Magazinrundschau - Archiv

The Insider

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Magazinrundschau vom 14.11.2023 - The Insider

Die Ukraine ist zum größten Minenfeld der Welt geworden, schreibt die Journalistin Victoria Ponomareva. So müssen ungefähr 30 Prozent der Fläche des Landes entmint werden. "Die Räumung eines so großen Gebietes wird ein langwieriges Unterfangen sein. Die Analysten des GLOBSEC-Zentrums gehen davon aus, dass die vollständige Entminung beim derzeitigen Tempo über 750 Jahre dauern könnte, während die ukrainische Wirtschaftsministerin Yulia Sviridenko einen optimistischeren Zeitrahmen von etwa 70 Jahren veranschlagt. Selbst bei den günstigsten Prognosen wird es Jahrzehnte dauern, bis das ukrainische Hoheitsgebiet für seine Bewohner völlig sicher ist." Es wird vor allem zu einer Herausforderung, weil Russland weiterhin Bomben legt, die nicht direkt als solche zu erkennen sind, erfährt Ponomareva von einem Mitglied eines Entminungs-Teams. "'Die russische Armee bringt verschiedene improvisierte Sprengfallen in Wohnhäusern, Wohnungen und auf Privatgrundstücken an. Sie können an Türen, in Waschmaschinen, Kühlschränken, Kinderspielzeug, Kinderbetten und verschiedenen Haushaltsgegenständen entdeckt werden. In einigen Fällen wurden sogar Küchengeräte manipuliert. Diese Vorrichtungen sollen explodieren, wenn jemand sie öffnet oder bewegt. Sogar Haustiere wurden mit Sprengfallen versehen, die zu deren Tod führen oder als 'Überraschung' dienen. Das alles ist strategisch geplant, in der Annahme, dass die Besitzer zurückkehren, um ihre Hunde oder Katzen abzuholen - und dann kommt es zu den Explosionen.'"
Stichwörter: Ukraine, Minen, Katzen

Magazinrundschau vom 26.09.2023 - The Insider

Putin geht, wenn er nicht in die Ukraine einfällt oder seine eigene Bevölkerung terrorisiert, einem sinnlichen Hobby nach: Er besitzt die Weingüter Divnomorskoe und Krinitsa, hat The Insider in einer Investigativ-Recherche herausgefunden. Leider läuft das Geschäft nicht allzu gut, auch wenn sich Putin die Hilfe von mehreren europäischen Experten, zum Beispiel dem Franzosen David Pernet und dem Italiener Ricardo Cotarella, geholt hat. Es bleibt nur die Selbstvermarktung: "In diesem Sommer wurden die Weine der königlichen Weinkellereien in die Speisekarte der größten Fluggesellschaft des Landes aufgenommen. Am 21. Juli kündigte Aeroflot eine neue Weinkarte für die Business Class an, darunter 'Arena' von Krinitsa und 'Yuzhny Les', 'Kholodny Tuman' und 'Solnechny Veter' vom Weingut Divnomorskoe. Die Weine des Weinguts Divnomorskoe werden bei Regierungsveranstaltungen ausgeschenkt, vom Besuch von Xi Jinping bis zum Bankett mit Kim Jong Un in Wladiwostok. Das erkennbare Logo mit einer Muschel am Flaschenhals war auf Fotos des Wurstkorbs zu sehen, den Igor Setschin vor seiner Verhaftung Minister Uljukajew 'von Iwanitsch' überreicht hatte. Die Flasche aus der königlichen Weinkellerei sollte offenbar Putins direkte Beteiligung an dem Geschenk symbolisieren. Für ein breiteres Publikum werden die Weine des Präsidenten im Fernsehen beworben."

Magazinrundschau vom 29.08.2023 - The Insider

Wer war Prigoschin? Ein Caesar, ein Napoleon oder ein Mussolini, fragt sich Georgy Garin. Bei allen gibt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede, aber er noch bei einem anderen Ereignis innerhalb der russischen Geschichte fündig: Bei der Kornilow-Affäre im August 1917. Auch damals befand sich Russland im Krieg, hinzu kamen jedoch noch Unruhen im ganzen Land. General Kornilow wurde von der Provisorischen Regierung in Moskau unter Kerensky mit der Zusammenstellung eines Heeres beauftragt. In der Überzeugung, die Provisorische Regierung vor einem bolschewistischen Staatsstreich zu schützen, machte sich Kornilow an die Arbeit. Als die Regierung ihm jedoch diktatorische Vollmachten versagte, rief er die Russen zum Aufstand gegen die Regierung auf, was diese dazu zwang, mit den Bolschewiki zusammenzuarbeiten. Ein blutiger Bürgerkrieg begann: "Gemeinsamkeiten: Die Meuterei begann im Militär, und ihre Ziele umfassten in erster Linie die Rettung der Armee und die Verbesserung der Lage an der Front. Die Rebellen beschuldigten die Regierung, die innenpolitische Lage absichtlich zu verschärfen. Ein wichtiger Faktor war ein völliges Missverständnis zwischen allen Konfliktparteien. Unterschiede: Viele Befehlshaber der Armee stellten sich auf die Seite Kornilows, seine Glaubwürdigkeit in der Armee war total. Nach der Revolte wurde Kornilow verhaftet. Insgesamt war die Kornilow-Affäre von Chaos geprägt, das in weiten Teilen von den allgemeinen Turbulenzen in Russland bestimmt war." Kornilow kämpfte später auf Seiten der Weißgardisten. Prigoschin war ein anderes Schicksal beschieden.
Stichwörter: Russland

Magazinrundschau vom 15.08.2023 - The Insider

Im russischen Investigativmagazin The Insider (mehr dazu hier) lässt Nikita Aronov in einem lesenswerten Beitrag zwei Oppositionelle auf die Herrschaft Slobodan Milosevics zurückblicken - seinen Aufstieg, die Auflösung Jugoslawiens, den Krieg gegen die Nato und sein Tribunal. Dabei kommen die Oppositionellen Ilya Vukelić und Ivan Marović zu Wort. Unter anderem vergleicht Marović, einer der Anführer der Otpor-Bewegung, die zu Milosevics Sturz beitrug, Milosevics Mobilisierungspolitik mit der jetzigen Putins: "Milošević musste sich auf Kriminelle verlassen. Er konnte einfach keine normalen Leute für die Armee rekrutieren. In Jugoslawien war die Kriminalität eng mit den Geheimdiensten verflochten. Einige Kriminelle dienten sogar als Offiziere bei der Geheimpolizei. Milošević unterhielt über seinen Chef eine Verbindung zu diesen Verbrechern. Dennoch wahrte er eine gewisse Distanz zu ihnen. Vielleicht ist das ein Unterschied zwischen ihm und Putin. Schließlich kommt Putin vom KGB, während Milošević nie Teil der Geheimpolizei war. Wenn Kriminelle zu Helden gemacht werden, nutzen sie ihren Status oft für normale kriminelle Aktivitäten wie Raub, Erpressung und Entführungen. Und genau das ist passiert. Die Kriminalitätsrate im Lande stieg sprunghaft an."
Stichwörter: Nato, Jugoslawien, KGB, Kriminalität