Magazinrundschau - Archiv

Der Spiegel

163 Presseschau-Absätze - Seite 16 von 17

Magazinrundschau vom 03.06.2002 - Spiegel

Der Spiegel zählt zusammen: Möllemann, Walser und der Antisemitismus. Und er hat Frank Schirrmacher zum Interview geladen, so dass wir endlich erfahren, warum er Martin Walser sein Manuskript nicht einfach stillschweigend zurückschicken konnte: "Walser hat zu verstehen gegeben, dass er eine Ablehnung dem Einfluss von Marcel Reich-Ranicki zuschreiben würde und dass sein Text dann eben woanders erscheinen müsste. In dieser Situation wäre es nicht zu verantworten gewesen, wenn es später geheißen hätte, die FAZ kannte diesen Text und hat nichts unternommen. Ich musste also da etwas öffentlich unternehmen - um Reich-Ranicki zu schützen und einer Legende vorzubeugen." Aus ebendiesem Grund, meint Schirrmacher, müsse auch der Roman jetzt an die Öffentlichkeit.

Ferner im Titeldossier: Ein Bericht über die Geschäftskontakte Möllemanns in Nahost, ein Essay von Henryk M. Broder über "Die Sehnsucht der Deutschen nach 'Normalität'", Lektüreeindrücke zu Walsers "Tod eines Kritikers" von Elke Schmitter sowie eine Stellungnahme des Autors zu den Vorwürfen gegen sein Buch (die man doch ebenso gern gelesen hätte wie das Gespräch mit Schirrmacher).

Die Spiegel-Serie zur "Misere der Schüler" zeigt sich von dem aus den USA importierten pädagogischen Modell "Produktives Lernen" angetan, und Thomas Hüetlin erzählt vom Ruin eines Männermagazins: "'Penthouse', was eigentlich die Bezeichnung für ein Dachapartment an der Park Avenue ist und somit ein Synonym für Luxus und Glamour sein soll, gleicht eher einem unaufgeräumten Gemäuer, in dem die Lichter ausgehen. Das Haus Usher der Sex-Zeitschriften."

Magazinrundschau vom 27.05.2002 - Spiegel

Nicht eben fein, wie der Spiegel der Queen zum goldenen Thronjubiläum gratuliert. Im Titeldossier kommen zu Wort: Christopher Hitchens (über die absurde Königsliebe seiner alten Heimat) und der Historiker Norman Davies (über Britanniens angeschlagenes Herrscherhaus).

Der Antisemitismus geht mit der Zeit, erklärt Henryk M. Broder in einer Polemik gegen Jürgen Möllemann. Was dieser in der Auseinandersetzung mit dem jüdischen Zentralratsmitglied Michel Friedmann so zu Gehör gebracht hat, entspricht für Broder dem Bild des "modernen Antisemiten": "Der verurteilt zuerst 'die Verbrechen der Nazis', distanziert sich vom 'Rassismus jeder Art', um anschließend zu fragen, warum denn die Juden beziehungsweise die Israelis aus der Geschichte nichts gelernt hätten. Der aufgeklärte Antisemit hat ein großes Anliegen an die Juden: dass sie endlich aufhören, sich danebenzubenehmen. Sonst muss er nämlich böse werden." Ein Platz in der "Hall of Fame des Antisemitismus", meint Broder, ist Möllemann sicher.

Ein anderer Beitrag befasst sich mit der losen Arbeitsmoral amerikanischer Geheimdienste vor dem 11. September und erklärt: "Ihr Versagen verschuldete Amerikas größte Katastrophe seit dem japanischen Überfall auf Pearl Harbor." Angelpunkt der Versäumnisse ist ein Dossier des FBI-Beamten Kenneth Williams. Dieser hatte vor verdächtigen Flugschülern aus Nahost gewarnt und eine Überprüfung von Flugschulen empfohlen - ohne nennenswertes Echo bei seinen Kollegen.

Außerdem straft der Spiegel das diesjährige Filmfest in Cannes wegen seiner Wirklichkeitsnähe und der ach so wenig unterhaltsamen Neigung, "umstandslos auf die Geschicke der Elenden und Armen dieser Welt" draufzuhalten. Matthias Matussek erzählt von der unglaublichen Karriere des brasilianischen Pianisten Joao Carlos Martins. Und nur im Print sagt uns der Schriftsteller Leon de Winter seine Meinung über Marcel Reich-Ranickis Roman-Kanon.

