9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Internet

1332 Presseschau-Absätze - Seite 105 von 134

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.09.2015 - Internet

Marshall McLuhan hat nicht recht, sagt die mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnete Autorin Barbara Sichtermann in ihrer Preisrede, die beim Freitag abgedruckt ist, und sie bringt die üblichen Argumente gegen die "Kostenlosmentalität": "Was ist denn nun eigentlich die Botschaft des Netzes als Medium? Soweit ich die verstanden habe, lautet sie: Alles sofort, for free, und jeder kann mitmachen. Jeder kann mitmachen, das geht in Ordnung. Aber was ist mit "sofort"? Das heißt doch wohl: Alles, was Zeit kostet, also die Reflexion einer Botschaft, fehlt. Das ist schon mal nicht so gut. Und "for free"? Gibt"s nicht, das weiß jeder. Warum lügt das Netz?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.09.2015 - Internet

Gerade sah Sascha Lobo das Netz noch als Katalysator eines neuen Rechtsextremismus (unser Resümee), da muss er in seiner neuen Spiegel-online-Kolumne das Gegenteil konstatieren: "Die überwältigende und für mich durchaus überraschende Hilfsbereitschaft der deutschen (und österreichischen) Öffentlichkeit gegenüber den Flüchtlingen beruht auf der herzergreifenden Nähe, mit der sich das menschliche Elend in das persönlichste Medium auf dem intimsten Gerät hineingedrängt hat. Dafür spricht, dass die meisten der Hilfsaktivitäten ebenfalls über soziale Medien motiviert, geplant und organisiert werden."

Weiteres: Daniel Bouhs porträtiert in der taz den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Torsten Albig, für den Kritik an google zum ticket in die weitere Öffentlichkeit wird. Was ihn zu seiner Kritik qualifiziert? "Hier kann er einen Punkt machen: Medien sind hierzulande Ländersache - und Internetportale sind Teil der Medienlandschaft."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.09.2015 - Internet

Der Blogger und Open-Source-Pionier Doc Searls sagt ein paar wahre Worte über Werbung im Netz, die so stark in der Krise ist, dass auch Inhalte gefährdet werden. Aber die AdBlocker sind nicht das Problem, meint er: "Marketingleute sollten gucken, was Märkte wollen. Die Märkte bestehen aus Konsumenten, und sie sprechen heute zu den Marketingleuten, indem sie Adblocker zur populärsten Browser-Erweiterung machen, und Umfrage nach Umfrage bekennen sie, dass sie ihre Privatsphäre vor ungewolltem Tracking schützen wollen und dass sie zu einem Status quo gezwungen werden, den sie nicht wollen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.09.2015 - Internet

In der taz fordert Beate Rusch, geschäftsführende Leiterin des Kooperativen Bibliotheksverbundes Berlin-Brandenburg, das staatlich finanzierte Forschungsergebnisse im Sinne des Open Access kostenlos online publiziert werden, anstatt privatwirtschaftlichen Verlagen horrende Summen einzubringen: "Es geht um viel Geld: 2011 erwirtschafteten die Wissenschaftsverlage weltweit 9,4 Milliarden US-Dollar, 70 Prozent durch Subskriptionsgebühren von Bibliotheken. Den Markt teilen sich international agierende Konzerne wie Elsevier, Wiley-Blackwell, Thomson Science, Springer und Taylor & Francis. Ihre Gewinnmargen liegen schätzungsweise bei 20 und 30 Prozent."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.09.2015 - Internet

Das Internet ein Ort der Freiheit? Von wegen, meint Max A. Höfer in der NZZ. Dort ist längst die Tugendpolizei unterwegs und stellt jeden an den digitalen Pranger, dessen Verhalten ihr nicht passt, wie etwa tausende Kunden des Seitensprungportals Ashley Madison, deren Namen von Hackern veröffentlicht wurden: "Wer glaubt, das Internet würde eine freiere Kultur herbeiführen, übersieht, dass auch die Puritaner ihren Aufstieg einem neuen Medium verdankten: dem Buchdruck. Luther und die Reformatoren erregten sich über die Freizügigkeit und angebliche Sittenlosigkeit des päpstlichen Rom. Ihre Antwort war eine gigantische Flut an Flugschriften und Pamphleten. Die Wirkung der zahllosen Empörungswellen, die sie damit auslösten, war die erhebliche Einschränkung der Freiheit, besonders der sexuellen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.08.2015 - Internet

