Wer heute ganz vorne und ganz oben mitspielt, lässt das nicht mehr mit seinem
Kleidungsstil raushängen,
beobachtet Meral Ziegler in der
Jungle World. Im Gegenteil: Farbtöne, die einst mit der
Arbeiterklasse verbunden waren, sind nun das Signum, dass man es geschafft habe. "Die
Ästhetik der Hyperreichen, die sich als diskrete Einfluss Nehmende inszenieren, als Gewinner des kapitalistischen Systems, die Prunk nicht nötig haben, ist in ein zurückgenommenes,
bodenständiges Braun getunkt, dem seit diesem Jahr 'ein Hauch von Glamour' zugeschrieben wird. Eine
appropriierte Farbwelt, die einmal für eine Klasse stand, der es kaum möglich war auszuscheren, wird nun von der Herrschaft als Mode stilisiert, die ein fast schon egalitäres, ein auf Leistung basierendes Aufstiegsversprechen verkauft, wohl wissend, dass nur weil man sich anzieht wie die Pressesprecherin von Donald Trump, man in der Regel dennoch
am zugewiesenen Platz ohne Aufstiegschancen verbleibt."
Detlev Schöttker erinnert in "Bilder und Zeiten" der
FAZ an
Willy Fleckhaus, den legendären Buchgestalter des klassisch gewordenen
Suhrkamp-Looks in der Nachkriegsmoderne.