
Jetzt ist die
Vertriebenendebatte auch im
Spiegel angekommen. Das Titeldossier bringt den Auftakt zu einer Serie über Flucht und Vertreibung der Deutschen aus dem Osten und einen Text des Historikers
Hans-Ulrich Wehler über die verspätete Aufarbeitung von
Leid und Elend der Vertriebenen.
Interviews, seit je eine Spezialität des Magazins, zieren die Ausgabe. Da ist zum einen
Salman Rushdie, der über seinen nahezu prophetischen
New-York-Roman "Wut" und die Notwendigkeit des
Anti-Terror-Kriegs spricht (die Konstruktion einer "axis of evil" bereitet ihm aber Unbehagen). Außerdem preist er die
politische Kultur der USA, in der "die schlimmen Dinge immer durchsickern ... Amerikaner können auf die Dauer ihren Mund nicht halten. Ich mag das. Es ist für mich ein wichtiges Element der Demokratie". Ein Jammer nur, dass man vergessen hat, Rushdie über die
Religionskonflikte in seiner Heimat Indien und seine jüngsten Anfeindungen gegen Nobelpreisträger
Naipaul zu befragen.
Zum andern
äußert sich der philanthropische Börsen-Milliardär
George Soros zur
Chance der USA, ihre Dominanz zu nutzen, um für eine gerechtere, demokratischere Welt zu sorgen - eine Chance, so Soros, die die Republikaner gerade dabei seien zu verspielen -, und erklärt, was mit der eigentlich
"brillanten Konstruktion" WTO tatsächlich
schief läuft: "Erstens: Die reichen Länder nutzen die WTO zu ihrem Vorteil aus ... Zum anderen sorgt die WTO bislang nur für den freien Verkehr von Handelsprodukten, nicht aber für den Export öffentlicher Güter wie
Umweltschutzstandards oder Arbeitsrechte."
Ferner gibt es
Neues aus dem
Schmiergeldsumpf von RWE und Babcock, ein
Interview, in dem der Generalsekretär der Arabischen Liga,
Amr Mussa, entschlossen die nicht eben geringen
Forderungen der Araber an Israel und die
Solidarität mit dem Irak bei einem US-Angriff bekräftigt, einen
Beitrag, der das Wiedererwachen des
"roten" Terrors in Italien zu erklären sucht, vergeblich: "Die politische Harmonie, welche die Killerbrigaden hassen und deshalb stören wollen, die gibt es gar nicht." Und der CDU-Politiker
Jürgen Rüttgers denkt (nur im Print) über Franz Walters Thesen zur
Geschichte der SPD nach.