9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.10.2015 - Internet

Sridhar Ramaswamy, der Werbeverantwortliche bei Google, hat sich zum ersten Mal nach Einbau eines Adblockers in die Apple-Browser zur großen amerikanischen Debatte über Internetwerbung geäußert, berichtet Mark Bergen bei recode.net und zitiert: ""Das Problem ist wirklich, dass Adblocker das Kind mit dem Bade ausschütten. Sie machen es einer Menge Leute unmöglich, sich zu refinanzieren", sagte er in einem Gespräch mit Bob Safian, einem Redakteur bei der Zeitschrift Fast Company. "Wir müssen als Industrie anerkennen, dass wir eine Antwort darauf finden müssen. Wir müssen zusammenarbeiten und definieren, was eine akzeptable Anzeige ist und wie akzeptable Anzeigenprogramme aussehen können."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.09.2015 - Internet

Internetwerbung ist kaputt, schreibt Jeff Jarvis bei Medium, "und wir Journalisten und Medien haben die Verantwortung, sie neu zu erfinden, denn Werbeleute und ihre Agenturen werden das bestimmt nicht tun, und unser Überleben hängt davon ab." Adblocker will Jarvis nicht abschaffen, sondern bessere Webeformen finden: "Wir Medien waren Komplizen und haben Werbung zugelassen, die unserem Publikum - den Leute, denen wir dienen und auf deren Vertrauen wir basieren - so auf die Nerven geht. Schande über uns." Hier alle Links zur aktuellen Debatte über Adblocker. Bei heise.de berichtet Torsten Kleinz, dass der Axel Springer Verlag seinen Prozess gegen den Werbeblocker Adblock Plus verloren hat.

Für Dirk von Gehlen ist in der SZ die Debatte um die Adblocker nur ein Teil der großen Veränderungen, die den werbefinanzierten Medien droht: "Die weitaus größere Frage lautet: Wie wird Werbung in Zukunft aussehen? Denn die großen Internetanbieter von Facebook bis Apple wollen sich nun auch an dem Geschäft der Werbeindustrie beteiligen - und zwar zu ihren Bedingungen."

Weiteres: Edward Snowden ist jetzt auch bei Twitter, melden Meedia (hier) und viele andere Medien. Und Recode meldet, dass Twitter demnächst seine Zeichenbegrenzung aufgibt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.09.2015 - Internet

Die amerikanische Debatte über Adblocker und die Netzerfahrung auf Mobilgeräten geht weiter. Gerade unabhängige Internetmedien machen sich Sorgen. Slate will die Ladezeit seiner Seiten um 75 Prozent reduzieren, schreibt Joseph Lichterman im Niemanlab, der Slate-Chef Dan Check zum Thema interviewt und zuvor erläutert, warum Internetmedien im Moment so intensiv über dieses Thema nachdenken: "Die Ladezeit ist das Herz von Facebooks Argument für Instant Articles (aber natürlich gibt es ein starkes Interesse des sozialen Netzes, dass die Nutzer mehr Zeit innerhalb von Facebook verbringen). Und vor einigen Wochen meldete Recode, dass Twitter und Google an einer Open-Source-Alternative zu Instant Articles arbeiten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.09.2015 - Internet

Der Aufstieg des Adblocking, der in den angelsächsischen Ländern heftig diskutiert wird, könnte laut Medienforscher John Naughton im Guardian kleinen Internetmedien die Luft zum Atmen nehmen: "Ein allgegenwärtiges Adblocking könnte das nach wie vor dominierende Geschäftsmodell des "freien" Netzes unterminieren, das den Preis der Freiheit in der Konfrontation des Nutzers mit Anzeigen bestehen lässt. Ohne diese Anzeigen müssen Online-Publisher ein neues Geschäftsmodell finden, oder sie gehen unter. Und so viele Alternativen gibt es bisher nicht." Naughton verweist auch auf einen Artikel Jean-Louis Gassées (unser Resümee), der sich ausführlich mit der Thematik auseinandersetzt.
Stichwörter: Adblocker, Internetmedien

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.09.2015 - Internet

Nie waren Nutzer im Internet so wenig geschützt wie heute, seufzt Bernd Graff in der SZ mit Blick auf die Ashley-Madison-Affäre und die neuen Supercookies, die über Websites auf dem eigenen PC deponiert werden.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.09.2015 - Internet

