Magazinrundschau - Archiv

CT 24

1 Presseschau-Absatz

Magazinrundschau vom 03.02.2015 - CT 24

Aus Anlass des Jahrestags der Befreiung von Auschwitz sprach der Schriftsteller Ivan Klíma, der als Kind im KZ Theresienstadt interniert war, mit Zuzana Tvarůžková vom tschechischen Fernsehsender CT 24. Man kann das Interview als Video hier auf Tschechisch hören und in einer gekürzten Transkription lesen. Auf den zunehmenden Antisemitismus in Europa angesprochen, sagt Klíma: "In Tschechien lebt man als Jude nicht gefährlich. Ich bin bei uns keinerlei aktivem Antisemitismus begegnet. Ich fühle mich hier ganz zu Hause. Und ich empfinde mich auch vor allem als Tscheche. Ich habe nicht das Gefühl, von hier fliehen zu müssen. Ganz im Gegenteil: In der Zeit, als ich hier komplett verboten war und von den Bolschewiken verfolgt wurde, hatte ich die Möglichheit, in Amerika zu unterrichten. Und trotzdem bin ich zurückgekehrt, weil das hier meine Heimat ist, weil ich mich hier zu Hause fühle." Zum russisch-ukrainischen Konflikt und Europas Haltung meint Klíma recht skeptisch: "Russland kann man nicht einfach umpolen. Und Europa hat keinerlei Lust auf einen Krieg. Die Russen würden schon eher in den Kampf ziehen, wenn es nötig ist. (…) Die üblichen Mittel, die in den westlichen Staaten Wirkung haben, wirken in Russland überhaupt nicht. Wenn man gegen die Russen ein Embargo verhängt, halten die das aus; der Russe ist gewohnt, dass er nichts hat."