9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Internet

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.03.2024 - Internet

Unternehmen könnten bald lieber mit virtuellen Avataren als mit echten Influencern zusammenarbeiten, schreibt Adrian Lobe im Tagesspiegel. Den Vorwurf, Avatare vermittelten ein überhöhtes körperliches Ideal, lässt er indes nicht gelten: "Auch Influencer aus Fleisch und Blut erzeugen eine oberflächliche Scheinwelt und üben mit perfekten Proportionen 'Körperdruck' auf das Publikum aus, das sich beim Anblick der makellosen Körper seltsam unförmig fühlt. Für Schönheitswahn braucht es keine Avatare."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.02.2024 - Internet

Die Telekom plant ein Telefon ohne Apps, das nur mit KI auskommt. Wenn es so intelligent ist wie die Labyrinthe der Chatbots, in denen Telekom und sämtliche anderen Firmen heute verzweifelte Kunden verenden lassen, schwant einem Übles. Aber SZ-Experte Andrian Kreye jubelt. Für ihn ist das eine Revolution wie das Iphone. Und "die Wirtschaft steht nun vor der Herausforderung, sich in solchen Nadelöhren und Flaschenhälsen zu behaupten. Markenwirkung, Marketing, Search Engine Optimization, Webpräsenz, Social-Media-Kampagnen? Wären mit einem Smartphone, auf dem es keine Apps mehr gibt, Makulatur." Etwas konkreter geht es in einem zweiten SZ-Text über KI zu. Jan Krüssmann erzählt, wie sie alte Schriftrollen aus Pompeiji entziffern hilft. Die ganze KI bringt aber nichts, ohne  schnelles Internet nach 6G-Standard insistiert der Tech-Unternehmer Ivo Ivanov in der FAZ.
Stichwörter: Künstliche Intelligenz

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.02.2024 - Internet

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In seinem aktuellen Buch "The Coming Wave" untersucht der KI-Forscher Mustafa Suleyman gemeinsam mit Michael Bhaskar Chancen und Risiken des Zusammenspiels von KI, Robotik und Biotech. Damit der Mensch von den Entwicklungen nicht überrollt werde, bedürfe es "Containment", sagt er im SZ-Gespräch: "Das ist eine Idee, die aus vielen Teilen besteht. Dazu gehören Regierungen und Regulierungen, aber auch harte technische Sicherheitsarbeit und Audits von Modellen und Labors. Da ist die Diplomatie gefordert, wir brauchen globale Verträge. Aber es geht auch um eine Generation von Unternehmen, die die Strukturen, Kulturen und Anreize schaffen müssen, um verantwortungsvolle Einsätze dieser Technologien zu priorisieren. Es braucht auch eine massive Bewegung von Menschen auf der ganzen Welt. Und all diese Elemente müssen zusammenwachsen, damit das mehr ergibt als die Summe seiner Teile. Um es deutlich zu sagen: Wir haben in der Vergangenheit noch nie eine Technologie wirklich eingedämmt."
Stichwörter: Ki, Robotik, Suleyman, Mustafa

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.02.2024 - Internet

Heute wird aller Voraussicht nach im EU-Parlament die KI-Verordnung beschlossen. Für die taz fasst Svenja Bergt die wichtigsten Fakten zusammen, unter anderem die Kritik am sogenannten "AI-Act": "Die europäische Bürgerrechtsorganisation EDRi warnt daher davor, dass die neuen Regelungen dazu beitragen könnten, 'die Überwachungsaktivitäten von Polizei und Migrationskontrollbehörden auszuweiten und zu legitimieren'. Die NGO Algorithmwatch kritisiert darüber hinaus 'große Schlupflöcher' für Unternehmen: So hätten die Hersteller von KI-Systemen ein Mitspracherecht bei der Frage, ob ihre Systeme als Hochrisiko-KI, für die besonders strenge Regeln gelten, eingestuft werden. Darüber hinaus gebe es für Bereiche der nationalen Sicherheit, der Strafverfolgung und der Migration Ausnahmen für Hochrisiko-Systeme. 'Der Kompromiss zur KI-Verordnung offenbart einen systemischen Fehler bei der EU-Gesetzgebung. Die nationalen Regierungen und die Strafverfolgungslobby haben einen unverhältnismäßig großen Einfluss', kritisiert Algorithmwatch-Expertin Angela Müller. Das gehe zulasten von Menschenrechten und öffentlichem Interesse."
Stichwörter: AI-Act, KI-Verordnung

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.01.2024 - Internet

Atlantic-Redakteurin Adrienne LaFrance veröffentlicht eine lange Diatribe gegen die totalitären Fantasien von Tech-Königen wie Mark Zuckerberg und Elon Musk und endet mit einem etwas kraftlosen Plädoyer für Humanität: "Technokraten haben Recht, wenn sie Technologie als Schlüssel zur Verbesserung der Welt sehen. Aber zuerst müssen wir die Welt so beschreiben, wie wir sie uns wünschen - die Probleme, die wir im öffentlichen Interesse und im Einklang mit den Werten und Rechten lösen wollen, die die Menschenwürde, Gleichheit, Freiheit, Privatsphäre, Gesundheit und Glück fördern. Und wir müssen darauf bestehen, dass Leiter von Institutionen, die uns repräsentieren - im Großen wie im Kleinen - Technologie so einsetzen, dass sie widerspiegelt, was für den Einzelnen und die Gesellschaft gut ist, und nicht nur das, was Technokraten bereichert."
Stichwörter: Musk, Elon, Zuckerberg, Mark

