenden Milliardär einspannen" lässt, "seine Prestigeprojekte voranzutreiben und mitzufinanzieren", denn Michael Kühne wird als Gläubiger auch davon profitieren, dass nun entgegen aller Versprechen nun doch 595 Millionen Euro in den Elbtower investieren will, wo dann irgendwann das geplante Naturkundemuseum einziehen soll.

Weitere Artikel: In der NZZ feiert Hubertus Adam hundert Jahre Neues Frankfurt und empfiehlt die Ausstellungen "Yes, we care" und "Was war das Neue Frankfurt?" im dortigen Museum für Angewandte Kunst.
Stichwörter: Oper Düsseldorf, Snohetta