Parker Higgins erklärt bei der Electronic Frontier Foundation, warum der russische Versuch, einen Wikipedia-Artikel zu zensieren, fehlschlug: "Die Wikimedia Foundation benutzt Https-verschlüsselte Verbindungen für alle ihre Webseiten. Der Regierung blieb nur die Wahl, entweder die ganze Wikipedia zu blockieren oder die ungenehme Seite zugänglich bleiben zu lassen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.08.2015 - Internet

Die Welt im großen hat ein Problem mit dem Internet wie die Welt im kleinen, meint Carl Bildt, ehemaliger Ministerpräsident Schwedens, anlässlich des bevorstehenden UN-Gipfels in einem Kommentar in der Welt. Überall wird über die Gefahren eines freien Internets debattiert, statt über seine "revolutionlären Möglichkeiten": "Tatsächlich könnte sich die mobile Konnektivität als wichtigstes Hilfsmittel zur Entwicklung für Milliarden von Menschen in den Schwellenländern Afrikas und Asiens erweisen. Natürlich wird es nach wie vor eine digitale Kluft geben. Doch wird dies zunehmend eine generationsbedingte und keine geografische Kluft sein. Innerhalb eines Jahrzehnts wird die Mehrheit der jungen Leute in Afrika vermutlich genauso gut vernetzt sein, wie es junge Leute in Europa oder Nordamerika sind. Dies wird die Welt tiefgreifend verändern. Die große Frage ist, ob sich die Regierungen der potenziellen Kraft dieser Entwicklung bewusst sind. Die nachhaltigen Entwicklungsziele geben keinen Anhaltspunkt dafür, dass sie es sind."

(Via Netzpolitik) Nachzutragen ist ein Zitat Jasper von Altenbockums aus dem Politikteil der FAZ zu den Landesverratsermittlungen gegen Netzpolitik: "Der Rechtsstaat war Netzpolitik.org und anderen Schwarmintelligenten aber ohnehin immer egal. Siehe Kinderpornografie, siehe Vorratsdatenspeicherung, siehe Urheberrecht. Die Netz-Bürgerwehr nimmt das Recht lieber in die eigene Hand: "Legt Euch nicht mit dem Internet an!"" Ein weiterer Beweis, dass die Blogwarte in der FAZ die Entstehung einer "selbsternannten" Öffentlichkeit nach wie vor nicht verkraftet haben.

Weiteres: Nicholas Hirst liest für Politico.eu eine Verteidigungsschrift von Google gegen den Vorwurf des Machtmissbrauchs von Seiten der EU-Kommission. Mehr dazu in einem offiziellen Google-Blog.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.08.2015 - Internet

Sascha Lobo ist inzwischen ganz auf jene Seite übergetreten, die "das Netz" als den entscheidenden Faktor für die ausländerfeindlichen Bewegungen ansieht. In seiner Spiegel-Online-Kolumne scheibt er: "Genau jetzt findet in Deutschland ein Defining Moment statt, eine der Situationen, die eine Generation prägen können. Aus einem diffusen und rassistischen Mob, aus Leuten, die hauptberuflich deutsch sind und sonst nichts, gerinnt eine terroristische Bewegung. Und das Internet, die sozialen Medien spielen dabei eine wichtige, vielleicht entscheidende Rolle."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.08.2015 - Internet

