9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.02.2020 - Internet

Mark Zuckerberg ist bei einer Brüssel-Reise, mit der er wohl drohenden Regulierungen zuvorkommen wollte, von EU-Funktionären eher kühl empfangen worden, berichten eine Reihe von politico.eu-Reportern: "In einer Woche, in der die  Europäische Union eine Reihe von digitalen Vorschlägen enthüllen wird, von denen viele das Kerngeschäft von Facebook berühren werden, haben die Beamten am Montag viele dieser Vorschläge höflich zurückgewiesen und behauptet, das Unternehmen müsse mehr eigene Anstrengungen unternehmen, um viele der regulatorischen Herausforderungen zu bewältigen, mit denen es jetzt konfrontiert ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.02.2020 - Internet

In der FAZ berichtet Fridtjof Küchemann, wie Amazon Titel zensiert und Leser ausspioniert: "Ende Januar hat die amerikanische Journalistin Adrianne Jeffries aus der Markup-Redaktion eine Liste der Daten veröffentlicht, die Amazon über den populären E-Book-Leser Kindle von ihr gesammelt hatte. Bis ins Jahr 2018 zurück reichten die Aufzeichnungen, die sie über die Amazon-Funktion 'Meine Daten anfordern' zugeschickt bekommen hatte, mehr als neunzigtausend Zeilen umfasste die Liste, registriert wurde jede einzelne Berührung des Lesegeräts."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.02.2020 - Internet

Roger McNamee, einst Facebook-Investor, ist mit dem Buch "Die Facebook-Gefahr" zum Facebook-Kritiker geworden. Im Gespräch mit Monika Ermert von heise.de fordert er ein Gesetz zum Verbot von Algorithmen, die Emotionen vestärken: "Das Grundproblem ist, dass das Geschäftsmodell auf die Monopolisierung von Aufmerksamkeit gerichtet ist. Die Firmen setzen dazu Amplifizierungs-Algorithmen ein, um den Leuten genau die Inhalte zu präsentieren, mit denen sie sie am besten auf der Plattform festhalten können. Für die meisten Leute gilt, dass sie am ehesten dranbleiben, wenn sie wütend sind oder Angst haben. Also bekommen wir Hate Speech, Desinformation und Verschwörungstheorien. Genau da muss die Regulierung ansetzen. (...) Wer digitales Gift verbreitet, sollte ökonomisch genauso zur Verantwortung gezogen werden, wie derjenige, der chemische Gifte in Umlauf bringt." Den Artikel kann man im Original hier herunterladen.

Die Demokratieforscher Christopher Walker, Shanthi Kalathil und Jessica Ludwig vom National Endowment for Democracy (NED) (einem einst von Ronald Reagan gegründeten Thinktank) warnen in der FAZ vor "wechselseitiger technologischer Abhängigkeit zwischen Demokratien und autoritären Regimen". Die Überwachungstechnologien in "scharfen Regimes" wie China und Russland könnten mit den Plattformen verschmelzen und auch die Demokratien unterhöhlen: "Im Kontext der neuen Technologien zielt scharfe Macht darauf ab, das Ökosystem, in dem Informationen und Ideen zirkulieren, grundlegend zu verändern. Sollten die größten autoritären Staaten noch weiteren Einfluss auf die Plattformen gewinnen, über die Menschen in aller Welt Informationen erhalten und teilen, werden höchstwahrscheinlich noch weiterreichende Formen 'autoritärer Kuratierung' entstehen, wie man dies nennen könnte. Unter diesen Umständen wird man noch präzisere Algorithmen entwickeln, die sicherstellen, dass unerwünschte politische Inhalte vor den Augen der Nutzer verborgen bleiben."
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9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.02.2020 - Internet

Stefan Krempl fasst bei Heise online Reaktionen von Vereinen wie der Digitalen Gesellschaft, aber auch von Gewerkschaften auf den von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) präsentierten Vorschlag für die deutsche Umsetzung des Leistungsschutzrechts für Presseverleger zusammen. Der eco-Verband der Internetwirtschaft warne: "Dürften Online-Dienste Bilder nur noch in Miniaturgröße darstellen und Video- oder Audioausschnitte von nicht länger als höchstens drei Sekunden veröffentlichen, wie es das Ministerium vorsehe, schrumpfe das Internet 'auf ein Minimum zusammen' und verliere seine 'Identität als Informationsmedium'." Aber auch Lobbygruppen, die sich für die Reform  ausgesprochen haben, seien kritisch, etwa die Gewerkschaft Verdi: "Es werde der Eindruck vermittelt, dass die Interessen der Urheber hinter denen der Verwerter ihrer Werke zurückstünden."

