Stichwort

Berlin

10 Artikel

Keine reine Kunst

Fotolot 17.12.2016 […] Fotografiegeschichte auf Dauer verändern wird. Eigentlich sind es sogar drei Ausstellungen. Die Berliner Ausstellung widmet sich der Kreuzberger "Werkstatt für Photographie" und ihren Beziehungen zu Amerika. Die Essener Ausstellung stellt die Rebellengeneration nach dem Tod Otto Steinerts, die mit den Berliner Fotografen in engem Kontakt stand, in den Mittelpunkt. Und das Sprengel-Museum zeichnet in der […] ins Licht stellt - darum fehlt, ist eine Bibliografie ihrer Bücher. Thierry Chervel Werkstatt für Photographie 1976-1986 - C/O Berlin, Museum Folkwang Essen, Sprengel Museum Hannover - Katalog, hrsg. von Florian Ebner, Felix Hoffmann, Inka Schube und Thomas Weski. Berlin/Essen 2016/17. Texte von Florian Ebner, Felix Hoffmann, Inka Schube, Thomas Weski, Ute Eskildsen, Carolin Förster, Christine Fr […] plötzlich diese Weite" die Rezeption amerikanischer Fotografie in Deutschland nach. (Sehr schön erzählt Brigitte Werneburg in ihrer taz-Kritik die Geschichte und Beziehungen der "Werkstatt".) Auch in Berlin hängen die amerikanischen Fotografen neben den deutschen, also William Eggleston, Larry Clark, Stephen Shore oder Diane Arbus neben Michael Schmidt, Ulrich Görlich oder Hildegard Ochse. Nicht dass […] Von Thierry Chervel

Spandauer Salzkissen

Vom Nachttisch geräumt 04.12.2016 […] versinkt. Norbert W.F. Meiers "Berlin Geologie" ist so eines. Es öffnet einem die Augen für die bewegte Geschichte Berlins, bevor es Berlin gab. Vom "Spandauer Salzkissen" hatte ich noch nichts gehört. Es ist ein Überbleibsel von einem salzhaltigen See oder gar Meer, das hier vor 260 Millionen Jahren war. Das Wasser verdunstete oder floss ab. Es blieb das Salz. Berlin war also damals unter Wasser. In […] obersten Schichten. In Berlin reichen die tiefsten Bohrungen gerade mal 5100 Meter in die Erdkruste hinein. Ihr oberer Mantel reicht tiefer als 400 Kilometer. Darunter glüht es und schwappt es. Nirgend irgendetwas in Sicht, das Sicherheit böte. Schon gar nicht fürs Leben. Norbert W.F. Meier: Berlin Geologie - Über und unter dem Pflaster der Großstadt, Berlin Story Verlag, Berlin 2014, 126 Seiten mit […] Ich werde keine Geschichte Berlins mehr ernst nehmen können, in der nicht steht, dass Berlin schon einmal ein paar Millionen lang eine geteilte Stadt war. Das war im Kambrium, vor 500 Millionen Jahren. Damals gab es eine Periode, in der, was heute Berlin ist, sich auf zwei weit voneinander getrennte Platten der Erdkruste verteilte. Der Schabowski, der damals Baltica und Avalonia wieder zusammenbrachte […] Von Arno Widmann

Ein bisschen weniger Als Ob

Essay 02.09.2016 […] etablierten Parteien nicht mehr ernst genommen fühlen. Und zu den etablierten Parteien gehören inzwischen alle anderen. In Berlin kann man das derzeit an jeder Straßenecke beobachten: Berlin bleibt günstig, menschlich, gradlinig, frei, stark, gebührenfrei und natürlich bezahlbar. Berlin geht nur zusammen und Kinder sind die wichtigsten start ups. Vielleicht braucht die Stadt noch ein bisschen mehr speed […] zur Partizipationsdemokratie. Deren Scheitern scheint mir programmiert. Jedenfalls verändert sich die Politlandschaft auf bisher unbekannte Weise. Wohin aber wird die Reise gehen? Ein Wendepunkt in Berlin war die Diskussion über den Volksentscheid zum Tempelhofer Feld, der zur großen Niederlage für den damaligen Stadtentwicklungssenator und heutigen Regierenden Bürgermeister Michael Müller wurde. Gegen […] der Entwicklung des Feldes zu Bauland eine goldene Nase zu verdienen. Doch alle Träume platzten - das Volk spielte nicht mit, verbat sich die geplante Bebauung per Volksabstimmung. Das macht der Berliner Politik bis heute zu schaffen. Denn inzwischen kam die Flüchtlingskrise über die Stadt, der Bedarf an Wohnraum ist kaum zu befriedigen, trotz stetig steigender Baugenehmigungen. Mehr als 50.000 F […] Von Max Thomas Mehr