In der NY Times generieren Jodi Kantor und David Streitfeld jede Menge zornige Kommentare mit einem Bericht aus dem Innern von Amazon, das sich wie ein postmodernes Sklavenschiff ausnimmt: "Mitarbeiter werden angehalten, die Ideen ihrer Kollegen in Meetings auseinanderzunehmen, Tag und Nacht zu schuften (Emails nach Mitternacht werden von SMS begleitet, in denen der Adressat gefragt wird, warum er nicht antwortet), zu "besten" Konditionen, heißt es. Eigens installierte Programme für geheime Rückmeldungen an den Chef (mit Textbeispielen wie diesem: "Sein Mangel an Flexibilität und seine Nörgelei über kleinste Aufgaben beunruhigen mich") werden gern genutzt, um andere zu denunzieren. Viele der regelmäßig an Montagen rekrutierten Neulinge, werden bald schon nicht mehr dabei sein. Alle Übrigen ersinnen neue Produkte für eine Viertelmilliarde Kunden und akkumulieren kleine Vermögen mit Firmenaktien. Die Verlierer werden jährlich aussortiert - "zielgerichteter Darwinismus", wie es ein ehemaliger Mitarbeiter nennt. Mitarbeiter, die unter Krebs leiden, Fehlgeburten haben oder andere persönliche Krisen werden unter Druck gesetzt."

Jeff Bezos antwortet in einem Statement an seine Mitarbeiter, das Geekwire zitiert: "Der Artikel geht über einige isolierte Anekdoten hinaus. Er behauptet, dass wir absichtlich einen seelenlosen Arbeitssplatz wie aus einer düsteren Zukunftsvision schaffen, wo keine Freude möglich ist und kein Lachen laut wird. Ich erkenne dieses Amazon nicht, und ich hoffe, ihr auch nicht." Auch Jeff Jarvis antwortet auf den Artikel.

Simon Hurtz ärgert sich in der SZ über Facebook , das sich weigert rassistische Hetzparolen zu löschen:"In der Vergangenheit reichte oft schon eine nackte Brustwarze, um einen Beitrag sperren zu lassen. Und nicht nur die berüchtigte amerikanische Prüderie lässt manche an Doppelstandards glauben: So entfernte Facebook Mohammed-Karikaturen auf Druck der türkischen Regierung, verbannte tibetische Freiheitskämpfer, um es sich nicht mit China zu verscherzen, bevormundete russische Oppositionelle, löschte (angeblich versehentlich) einen kirchenkritischen Eintrag des Moderators Domian und sperrte den Account des Kunstkritikers Jerry Saltz, weil er spätmittelalterliche Gemälde mit Folterszenarien hochgeladen hatte."

Lalon Sander schickt für die taz Eindrücke vom Sommercamp des Chaos Computer Clubs im brandenburgischen Zehdenick, wo es wie auf jedem Zeltplatz ein bisschen spießig zugeht, das aber mit Hochgeschwindigkeitsnetz: "Auf der Al-Khwarizmi-Allee rennt ein Mann, ausgezogen bis auf die Unterhose, aus einem Zelt: "Hej Leute, wollt ihr eine kostenlose Freundin?" Wie bitte? Ja, eine kostenlose Freundin, ist das ein Angebot? "Dann kommt zum Speeddating jeden Mittag hier bei uns", sagt er freundlich und fängt dann an von seiner Lieblingsserie am späten Abend auf einem Kindersender zu schwärmen."

Weiteres: In der Welt geht Hannes Stein der Frage nach, wie Katzen zum "wichtigsten Interrnetinhalt" werden konnten.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.08.2015 - Internet

Große Websites wie The Verge schaffen ihre Kommentarthreads ab oder schränken sie ein. Einer der Gründe für das andauernde Problem mit der Qualität von Kommentaren ist laut Jessamyn West in Medium: "Die Arbeit von Moderatoren ist fast unsichtbar, wenn sie sie gut machen. Für ein unsichtbares Produkt bezahlt zu werden, ist nicht gerade Teil einer Start-Up-Ökonomie. Mit begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen, erreicht man mehr mit seinem Geld, wenn man Dinge tut, die Geld bringen und sichtbar sind. Alle menschlich vermittelten Interventionen - Hilfe, Moderation, Missbrauchsbekämpfung - bringen keine Skaleneffekte."
Stichwörter: Internet-Kommentare