Facebook setzt sich neuerdings für Privatsphäre ein. In der SZ ist Adrian Lobe schockiert und warnt: Das sei auch nur wieder ein Trick des hinterhältigen Unternehmens, aber diesmal einer mit "politischer Sprengkraft": "Privatheit ist nach klassisch-liberalem Verständnis im 19. Jahrhundert als Abwehrrecht (der Bürger) gegenüber dem Staat entstanden. Wenn sich nun Facebook und Co zu Anwälten der Privatsphäre aufschwingen, reklamieren sie nicht nur einen staatsfreien Raum, sondern zugleich eine Form von Staatlichkeit, von der die Privatheit 2.0 abgeleitet ist. Apple versuchte 2016 schon einmal, sich in Sachen Privatsphäre zu profilieren, als sich Konzernchef Tim Cook heroisch dagegen wehrte, dem FBI bei der iPhone-Entschlüsselung eines der Attentäter von San Bernardino zu assistieren (am Ende gelang es dem Geheimdienst dennoch, das Smartphone zu knacken). Die unterschwellige Botschaft: 'Ihre Daten sind bei uns sicherer und besser aufgehoben als beim Staat!'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.01.2020 - Internet

Künstliche Intelligenz wird der babylonischen Sprachverwirrung ein Ende bereiten. Künftige Generationen werden gar nicht mehr wissen, was eine Fremdsprache ist, weil es reicht, in der Muttersprache zu kommunizieren und sich die Übersetzung von Software liefern zu lassen. So jedenfalls Larissa Holzkis Vision in einem lesenswerten Hintergrundartikel für das Handelsblatt über die Fortschritte von Google Translate und mehr noch dem deutschen Startup deepl, das teilweise fast unheimlich perfekte Übersetzungen liefert - und dann doch wieder krasse Fehler. "'Ganz viele inkrementelle Fortschritte summieren sich zu einem großen auf', sagt Computerlinguist Hinrich Schütze, der an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität das Centrum für Informations- und Sprachverarbeitung leitet. Wie weit sich die Software noch perfektionieren lässt und in welcher Geschwindigkeit, ist allerdings ungewiss. Einer der größten Knackpunkte laut Schütze: 'Die maschinellen Übersetzer beherrschen kein richtiges Sprachverstehen.' Sie verstünden den Kontext nicht über den Satz hinaus."

Christian Meier hat 3500 Euro hingeblättert (soviel kostet jedenfalls ein Ticket, schreibt er), um bei der von Hubert Burda Media veranstalteten Digitalkonferenz in München für die Welt mitzuhören, wie eine Reihe von amerikanischen Kritikern der großen Internetkonzerne zum Widerstand gegen Big Tech aufrief.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.01.2020 - Internet

Das ist ein ziemlicher Super-Gau: Offenbar ist es Hackern gelungen, im Herbst letzten Jahres mittels einer Emotet-Virus-Attacke den gesamten Datenbestand des Berliner Kammergerichts abzusaugen. Das berichtet der Tagesspiegel, und inzwischen musste das auch Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) bestätigen, der seit Monaten über die Geschichte informiert ist, das aber nicht zugeben wollte. Von der Attacke betroffen sind laut Robert Kiesel im Tagesspiegel "neben Tätern und Opfern von am Kammergericht verhandelten Prozessen auch Zeugen und verdeckte Ermittler oder Informanten. Das Kammergericht ist unter anderem für Terrorprozesse zuständig. Die dort lagernden und möglicherweise gestohlenen Daten sind höchst sensibel." Fest steht auch, dass die Daten des Kammergerichts höchst unzureichend gesichert waren, meint Kiesel nach Lektüre eines Gutachtens vom 23. Dezember zu dem Fall: "So habe sich die Schadsoftware auch deswegen ausbreiten können, weil das Kammergericht keine 'Netzwerksegmentierung' vorgenommen habe - also die Aufteilung in verschiedene, aus Sicherheitsgründen voneinander getrennte Bereiche. Außerdem habe das Schutzsystem den Angriff nicht erkannt, obwohl die Schadsoftware schon vorher bekannt war."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.01.2020 - Internet