Magazinrundschau vom 21.05.2002 - Spiegel

Zum "Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes" erscheint der Online-Spiegel im schlanken Feiertags-Look. Weil der Titel Gott in einer wissenschaftlich bestimmbaren Hirnregion vermutet (wo womöglich auch die für dergleichen Einfälle verantwortlichen Synapsen angesiedelt sind) und weder das Gespräch mit Francis Fukuyama (über Biotechnik) noch dasjenige mit Andre Glucksmann (über Le Pen) freigeschaltet wurde, wenden wir uns einem Interview mit Joschka Fischer zu:

Fischer legt hier seine Visionen vom Verhältnis zwischen den USA und Europa dar und eine in seiner Zeit als Frankfurter Taxifahrer (die GIs zahlten so gut) gründende Sympathie für die Staaten an den Tag: Nicht ein Zuviel an Amerika sei das Problem, sondern die Schwäche Europas müsse in der europäischen Integration, in der Vollendung des politischen, des demokratischen Europa überwunden werden. Die transatlantischen Beziehungen jedoch blieben "der zentrale Eckpfeiler für Frieden und Stabilität im 21. Jahrhundert". Einer transatlantischen Diskussion für würdig erachtet Fischer allerdings den Unilateralismus und ob nicht "Nation Building", die Ausdehnung der Hilfe für arme Länder sowie eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung und Ressourcenverteilung sinnvollere Maßnahmen für Frieden und Sicherheit darstellen als die Expansion der Rüstungshaushalte, "in den Größenordnungen, wie wir es gegenwärtig erleben."

Magazinrundschau vom 13.05.2002 - Spiegel

Im Titeldossier geht's wieder mal dem deutschen Bildungswesen an den Kragen. Jochen Bölsche erwägt den Umbau des gigantischen Gesamtsystems, vom Kindergarten bis zur Universität, und damit bestimmt nichts mehr schief geht, erklärt uns Günther Jauch die Bedeutung des Allgemeinwissens.

Ein Artikel fürchtet, die USA verlören nach Enron und den jüngsten Enthüllungen krimineller Methoden bei Merrill Lynch noch den Glauben an den Kapitalismus. "Wieder einmal haben die zuständigen Aufsichtsorgane nichts bemerkt, allen voran die SEC, jene hoch gelobte Börsenbehörde, die doch geradezu als Musterbeispiel effektiver Kapitalmarktkontrolle galt. Wieder einmal haben alle Vorschriften und Regularien, die einen fairen und vor allem rechtmäßigen Wertpapierhandel sicherstellen sollen, einfach versagt." Bislang verhielten sich die Anleger zwar besonnen. "Doch jeder neue Skandal könnte den Umschlag bringen - mit verheerenden Folgen für Wachstum, Nachfrage, Beschäftigung und damit die gesamte Weltkonjunktur."

George Lucas plaudert im Spiegel über die neue Star-Wars-Folge mit dem reichlich dämlichen Titel "Episode II - Angriff der Klonkrieger" - den ersten volldigital aufgenommenen Film, wie Lucas schwärmt, der diese Technik epochal findet, vergleichbar "mit dem Wechsel von der aufwendigen Fresko- zur weitaus vielseitigeren Ölmalerei". Genauer heißt das: Das Bild ist schärfer, man kann auf aufwendige Kulissen verzichten, und der Schauspieler wird sich an eine Beckettsche Existenz in der Blue Box gewöhnen müssen.

Einem anderen Interview mit dem US-Militärstrategen Richard Perle ist zu entnehmen, das die USA Saddam Hussein so ziemlich alles, den verfeindeten Parteien in Nahost aber nur sehr wenig zutrauen. Und ein sicher lesenswerter Essay von Cees Nooteboom zur Lage seiner Nation bleibt den Lesern der Printausgabe vorbehalten.

