Magazinrundschau - Archiv

Der Spiegel

163 Presseschau-Absätze - Seite 17 von 17

Magazinrundschau vom 25.03.2002 - Spiegel

Jetzt ist die Vertriebenendebatte auch im Spiegel angekommen. Das Titeldossier bringt den Auftakt zu einer Serie über Flucht und Vertreibung der Deutschen aus dem Osten und einen Text des Historikers Hans-Ulrich Wehler über die verspätete Aufarbeitung von Leid und Elend der Vertriebenen.

Interviews, seit je eine Spezialität des Magazins, zieren die Ausgabe. Da ist zum einen Salman Rushdie, der über seinen nahezu prophetischen New-York-Roman "Wut" und die Notwendigkeit des Anti-Terror-Kriegs spricht (die Konstruktion einer "axis of evil" bereitet ihm aber Unbehagen). Außerdem preist er die politische Kultur der USA, in der "die schlimmen Dinge immer durchsickern ... Amerikaner können auf die Dauer ihren Mund nicht halten. Ich mag das. Es ist für mich ein wichtiges Element der Demokratie". Ein Jammer nur, dass man vergessen hat, Rushdie über die Religionskonflikte in seiner Heimat Indien und seine jüngsten Anfeindungen gegen Nobelpreisträger Naipaul zu befragen.

Zum andern äußert sich der philanthropische Börsen-Milliardär George Soros zur Chance der USA, ihre Dominanz zu nutzen, um für eine gerechtere, demokratischere Welt zu sorgen - eine Chance, so Soros, die die Republikaner gerade dabei seien zu verspielen -, und erklärt, was mit der eigentlich "brillanten Konstruktion" WTO tatsächlich schief läuft: "Erstens: Die reichen Länder nutzen die WTO zu ihrem Vorteil aus ... Zum anderen sorgt die WTO bislang nur für den freien Verkehr von Handelsprodukten, nicht aber für den Export öffentlicher Güter wie Umweltschutzstandards oder Arbeitsrechte."

Ferner gibt es Neues aus dem Schmiergeldsumpf von RWE und Babcock, ein Interview, in dem der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, entschlossen die nicht eben geringen Forderungen der Araber an Israel und die Solidarität mit dem Irak bei einem US-Angriff bekräftigt, einen Beitrag, der das Wiedererwachen des "roten" Terrors in Italien zu erklären sucht, vergeblich: "Die politische Harmonie, welche die Killerbrigaden hassen und deshalb stören wollen, die gibt es gar nicht." Und der CDU-Politiker Jürgen Rüttgers denkt (nur im Print) über Franz Walters Thesen zur Geschichte der SPD nach.

Magazinrundschau vom 18.03.2002 - Spiegel

Der Spiegel interviewt den irakischen Handelsminister Mohammed Mahdi Salih. Sanktionen des Westens, Feldzug der USA? Der Minister nimmts gelassen, funktioniert der Handel mit Ägypten und Syrien doch ganz prima, hat sich die Arabische Liga doch dafür eingesetzt, "eine Attacke auf uns zu verhindern - um jeden Preis. Alle stehen hinter uns". Sogar Europa, glaubt Salih.

In seinem Nachruf auf Marion Gräfin Dönhoff bezeugt Rudolf Augstein seine Großmut: "Dass wir allmählich zum Du übergehen würden, merkte ich Anfang der Neunziger an ihrer Antwort auf ein Geburtstagsgeschenk, einen Porsche, der mit rosaroten Bändern wie ein Osterei verpackt war: 'Rudolf, du kannst mir in meinem Alter doch keinen Porsche mehr schenken'". Das geht nun wirklich nicht.

Außerdem liefert Lars-Olav Beier ein Porträt der wandlungsfähigen Milla Jovovich, der Bilderbuch-Unternehmer Michael Otto spricht über sein Vertrauen in den Kapitalismus, und die Titelstory deckt allerhand Schmieriges auf bei SPD, ABB und in der deutschen Pharmaindustrie.

Die guten Artikel stehen wie immer nur in der Druckausgabe: Ein Interview mit Susan Sontag über Wahrnehmungsdefizite der Intellektuellen im Krieg, ein Gespräch mit dem Historiker Eric Hobsbawm über die globale amerikanische Dominanz sowie den Nachruf auf Hans-Georg Gadamer.

Magazinrundschau vom 11.03.2002 - Spiegel

Der Pariser Jeu de Paume zeigt gerade eine große Ausstellung seiner Werke, der Spiegel interviewt ihn: Oscar Niemeyer, 94, Freund Le Corbusiers, Erbauer der Retortenstadt Brasilia und ein heller Kopf - immer noch. Nicht nur dass er die Architektur nicht über das Leben stellt, er lässt auch Vergeltung nicht gelten und nennt den Krieg, den Amerika und seine Verbündeten führen "eine Schande", Missachtung des Lebens, des Ursprungs seiner Kunst: "Von den Kurven der Frauen, aber auch den Bergen und Flüssen meines Landes beziehe ich meine Inspiration. Das alles macht mein 'imaginäres Museum' aus. Es umfasst, in den Worten von Andre Malraux, alles, was wir im Leben lieben."

Außerdem: Der Titel beschäftigt sich mit der überforderten deutschen Armee (nur im Print). Neues in Sachen Leo Kirch (jetzt geht's um die Frage: Wer verliert wie viel?), Uwe Klußmann stellt ein weiteres potenzielles Ziel der USA vor: Das Pankisi-Tal im Südkaukasus. Und nur im Print spricht Tanja Dückers über ihren "Wilhelm Gustloff-"Roman, und ein Cebit-Spezial gibt Auskunft zum Thema "mobiles Internet".