Im Interview mit Zeit online ist Vinton Cerf, einer der Mitbegründer des Internets und heute Vizepräsident und Chief Evangelist von Google, doch recht unglücklich darüber, wie sich das Netz mit seiner Massenverbreitung entwickelt hat. Trotzdem möchte er es grundsätzlich offen halten. Was allerdings nicht heißt, dass man sich über ein paar Regeln und Einschränkungen Gedanken machen könnte: "Die erste ist Technologie, die schlechtes Verhalten erkennt und automatisch stoppt. Die nächste Stufe heißt Post-Hoc-Enforcement: Wer bei Handlungen erwischt wird, die unsere Gesellschaft für unangebracht hält, muss die Konsequenzen dafür tragen. Wir wissen, dass wir auf diesem Wege nicht alle erwischen werden - genauso wie eine Geschwindigkeitskontrolle nicht jeden erwischt, der zu schnell fährt. Aber eben doch ein paar. Und dann gibt es noch die dritte Komponente. Die besteht darin, Menschen zu verstehen zu geben, dass in unserer Gesellschaft bestimmte Dinge einfach nicht akzeptabel sind. Das klingt etwas schwach. Aber wenn wir als Gesellschaft bestimmte Normen anerkennen, dann erzeugt das einen gewissen Druck, dass Menschen sich im Einklang mit diesen Normen verhalten. Und das kann manchmal so mächtig wirken wie Verbote."
Stichwörter: Cerf, Vincent

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.01.2020 - Internet

Google hat die Präsentation seiner Suchergebnisse neu gestaltet. Jon Porter erklärt im Techblog theverge.com, worum es dem Konzern gehen könnte: Der neue Design verwischt "die Grenze zwischen den organischen Suchergebnissen und den darüber liegenden Anzeigen... Offenbar absichtlich gibt es nur ein kleines 'Ad'-Symbol, das Anzeigen von Suchergebnissen unterscheidet. Es ist so gestaltet, dass es den neuen Favicons neben den Suchergebnissen ähnelt. Die Veränderungen, hat Digiday herausgefunden, mögen dazu beitragen, dass die Nutzer mehr auf Anzeigen klicken."

So sieht das im amerikanischen Google aus:


In Deutschland ist die Gestaltung - vielleicht wegen strengerer Vorschriften? - anders: Hier steht immerhin das Wort "Anzeige" vor der Werbung.
Stichwörter: Google

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.01.2020 - Internet

Immerhin sechs der 22 Facebook-Kommentare, gegen die Renate Künast Klage eingereicht hatte, wurden am Dienstag nach einer Beschwerde der Grünen-Politikerin gegen das Urteil Berliner Landgerichts als Beleidigung eingestuft. (Unsere Resümees) Im SZ-Interview mit Detlef Esslinger ist Künast nur mäßig zufrieden. Die Entscheidungspolitik des Gerichts bleibt unklar, meint sie: "Drecksfotze ist angeblich ohne Sachzusammenhang, perverse Drecksau jedoch mit Sachzusammenhang, also Bezug zum Thema. Man darf auch 'altes grünes Dreckschwein' sagen und 'gehirnamputiert'; dass ich mal durchvergewaltigt werden müsste, oder als Kind vielleicht selbiges zu wenig erlitten hätte. Das Geheimnis des Gerichts ist: Es sieht weder klar, dass dies eindeutig Beleidigungen sind, noch nimmt es wahr, in welchem rechtsextremen Kontext so etwas geäußert wird. Es gehört zur Zersetzungsstrategie in diesem Milieu, demokratische Abgeordnete niederzumachen. Nun muss das Kammergericht, die nächste Instanz, entscheiden, ob Facebook mir auch in diesen 16 Fällen die Namen der Nutzer nennen darf, damit ich Strafantrag stellen darf."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.01.2020 - Internet

Lisa Hegemann hat sich für Zeit online den Entwurf für ein deutsches Leistungsschutzgesetz angesehen: Überschriften wiederzugeben, soll jetzt erlaubt sein. Dafür soll das Leistungsschutzrecht auf Bilder, Video- und Audioausschnitte ausgeweitet werden: "Onlinedienste dürften Bilder laut dem Entwurf nur in einer Größe von 128 mal 128 Pixel darstellen, Video- und Audioausschnitte dürften nicht länger als drei Sekunden sein." Texte teilen zu privaten Zwecken soll erlaubt sein, aber was ist schon privat? "Was das genau heiße, bleibe unklar, sagt der EU-Parlamentarier Tiemo Wölken (SPD): 'Privat kann auch nicht öffentlich bedeuten.' Heißt: Nutzerinnen und Nutzer dürften auf Plattformen wie Facebook oder Twitter keine längeren Textausschnitte mehr verbreiten, weil sie dort öffentlich einsehbar sind - es sei denn, eine Nutzerin teilt zum Beispiel ihre Tweets nur privat mit ihrer Gefolgschaft oder spricht mit den Verlagen." Wäre das nicht mehr oder weniger das Ende des Internets, dessen Wesen im Teilen durch Verlinkung besteht?