Magazinrundschau - Archiv

Sydney Review of Books

2 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 28.04.2026 - Sydney Review of Books

Wie beginnt man einen Roman, fragt sich die Schriftstellerin Jane O'Sullivan in der Sydney Review of Books. Ratschläge gibt es viele, gute Beispiele auch, aber auch die Gewissheit, dass wir uns gerade in Zeiten befinden, in denen die Leserinnen weniger werden, der Druck, einen spektakulären ersten Satz rauszuhauen, hingegen steigt: "Ich finde es überraschend - vielleicht naiverweise - dass Schreibtipps für Fiktionales sich so oft aufs Ködern der Leser beziehen. Wenn man es so sieht, ist Schreiben ein Rennen gegen die Zeit. Die Leser verlassen schon den Raum, aber wenn du gut genug bist, und viel Glück hast, kannst du einen der letzten erwischen. Das ist so eine deprimierende Haltung. Warum sich noch bemühen, und so weiter." Was aber macht den ersten Satz eines Romans gut für O'Sullivan? "In vielen der ersten Sätze, die mich überzeugen, stimmt ganz klar etwas nicht. Die 'Bell Jar'-artige Eröffnung von Josephine Rowes 'A Loving, Faithful Animal' fängt so an: 'Das war der Sommer, als ein Pottwal krank in die Bucht trieb, tot am Mount Martha angespült wurde, und viele geschmacklose Witze über Fruchtbarkeit gemacht wurden' (Pottwal heißt auf Englisch sperm whale, d.Red.) Aber es ist nicht immer vordergründig oder laut wie Orwells 'die Uhren schlugen dreizehn'. Manchmal ist es nur ein Hinweis und das Unbehagen, das man als Leserin fühlt, weil alles ein bisschen zu verdächtig perfekt ist."

Magazinrundschau vom 23.10.2018 - Sydney Review of Books

In der aktuellen Ausgabe des Magazins interviewt der Schriftsteller J. M. Coetzee seine aus Buenos Aires bzw. Patagonien stammenden SchriftstellerkollegInnen Pedro Mairal, Samanta Schweblin und Fabian Martinez zum Verschweigen der indigenen Kultur in ihrer Heimat und in Australien, das alle drei jüngst bereist haben. Fabian Martinez: "Die blutige Geschichte der Enteignung der indigenen Bevölkerung in Argentinien, die bis in die Gegenwart reicht, wird kaum diskutiert, nicht mal in progressiven Kreisen. Es handelt sich um eine profunde Ignoranz gegenüber der Geschichte. All die Massaker und Misshandlungen gegen die Indigenen haben es nie bis in die Geschichtsbücher geschafft. Zugleich gibt es in den Massenmedien praktisch keine indigene Stimme." Schweblin fügt hinzu: "Ich war geschockt, als ich die Indigenen in Adelaide und Perth sah; ihr Schmerz und die Gewalt waren mit Händen zu greifen. Wie ein Geist aus der Vergangenheit. In Argentinien gibt es das nicht. Das kulturelle Gedächtnis kennt sie nicht. Meine Generation fühlt sich eher einem europäischen Großvater verbunden als der indigenen Vergangenheit. Wir kennen sie nur aus den Erzählungen der Kolonisten, bis heute gibt es keinen Geschichtsrevisionismus, der sie einbeziehen würde." Und Pedro Mairal: "Genau, es gibt diesen Prozess der Unsichtbarmachung, eine argentinische Neigung, sich als europäisch zu sehen. Das unterschlägt völlig die Präsenz indigenen Blutes in unserer Kultur. Und die Indigenen mussten sich selbst verleugnen und sich in eine europäische Identität einpassen."