In der SZ empfiehlt Michael Moorstedt Facebook, sich ein Vorbild am Computerspiel League of Legends zu nehmen, für das Psychologen und Sozialarbeiter eine eigene Software entwickelt haben, um auf Hasskommentare zu reagieren: "Das System misst auch die Effizienz unterschiedlicher Sanktionsmittel. Eingeschränkte Chat-Möglichkeiten oder das Aussperren der Nutzer für prestigeträchtige Spielmodi scheinen besonders effektiv zu sein. Nach Angaben der Forscher stiegen die Rehabilitationsquoten von einmal auffällig gewordenen Spielern auf sagenhafte 92 Prozent."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.09.2015 - Internet

"It is going to be a bloodbath of independent media", schreibt Nilay Patel bei The Verge und erklärt, wie Google, Apple und Facebook in einem Kampf der Giganten das Netz unter sich aufteilen, während unabhängige Medien im Netz kaum mehr überleben können. Grund dafür sind die Adblocker, die Apple etwa von vornherein in seine Mobil-Browser einbaut, um Google zu schaden (aber auch all jenen Medien, die ein bisschen was von der Google-Werbung abbekommen): "Was passiert einer kleinen Firma, wenn du ihr 75 bis 85 Prozent ihrer Einnahememöglichkeiten im Namen der Nutzererfahrung wegnimmst? Wer wird all jenen Inhalt machen, den wir so lieben?"
Stichwörter: Adblocker, Internetmedien, Browser

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.09.2015 - Internet

Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen fordert im Tagesspiegel nicht einfach eine Zensur der Hasskommentare bei Facebook, sondern eine "Ausweitung der publizistischen Verantwortungszone, die Verwandlung der digitalen Gesellschaft in eine "redaktionelle Gesellschaft" (Cordt Schnibben), die sich, neben dem privaten Vergnügen, an den Leitmaximen aufklärerischer Informationsvermittlung orientiert. Das hieße in der Konsequenz, dass ein normatives Verständnis der Entstehung von Öffentlichkeit an den Schulen und Universitäten gelehrt werden müsste, das auf der Höhe der Zeit ist." Naja, und das würde sicher auch viel Arbeit für Medienwissenschaftler schaffen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.09.2015 - Internet

Im taz-Interview mit Lalon Sander erzählt Brewster Kahle, warum er neben dem Internet-Archiv archive.org jetzt auch ein soziales Wohnprojekt betreibt: "Der größte Teil der Ausgaben des Internet­archivs fließt in Löhne und wir haben festgestellt, dass davon ein großer Anteil dafür verwendet wird, Kredite für Wohnungen abzubezahlen. Wir dachten uns, dass wir nicht mit so viel Mühe Geld sammeln, um die Zinsen von Banken zu bezahlen, und haben deshalb eine Kreditgenossenschaft für unsere Angestellten gegründet. All diese Dinge habe ich vom Internet gelernt. Jetzt hacken wir das Wohnungssystem!"

Das Internet muss ein Menschenrecht werden, fordert in der SZ (aber nicht online) Ben Wagner, Direktor des Centre for Internet und Human Rights an der Europauniversität Viadrina in Frankfurt an der Oder.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.09.2015 - Internet

Tim Wu fragt im New Yorker, was aus dem Google Book-Projekt geworden ist, das seit Jahren trotz einer Einigung, die dann wieder kassiert wurde, auf Eis liegt, weil eigentlich der amerikanische Kongress aufgerufen wäre, ein neues Copyright-Gesetz zu formulieren. Der Autor gibt Google Schuld am jetzigen Zustand, weil es das Projekt nicht von vornherein als "not for profit" deklariert habe. Aber die anderen Parteien sind ebenfalls schuld: "Autoren und Verleger waren trotz des späteren Settlement zu schwierig und verschwörungstheoretisch, vor allem wenn es darum ging, abstrakte und oft wertlose Rechte gegen das öffentliche Interesse abzugrenzen. Und Medien und Gerichte waren zu sehr darauf versessen, das Settlement abzuschießen, statt es zu verbessern, so dass das Projekt um ein Jahrzehnt oder mehr zurückgeworfen wurde."die New York Times meldet unterdessen, dass Tim Wu ins Büro der New Yorker Staatsanwaltschaft eintritt, um bei Prozessen mit Technologiekonzernen zu beraten.

In der SZ berichtet Tim Leberecht von Versuchen, der Internet-Ökonomie wieder etwas mehr Romantik und Authentizität einzuhauchen: "Von der School of Poetic Computation in New York, die Softwareentwickler als Dichter ausbildet, zu geheimen Event-Reihen wie Secret Cinema oder Underground Supper Clubs, die die flüchtige Begegnung, den Zauber der Ahnung und Mehrdeutigkeit zelebrieren. Etsy, die E-Commerce-Plattform für handgefertigte Produkte, unterhält sogar einen internen Geheimbund mit der Aufgabe den Arbeitsplatz zu verzaubern: das "Ministry of Unusal Business"."