Magazinrundschau vom 06.05.2002 - Spiegel

Im Titeldossier nehmen Psychologen die schwarze Seele des Robert S. auseinander, während ein anderer Beitrag aufdeckt, wie Schily und Beckstein (die jetzt nach strafferen Gesetzen rufen) sich in Sachen Waffenrecht von der Schützenlobby über den Tisch ziehen liessen.

Gleich auf zwei Netzseiten verhandelt wird die Finanzkrise bei den überregionalen Zeitungen. Einbußen im Anzeigengeschäft bis zu 40 % (bei der FAZ) und teure Prestigeprojekte (FAZ am Sonntag, NRW-Ausgabe der SZ) zwingen die Blätter zu Stellenabbau und Fusionsplänen. Für den Spiegel ein Alarmsignal auch in publizistischer Hinsicht: "Weniger Redakteure und weniger Seiten - das bedeutet auch weniger Recherche, weniger Information, weniger Hintergrund. Es geht um Meinungsvielfalt in Deutschland, um ein tägliches Forum für Politik, Wirtschaft und Kultur, von dem niemand sagen kann, wie es künftig aussehen wird." Da könnte der Spiegel doch gegensteuern, indem er seinen Kulturteil ausbaut!

Klaus Wiegrefe schließlich stellt das Buch "Generation des Unbedingten" vor, in dem der Hamburger Historiker Michael Wildt eine hanebüchene Verbindung zwischen der jüdischen Philosophin Hannah Arendt und dem Germanisten und ehemaligen SS-Obersturmbannführer Hans Rößner aufdeckt. Rößner wurde nach dem Krieg Verlagsleiter bei Piper und betreute u.a. ausgerechnet Arendts Schrift über den Eichmann-Prozess. O-Ton Rößner: "Was Sie über Menschlichkeit und Wahrheit sagen, gehört für mich zum Erhellendsten, was darüber seit langer Zeit gesagt worden ist." Obgleich Rößner nach Arendts Tod versucht habe, eine Neuauflage des Eichmann-Buches zu verhindern, so Wiegrefe im Spiegel, warne Wildt davor, Rößner für einen zeitlebens verkappten Alt-Nazi zu halten. "Wildt sieht in dem Fall vielmehr ein Beispiel für die 'Kälte, mit der Täter in Nachkriegsdeutschland den Opfern gegenübertraten' - selbst wenn sie diese bewunderten."

Weiter gibt's im Kulturteil zwei Artikel über Gewaltverherrlichung in Film, Video und Popmusik (nur im Print).

Magazinrundschau vom 29.04.2002 - Spiegel

Im Titeldossier zum Amoklauf von Erfurt erwägt der Traumatherapeut Georg Pieper die Folgen für Lehrer und Schüler. Und Gisela Friedrichsen schreibt über einen Prozess in Erfurt gegen eine junge Frau, die ihre Schule angezündet hatte, weil sie nicht zum Abitur zugelassen worden war.

Voll im Trend junger ostdeutscher Literatur liegt ein Buch, das der Spiegel in seinem Kulturteil vorstellt: "Denn wir sind anders", die tragische Geschichte des farbigen ostdeutschen Hooligans Felix Mkhonto S., recherchiert und aufgeschrieben von der Berliner Journalistin Jana Simon. Für Eva-Maria Schnurr "ein parteiisch geschriebener Text, der trotz eines manchmal betulichen Stils fesselt. Und ein Buch, das mit der detaillierten Schilderung der vergangenen zehn Jahre, vor allem der Berliner Türsteher- und Hooligan-Szene, ein bislang wenig beachtetes Kapitel der Nachwende-Gesellschaft einfängt. 'Denn wir sind anders' fängt da an, wo Thomas Brussigs 'Am kürzeren Ende der Sonnenallee' aufhört. Jana Simon nimmt ein bißchen wehmütig Abschied von einer Zeit und einer Stadt, die es so nicht mehr gibt: Ost-Berlin."

Außerdem: Thomas Hüetlin versucht in einem längeren Beitrag das Gezerre um Martin Scorseses Monumentalsaga "Gangs of New York" transparent zu machen, die in Cannes nur als Trailer zu sehen sein wird (siehe dazu auch unsere Post aus New York). Wir lesen über den Siegeszug einer österreichischen Notebook-Firma, die sich kauzigerweise Gericom (für German Industry Computers) nennt, und erfahren (in einem Interview der Printausgabe), was Jean-Marie Le Pen gegen Europa hat.

