Der Journalismus baut mit an einer Infrastruktur, die ihn am Ende selbst verschlingt,
schreibt in der
taz der
Medienwissenschaftler Stephan Weichert mit Blick auf Journalisten und Mediennutzer, die KI-Systeme mit Interviewtranskripten, Kommentaren oder Reportagen füttern. Ganz verschwinden wird der Journalismus freilich nicht, glaubt Weichert, bezugnehmend auf
Jim VandeHei, Gründer des US-Nachrichtenportals
Axios: "Während KI den
Durchschnittsjournalismus zunehmend automatisiere, steige der Wert derjenigen, die über Expertise, Quellenkenntnis und Glaubwürdigkeit verfügten. In dieser Stringenz führt das zu einer radikalen
Zweiteilung des Marktes. Auf der einen Seite entsteht eine unausweichliche Flut seelenloser Inhalte - schnell produziert,
billig,
blutleer. Auf der anderen Seite bleibt ein kleiner Kern journalistischer Arbeit übrig, der sich durch Exzellenz und
persönliche Autorität von der Masse abhebt. Für viele Medienhäuser bedeutet das, sich einer unbequemen Wahrheit zu stellen: Die eigentliche Konkurrenz für Journalismus ist nicht die generative KI. Es ist der mittelmäßige Journalismus, den die Maschinen problemlos ersetzen können."
So ganz fair findet es Ex-
FAS-Hospitant Paul Pfaffel nicht, dass Politik und Pädagogik das Thema "
digitale Unmündigkeit" nur mit Blick auf Kinder und Jugendliche betrachten. Denn
ältere Erwachsene seien im Netz mitunter genauso gefährdet wie Jüngere: "Der Harvard-Forscher Ben Lyons hat in einer Untersuchung mit rund 10.000 Menschen und Onlinenutzungsdaten von etwa 4500 Personen beschrieben, dass Menschen über 60 häufiger mit
Falschinformationen in Berührung kamen und sie eher teilten und verbreiteten. Als treibenden Faktor benennt er dafür die
sinkende digitale Kompetenz im Alter. Das ist eine hübsch unangenehme Pointe: Besonders die, die sich wegen ihrer Lebenserfahrung zu den Selbstgewissen zählen, sind anfällig für die Tricks aus einer Welt, mit der sie kaum richtig Erfahrung haben."