Yo Dicker! Sebastian Schippers 'Victoria' (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 08.02.2015 […] Der deutsche Wettbewerbsbeitrag "Victoria" von Sebastian Schipper erzählt die Geschichte einer atemlosen Berliner Nacht - oder legt es doch darauf an, in genau diesen Worten nacherzählt zu werden. Ein leinwandfüllendes Flackern eröffnet den Film: im pulsierenden Licht des Stroboskops tanzt die Titelheldin Victoria. Auf der Straße vor dem Club begegnet die junge Spanierin nachher vier Jungs, die sich […] darf in einem Film, der sich mehr als zwei Stunden nimmt, nicht auch einmal nichts passieren? So strampelt "Victoria" sich redlich ab, Intensitäten in Serie zu produzieren, vermittelt erst durchs Berliner Milljöh und dann - spoiler alert! - durch jäh einbrechende Genrekinogewalten. Die generische Gewalt funktioniert mitunter sogar ganz gut, das authentische Milieu ("Yo Dicker!") hingegen gar nicht […] Von Nikolaus Perneczky

Bora Cosic: Lange Schatten in Berlin

Vorgeblättert 25.08.2014 […] Bora Ćosić: Lange Schatten in Berlin Aus dem Serbischen von Brigitte Döbert Schöffling & Co., Frankfurt/M 2014 160 Seiten, gebunden, € 16,95 Erscheint am 2. September 2014 Hier zur Leseprobe Bestellen bei buecher.de Mehr Informationen bei Schöffling & Co. Klappentext: Mit zahlreichen Fotografien von Lidija Klasić und einem Nachwort von Herbert Wiesner. "Auch Berlin ist ein Zustand." Unter diesem […] auch von der Mauer durch Berlin, dem geteilten Deutschland und von deren Ursachen in der europäischen Geistesgeschichte. Zum Autor: Bora Ćosić, 1932 in Zagreb geboren, ist einer der großen europäischen Schriftsteller und hat in über 30 Prosa- und Essaybüchern vielfältig das Sinnlose, Groteske, Absurde und Tragische der Geschichte des Balkan gezeichnet. Ćosić lebt in Berlin und Rovinj. Für sein Werk […] diesem Motto schreibt Bora Ćosić seine Erinnerungen an EINE KURZE KINDHEIT IN AGRAM fort, die in seiner Exilheimat Berlin LANGE SCHATTEN wirft. In einer Reihe kurzer Vignetten umkreist Cosić Alltagsphänomene der Großstadt und ihrer Architektur als vieldeutige Zeichen der europäischen bürgerlichen Kultur und des Schreibens. Dabei spürt er in Details wie der Anordnung seiner eigenen Altbauwohnung, einer […]

Ein Wunder von einem Film: Ramon Zürchers 'Das merkwürdige Kätzchen' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2013 […] "Wenn die Wunde so riecht, wie sie aussieht, würde ich den Geruch mögen." Oder auch: "Falsch geschrieben ist jedes Wort lustig." Räume: Fast der gesamte Film spielt in einer Altbauwohnung, wie es in Berlin Tausende gibt: weiße Wände, hohe Fenster, ein recht enger Flur, eine recht enge Küche, ein recht enges Badezimmer, dazu einige auch nicht besonders geräumige weitere Zimmer. Schon die drei Menschen […] diese Elemente in ihrer Materialität sichtbar zu machen, ohne sie gleich wieder in eine Erzählmaschine einzuspannen, die sie zwangsläufig verformt, zurichtet. Nicht, dass Ramon Zürcher, Absolvent der Berliner Filmhochschule dffb (Projektbetreuung, das würde man nicht unbedingt denken: Bela Tarr), die Dinge einfach so zeigen würde, wie sie sind. Auch Zürcher verformt, allerdings nach seinen eigenen Regeln: […] Von Lukas Foerster