Magazinrundschau vom 22.04.2002 - Spiegel

Das Titeldossier des Magazins befasst sich mit dem Anschlag auf Touristen in Djerba und mit den Schwierigkeiten der deutschen Legislative und Judikative im Umgang mit dem islamischen Terror.

Im Interview plaudert Tom Waits über seine beiden neuen Alben, sein Trinker-Image ("erfunden und kultiviert") und über das sensitive Eigenleben seiner Lieder: "Songs verändern sich dauernd. Manche Songs möchten nicht aufgenommen werden, manche sind wirklich gemein. Das merkt man aber erst, wenn man dabei ist, sie im Studio einzufangen. An manche muss man sich anschleichen wie an einen Vogel. Manche Songs bringt man um während der Aufnahme, und was man dann hört, ist eine Leiche. Man muss einfach sehr vorsichtig sein."

Ein anderer Beitrag führt die Krisenstimmung im Einzelhandel (Umsatzeinbrüche bis zu 20%) auf den Euro zurück. Jessica Barry vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes berichtet über die katastrophale Situation in dem von Israel zerstörten palästinensichen Flüchtlingslager Dschenin ("eine unzulässige Kollektivstrafe, die internationales humanitäres Recht verletzt"). Und nur im Print ist zu lesen, was der sizilianische Erzähler Andrea Camilleri von italienischer Innenpolitik hält (nicht viel, wetten?).

Magazinrundschau vom 15.04.2002 - Spiegel

Zu Ostern konnte alle Welt es wieder sehen: Der Papst ist nicht auf dem Damm. Den Gerüchten um die nahe Abdankung Johannes Paul II. geht Hans-Jürgen Schlamp in einem Artikel nach. "Sein Tross hat immer größere Mühen, das, was der Chef tun will, in Einklang zu bringen mit dem, was er noch tun kann. Sie ebnen Kirchenstufen ein, setzen flache Podeste neben allzu steile Altare, schieben ihn auf mobilen Plattformen hin und her. Aber sein Bewegungsspielraum wird ständig kleiner." Die Wojtyla-Ärzte dagegen befinden: "Körper malad, aber Hirn und Herz okay." Und das ist für einen Papst schließlich das Wichtigste.

Dass John Steinbecks in den 40ern verfasster Roman "Der Mond ging unter" einmal als Blaupause für eine Kriegsoperation des US-Geheimdienstes gegen die Nazis gedacht war, eröffnet uns Axel Frohn in einem Beitrag und erklärt, wie Steinbeck sich seine Sabotageaktion vorstellte, die zwar nicht von den USA, in abgewandelter Form aber unter Churchill tatsächlich ausgeführt wurde: Winzige Fallschirme sollten Dynamit, Zünder und eine Anleitung zur Sabotage unter die Widerständler bringen. Ein beigefügtes Stück Schokolade sollte die Finder ermuntern.

Weiteres: Die Titelstory folgt den Spuren der mysteriösen Hochkultur des antiken China. In der Serie über die Flucht der Deutschen aus dem Osten schildert Christian Habbe, wie die massenhafte Aufnahme der Flüchtlinge im Nachkriegsdeutschland groteske Fälle von Überfremdung zeitigte. Lars-Olav Beier deutet David Finchers neuen Thriller "Panic Room" als "Trümmerfilm über das zerstörte Bewusstsein der Amerikaner, auf eigenem Terrain unverwundbar zu sein", und die Printausgabe bietet ein Interview mit der indischen Regisseurin Mira Nair ("Monsoon Wedding").

Magazinrundschau vom 08.04.2002 - Spiegel

Die Online-Auswahl ist diemal besonders dürftig. Die interessanten Geschichten stehen wie immer nur in der Printausgabe. Die Titelgeschichte widmet sich dem jüngsten Kapitel im ewigen Krieg ums Gelobte Land: Sharons Feldzug gegen den Terror. Henryk M. Broder sieht Israel in der Falle der Verzweiflung. Der Deutschlandteil betrachtet das Geschacher um Leo Kirchs Erbe. Und im Kulturteil fragt Volker Hage, ob nach den Erfolgen von Günter Grass, Peter Schneider und Bernhard Schlink in der Literatur nun die neue Unbefangenheit herrscht.