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.12.2023 - Internet

Nicht alarmistisch klingt, was der Virtual-Reality-Pionier und Intenetkritiker Jaron Lanier im Interview mit Götz Hamann und Jakob von Lindern von der Zeit zu KI-Programmen wie ChatGPT sagt: "Wir sollten diese Software nicht als Wesen oder Kreatur betrachten. Ich will keinem vorschreiben, was er oder sie denkt, aber ich finde, es bringt uns mehr, wenn wir ChatGPT und andere Large Language Models als das beschreiben, was sie derzeit sind: Sie ermöglichen eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Menschen. Wir geben der Software einen Befehl, und sie führt ihn aus und greift dabei auf das zurück, was schon einmal geschrieben, gedacht, programmiert wurde."
Stichwörter: ChatGPT, Lanier, Jaron

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.12.2023 - Internet

KI zerstört das Internet - und damit gleichzeitig sich selbst, warnt Adrian Lobe in der NZZ. "Was jetzt mit der Entwicklung von Sprachmodellen passiert, ist nicht bloß eine technische Einstellung im Maschinenraum einer Tech-Plattform, sondern ein Frontalangriff auf die Hyperlinkstruktur des World Wide Web. Chat-GPT weist ja schon gar keine Quellen mehr aus. ... Die immer leistungsfähigeren KI-Systeme brauchten immer mehr Daten, um verlässliche Ergebnisse zu produzieren. Doch die Plattformen drehen die Daten-Pipeline zu. X (vormals Twitter) hat ein Lese-Limit für Kurznachrichten eingeführt, Reddit seine Benutzerschnittstelle kostenpflichtig gemacht, und BBC hat wie der Guardian die Entwicklerorganisation Open AI sogar ganz blockiert. Das freie Internet errichtet überall Zäune, um zu verhindern, dass die digitale Allmende weiter abgeweidet und der Commons-Gedanken pervertiert wird. Der Flurschaden, der durch die Grenzziehungen entsteht, könnte weitaus größer sein als der einer kontrollierten Öffnung."
Stichwörter: Künstliche Intelligenz

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.11.2023 - Internet

Google, Meta, Adobe oder Microsoft kopieren gern für das Erstellen von KI-Modellen Urheber von geistigen Werken, bezahlen sie aber nicht, schreibt Nina George, Ehrenpräsidentin des European Writers' Council, in der SZ: "Meta findet, dass Künstlerinnen und Urheber eh nix verdienen, da käme es auf ein weiteres Nichts nun auch nicht mehr an. (…) Google meint, das, was Maschinen da tun, unterscheide sich nicht groß vom menschlichen Lesen eines Buches - und das könne man ja nu nicht verbieten! Microsoft, das diskret seine AGB geändert hat und alles, was Sie in Ihr Word, Outlook und Power Point eintippen, für KI-Anwendungen benutzt, möchte unsere Herzen öffnen für KI-Start-ups, denen das schlimme Copyright die gesamte Kalkulation verhagelt. (…) Adobe, das sich jüngst hervortat, dass es KI-Fake-Bilder zum Israel-Palästina-Krieg verkauft, meint, seine Plagiatsmaschine sei ein Beitrag zur Steigerung persönlichen kreativen Ausdrucks."

Außerdem: Im SZ-Interview spricht der Kognitionswissenschaftler und KI-Experte Gary Marcus über die Versuche, das KI-Gesetz der EU zu torpedieren und die wirklichen Gefahren der künstlichen Intelligenz.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.11.2023 - Internet

Auf ZeitOnline zeichnen Götz Hamann und Karsten Polke-Majewski die antiisraelischen Reaktionen im Netz nach: "Die übergroße Mehrheit in der digitalen Öffentlichkeit stand trotz der Morde von Beginn an auf der Seite der Palästinenser. Darin spiegeln sich zweifellos 70 Jahre Nahostkonflikt, eine Distanz oder auch offene Feindschaft gegenüber Israel in weiten Teilen der muslimischen Welt - und die internationale Kritik an der israelischen Siedlungspolitik. Gefühlt ist das klar, aber die Wucht war trotzdem überraschend, und sie lässt sich recht gut an zwei Zahlen ermessen. Videos mit dem englischen Hashtag #freepalestine hatten auf TikTok seither rund 27,8 Milliarden Aufrufe. Videos mit #standwithisrael nur einen Bruchteil davon: 497 Millionen. Solidarität mit Palästinensern verband sich in den Videos und Beiträgen mitunter mit antiisraelischen und antisemitischen Motiven."
Stichwörter: Nahostkonflikt, Tiktok

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.11.2023 - Internet

Mit dem geplanten Digital Service Act (DSA) sollen die sozialen Medien in Bezug auf Desinformation oder "rechtswidrige Inhalte" durchkämmt und diese gelöscht werden. Das sieht der Journalist Jakob Schirrmacher in der Welt kritisch, weil dieser Mechanismus missbraucht werden kann: "Der DSA versteht unter 'rechtswidrigen Inhalten' alle Informationen, 'die als solche oder durch ihre Bezugnahme auf eine Tätigkeit, einschließlich des Verkaufs von Produkten oder der Erbringung von Dienstleistungen, nicht im Einklang mit dem Unionsrecht oder dem Recht eines Mitgliedstaats stehen, ungeachtet des genauen Gegenstands oder der Art der betreffenden Rechtsvorschriften.' Das kann bedeuten, dass Inhalte, die beispielsweise in Ungarn als rechtswidrig verstanden werden, auch aus Feeds der restlichen EU-Mitgliedstaaten verschwinden könnten. Laut EU-Kommission sei dies jedoch ein hassfreieres, menschlicheres und demokratischeres Internet wert."