Big in Berlin: Shah Ruhk Khan in 'Don - The King is Back' (Berlinale Special)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2012 […] Bollyproduktionen weit wegbewegt (kurios in diesem Zusammenhang eine Walzerszene beim Berliner Charitykongress - ob derart steif reguliertes Tanzgebaren im Gegensatz zur körperlichen Entfesselung des Bolly-Tanzes beim heimischen Publikum wohl witzig wirkt, fragt man sich dann doch sehr amüsiert) und stattdessen Berlin spekulativ auf seine Actionpotenziale abfragt (dass dies im vergangenen Berlinalejahr […] wie James Bond, nur eben kriminell. Der Plan, der ihn in "Don - The King is Back" erst freiwillig ins Gefängnis, von dort geschwind wieder hinaus und über Zwischenstation in Zürich schließlich nach Berlins Mitte verschlägt, verfolgt einen simplen, wie waghalsigen Zweck: Die Druckplatten für die Euroscheine sollen der Deutschen Zentralbank spektakulär entwendet werden. Der Plan freilich hat derer unw […] Von Thomas Groh

Spricht chorisch Vitruvisches: Jaume Collet-Serras 'Unknown'

Außer Atem: Das Berlinale Blog 18.02.2011 […] Zeichen in einer Weise durcheinanderfliegen, dass nicht nur dem Kenner Berlins, das hier nach Frankensteinart in die Repräsentation übergeht, Hören und Sehen vergeht. Warum die Oberbaumbrücke auf dem kürzesten Weg vom Pariser Platz Richtung Tegel liegt, wissen die Götter. In der anderen Ökonomie dieses Films freilich, der Berlin vor allem - und schlagt micht tot, aber es gelingt von Mies bis Henselmann […] Von Ekkehard Knörer

Bewältigt Kindheitstraumata: Tamara Trampes 'Wiegenlieder' im Panorama

Außer Atem: Das Berlinale Blog 16.02.2010 […] sich und ihrer Kindheit, andere schweigen - mit Tränen in den Augen. Es ergibt sich ein Potpourri aus Porträts und Einzelschicksalen rund um das Thema Kindheit. Inklusive Liebeserklärung an die Stadt Berlin. Der Film steht und fällt mit seinen Protagonisten, unter denen einige besondere Originale hervorstechen. Wie zum Beispiel die kleine Mila, die sehr selbstbewusst und altklug erklärt, warum es ihr […] Protagonisten und hält, froh über eine Reaktion der Betroffenen, immer munter die Kamera drauf. Wenig Feingefühl und Originalität beweist die Regisseurin auch bei den Aufnahmen, die die Stadtkulisse Berlins mit lauter werdenden Müttern zeigt. Noch unangenehmer ist aber die klangliche Seite des Filmes, wenn man anderen Menschen beim Singen zuhören muss und sich schnell das Gefühl von Fremdscham einstellt […] Von Anna Steinbauer

Patrone für Patrone: Thomas Arslans 'Im Schatten'

Außer Atem: Das Berlinale Blog 15.02.2010 […] Häuserfassade, blickt sich um und macht sich schließlich auf den Weg in einen Berliner Gangsterfilm. Trojan, gerade aus dem Gefängnis entlassen, betritt zunächst einen Hausflur, dann eine Wohnung, bald darauf eine weitere, er wartet in Straßencafes, er besorgt sich ein Auto, ist damit auf Berliner Straßen und in Berliner Parkhäusern unterwegs, bezieht ein Hotelzimmer mit denkbar unglamouröser Aussicht […] Die Titelsequenz liegt über einem Straßenzug in Berlin Mitte. Ampeln und Leuchtreklamen dominieren das Bild und werfen bunte Schlieren, die nahelegen, dass die Kamera hinter einer Glasscheibe positioniert ist. Danach, in kurzer Folge, drei Einstellungen von Trojan (großartig in seiner körperlichen Präsenz: Misel Maticevic, zuletzt unter anderem in den beiden tollen Dominik-Graf-Filmen "Eine Stadt wird […] beobachtet ihn dabei: Patrone für Patrone. Und genau wie Can die Drogenpakete anschließend verkauft, wird Trojan die einmal geladene Waffe auch benutzen. Bis zum vorletzten Akt bleibt der Film in Berlin, hauptsächlich in den Westbezirken. Arslan verfährt in "Im Schatten" mit dem Raum wie in "Der schöne Tag" mit der Zeit: Es geht um eine synthetische Totalität, die vor allem in der Montage entsteht […] Von Lukas Foerster