Matthias Geyer verfolgt den Positionskampf um die Listenplätze, den sich grüne Parteipromis in Baden-Württemberg liefern. Dort werden am Wochenende die Listenplätze vergeben. "Die Grünen sind keine Gegenpartei mehr, sondern eine Partei, die weiter regieren will. Und wer bei den Grünen was werden will, muss sich Nischen suchen, um sein Profil zu finden. Oswald Metzger fand sein Profil als Haushaltsexperte, er ist für Marktliberalismus und niedrigere Steuersätze. Er könnte auch für die FDP arbeiten, sagen die, die ihn nicht mögen. Cem Özdemir ist für eine Politik des Fortschritts, fürs Moderne eben, auch wenn keiner so genau weiß, was das bedeuten soll. Und Winfried Hermann ist eben für den Frieden, den ohne Waffen."

Ferner ist zu lesen, in welchen Punkten die Union alles zerstritten ist, dass bei der Explosion im AKW Brunsbüttel nur der Zufall Schlimmeres verhindert habe und wie den Amerikaner der Personalchef von Al-Qaida ins Netz ging. Außerdem gibt sich Hollywood- Kauz Billy Bob Thornton im Interview als Spießer zu erkennen: "Mein Leben mit Angelina (Jolie) ist nicht wild, in unserem Haus ist alles sauber, alles picobello aufgeräumt - und wir bleiben gern zu Hause und schauen uns alte Disney-Kinderfilme an."

Magazinrundschau vom 02.04.2002 - Spiegel

Der Titel befasst sich mit dem Fall Peter Müller und dem Eklat um das Zuwanderungsgesetz und sieht beides als Teil eines "schmutzigen Wahlkampfs". Im Dossier: Ein Gespräch mit Bundeskanzler Schröder über seine Anteile am unwürdigen Schauspiel, und ein Beitrag von Jürgen Leinemann, der den Wahlkampf zum Bundesligaspiel erklärt: Borussia Dortmund gegen Bayern München.

Im Gespräch attestiert der Politologe und Staatsrechtler Olivier Duhamel Frankreich demokratische Unreife und ein "ernsthaftes Problem mit der öffentlichen Moral", sollte Chirac erneut die Präsidentschaftswahl gewinnen: "In jeder anderen westlichen Demokratie wären die Affären (die Korruptionsverdächtigungen gegen Chirac, die Red.) vor der Wahl aufgeklärt worden, entweder durch einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss oder durch die Feststellung eines Gerichts. Dann wäre Chirac entweder reingewaschen, und die Verdächtigungen, welche die Politik vergiften, hätten ein Ende, oder er wäre weg."

In einem weiteren Interview erklärt uns die ehemalige Untersuchungsrichterin und Elf-Fahnderin Eva Joly, was die Korruption nicht nur für Chirac so attraktiv macht: "Vom ersten kriminellen Akt, der Absprache der gegenseitigen Vorteilsnahme, bis zum Verschleiern der Tat findet alles im Stillen statt. Im Vergleich zu anderen Verbrechen gibt es keine sichtbaren Spuren der Gewalt und keine aufgebrochenen Türen. Der starke Wille, sich zu bereichern, das Fehlen aggressiven Handelns und das verschwindend geringe Risiko erwischt zu werden, das sind die entscheidenden Punkte. Es ist ein einfacher und schneller Weg, um zu viel Geld zu kommen."

Ferner: In der Spiegel-Serie über Flucht und Vertreibung der Deutschen aus dem Osten beschreibt Ullrich Fichtner das Schicksal Königsbergs und seiner Bewohner. Lars-Olav Beier verreißt den deutschen Kino-Thriller "Tattoo" ("die Untiefen des deutschen Fernsehkrimis"). Matthias Schulz stellt uns den vulgärsten Dichter Roms vor. Sein Name: Catull. Und nur im Print zu lesen ist ein Gespräch mit den Pet Shop Boys über das Elend der aktuellen Hitparaden-Stars.