Magazinrundschau - Archiv

Mediapart

6 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 14.02.2014 - Mediapart

Edwy Plenel ist der bekannteste investigative Journalist in Frankreich. Lange war er Chefredakteur von Le Monde und gründete dann das allseits wegen seiner Enthüllungen gefürchtete Internetmagazin Mediapart, das sich fast total hinter seiner Bezahlschranke versteckt. Dieser Artikel war Plenel allerdings so wichtig, dass er ihn freistellte. Die Memoiren des libyschen Politikers Mohamed el-Megarief, die in Frankreich nur in bereinigter Form erschienen, bestätigen, was Plenel vermutete: Gaddafi hat angeblich den Wahlkampf Nicolas Sarkozys im Jahr 2007 unterstützt - mit der bescheidenen Summe von 50 Millionen Euro: "Monsieur el-Megarief sagt, 'er sei sicher, dass Sarkozy die Summe nicht für persönliche Zwcke genutzt hat. Nach dem Wahlkampf gab es weitere Transferts. Es gibt eine Menge Vermutungen über die Summe.'"

Magazinrundschau vom 20.07.2010 - Mediapart

Bei den jüngsten Enthüllungen über politische Korruption in Frankreich (Stichwort Schwarzgeld von Madame Bettencourt von L'Oreal an Sarkozy und ein Zigarrenkauf für 12.000 Euro zu Repräsentationszwecken durch einen Staatssekretär) hat das Internetmagazin Mediapart eine führende Rolle gespielt. Die anderen Medien reagieren säuerlich. Liberation brachte glatt einen Artikel, dass zuviel Enthüllungen dem Populismus des Front national Aufwind verleihen könnten. Mickael Marie antwortet darauf in einem ausnahmsweise gratis zu lesenden Mediapart-Artikel: "Viel stärker als die lautstarke - und legitime - Empörung sind es das Schweigen und Verleugnen solcher Verfehlungen, die den Motor der extremen Rechten antreiben. Wenn Politik und Medien den Bürgern das Gefühl geben durch eine Art korporatistischer Solidarität eine gemeinsame Macht auszuüben - dann wird die Rhetorik des Front national vernehmlicher."

Magazinrundschau vom 13.07.2010 - Mediapart

Die Artikel des französischen Online-Magazins Mediapart kann man in der Regel nicht lesen - Mediapart ist zahlbar, ein ziemlich einmaliges Experiment in der internationalen Medienszene. Geleitet wird es von Edwy Plenel, ehemals Chefredakteur von Le Monde. "Merci!" ruft er jetzt den Lesern zu, denn Mediapart hat die Affäre Bettencourt maßgeblich enthüllt, wurde daraufhin scharf von der französischen Regierung angegriffen - und bekam zahlreiche neue Abos: "Mediapart kann es kaum fassen. Wie sollen wir unsere Bewegung verbergen angesichts so massiver Unterstüzung, all der Abos, der Unterstützungsmails, freundlicher Kommentare, kurz: angesichts dieser ungeheuren Welle der Solidarität, die die beste Antwort auf die Attacken aus dem Elysee-Palast ist."
Anzeige
Stichwörter: Mediapart, Plenel, Edwy

Magazinrundschau vom 26.08.2008 - Mediapart

Eine sehr bittere Bilanz des kurzen Georgien-Kriegs und der europäischen und besonders französischen Rolle zieht der Romancier Gilles Hertzog, der mit Bernard-Henri Levy nach Georgien reiste und für das Online-Magazin Mediapart schreibt. Was den Anfang des Krieges angeht (aber zählt der nach den geschaffenen Tatsachen noch?) übernimmt er die georgische Version: "Saakaschwili hatte den Westen seit langem gewarnt, aber der stellte sich taub. Dann kommt am 3. August die letzte Provokation, ein Attentat in Zchinwali, der 'Hauptstadt' Südossetiens (10.000 Einwohner), begangen von südossetischen Milizen. Saakaschwili befindet sich auf Abmagerungskur in Italien und will mit seiner Familie zu den Olympischen Spielen nach Peking reisen. Nun kehrt er überstürzt nach Tiflis zurück und erfährt, dass die Russen in Nordossetien vor dem Roky-Tunnel in Richtung Südossetien Truppen zusammenziehen, 350 Panzer, die dazugehörige Logistik und Elite-Fallschirmspringer. Soll man sie gewähren lassen? Es wäre das Ende Georgiens..."

Magazinrundschau vom 15.07.2008 - Mediapart

Seit Kaiserin Eugenie hat keine premiere dame die Franzosen so beschäftigt wie Carla Bruni. Die neue französische Internetzeitung Mediapart weicht sogar von ihrer strikten Aboregel ab und stellt einen Artikel frei. Marine Turchi kann es in dieser mit Zitaten, Links und Videos gespickten Analyse kaum fassen, zu welcher Vermischung der Sphären es in der französischen Politik gekommen ist. Angekurbelt wurde das Rad nochmal durch Brunis CD über ihre dreißig Verflossenen vor Nicolas. Turchi konstatiert eine Vermischung "von Privatem und Öffentlichem, von Musik und Politik, Information und PR, gewichtigen Dossiers wie der Gründung der Mittelmeerunion am 13. Juli mit eher leichten Ereignisssen wie dem 14. Juli und dem Orden für Ingrid Betancourt bis hin zu Promi-Events wie der Platte von Carla Bruni am 11. Juli." Turchi prangert dabei auch die lustvolle Kooperation der Medien vom Staatsfernsehen bis Liberation an: "Carla Bruni verkauft nicht ihre Platte, sondern ihren Gatten, den Präsidenten." (Eugenie - hier gemalt von Franz Xaver Winterhalter - war darin übrigens auch nicht schlecht.)

Magazinrundschau vom 11.03.2008 - Mediapart

Am 16. März ist es soweit: An diesem Tag startet in Frankreich die neue Online-Tageszeitung Mediapart. Unter der Ägide des ehemaligen Chefredakteurs von Le Monde, Edwy Plenel, entstand ein Projekt, das über eine Art Netzabo allein von seinen Lesern finanziert werden soll. Es wird sich zeigen müssen, ob diese Rechnung aufgeht. Auf der derzeitigen Projektseite gibt Plenel jedenfalls einen kurzen Überblick über Entstehungsgeschichte, Personal und Pläne und erklärt, warum man sich für diese Finanzierungsform entschieden hat. "Im Klartext: Mediapart ist eine Journalistenzeitung, deren Kapital von ihrem Gründungsstab, der selbst überwiegend aus Journalisten besteht, kontrolliert wird. Ohne wem auch immer eine Strafpredigt halten zu wollen, erlauben wir uns einfach zu betonen, dass in der aktuellen Tageszeitungslandschaft eine solche strukturelle wirtschaftliche Unabhängigkeit nicht gerade häufig ist."