
Wie beginnt man einen Roman,
fragt sich die Schriftstellerin
Jane O'Sullivan in der
Sydney Review of Books. Ratschläge gibt es viele, gute Beispiele auch, aber auch die Gewissheit, dass wir uns gerade in Zeiten befinden, in denen die Leserinnen weniger werden, der Druck, einen spektakulären ersten Satz rauszuhauen, hingegen steigt: "Ich finde es überraschend - vielleicht naiverweise - dass Schreibtipps für Fiktionales sich so oft aufs
Ködern der Leser beziehen. Wenn man es so sieht, ist Schreiben ein Rennen gegen die Zeit. Die Leser verlassen schon den Raum, aber wenn du gut genug bist, und viel Glück hast, kannst du einen der letzten erwischen. Das ist so eine deprimierende Haltung. Warum sich noch bemühen, und so weiter." Was aber macht den ersten Satz eines Romans gut für O'Sullivan? "In vielen der ersten Sätze, die mich überzeugen, stimmt ganz klar etwas nicht. Die 'Bell Jar'-artige Eröffnung von
Josephine Rowes 'A Loving, Faithful Animal' fängt so an: 'Das war der Sommer, als ein
Pottwal krank in die Bucht trieb, tot am Mount Martha angespült wurde, und viele geschmacklose Witze über Fruchtbarkeit gemacht wurden' (Pottwal heißt auf Englisch sperm whale, d.Red.) Aber es ist nicht immer vordergründig oder laut wie Orwells 'die Uhren schlugen dreizehn'. Manchmal ist es nur ein Hinweis und das
Unbehagen, das man als Leserin fühlt, weil alles ein bisschen zu verdächtig perfekt ist."