"Seriösem Journalismus muss die Wirkung seiner Arbeit egal sein", kommentiert
Stefan Niggemeier, der bei
Übermedien die Mängel der
Correctiv-Recherche zum Potsdamer Treffen
offenlegte (
unser Resümee), bei
Spon: "Sind wir so verzweifelt , dass wir glauben,
gegen Trump oder die AfD nur noch gewinnen zu können, wenn wir
unfair spielen? Haben wir dann nicht schon verloren? Von rechts außen wird die
Correctiv-Recherche nicht nur als Erfindung abgetan (was sie nicht ist), sondern entsprechend auch der große Protest, den sie ausgelöst hat, als Ausdruck einer Art Massenpsychose. Es ist tatsächlich eine unbequeme Frage, wie sehr die Übertreibungen, die der Artikel nahelegte und auslöste, dazu beigetragen haben, eine solche gewaltige Wirkung auszulösen. Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass schon der unbestrittene faktische Kern einer Gruppe vermeintlich bürgerlicher Menschen mit Einfluss oder Geld, die sich mit einem bekannten Rechtsextremisten treffen, um sich von ihm erklären zu lassen, wie man massenhaft Leute aus dem Land bekommt, die nicht deutsch genug sind - dass schon dieser Kern und die täglichen Ungeheuerlichkeiten der AfD allein ausreichen sollten, um
Millionen auf die Straße zu bringen."
Kleiner ging es wohl nicht,
meint indes Carola Schwarz, die Niggemeier und Kollegen in der
taz vorwirft, mit den gleichen Mitteln zu arbeiten, die sie
Correctiv vorwerfen: "
Übertreibung,
Spekulation und
Fehler". Wirklich falsch werde es etwa "an der Stelle, an der
Übermedien behauptet, dass der Text sich selbst widerspreche. Denn es gebe keine Belege für einen 'Angriff gegen die Verfassung der Bundesrepublik', weil Sellner selbst behauptete habe, dass er Menschen 'nicht gesetzeswidrig ausweisen' möchte. Problem ist nur, dass dieses Zitat überhaupt nicht von Sellner stammt, sondern von einem Anwalt, der für den AfD-Politiker Ulrich Siegmund spricht. Auf Nachfrage der
taz hat
Übermedien die Namen an der Stelle entsprechend abgeändert. Doch nun beweist sie nichts mehr."
Auf den Medienseiten der
SZ unterzieht auch Hans-Jürgen Jakobs den
Correctiv-Text noch einmal einem Faktencheck und räumt ein: "Manches hätte man bei Frontal oder
Spiegel oder überhaupt bei einer
sorgfältigen Redigatur sicher sofort herausgestrichen. Es gibt Fehlerhaftes, Missverständliches.
Eindeutig zu viel '
Peng!' Aber diese Einwände sprechen nicht final gegen den Text, in dem die Menge präsentierter Fakten beeindrucken kann. Der Neuigkeitswert des Artikels ist hoch. So etwas kommt nicht mit der nächsten Amazon-Lieferung, sondern braucht
viel Vorarbeit. Und die meisten der Interpretationen sind per se
nicht verwerflich, da die zugrunde liegenden Tatsachen auch im Text stehen. Das alles spielt bei Niggemeier & Co. eine zu kleine Rolle."
Gestern hat die
türkische Kommunikationsbehörde ohne Begründung
Instagram abgeschaltet,
meldet Ulrich Gutmair in der
taz: "Zwei Tage zuvor hatte der Sprecher von Präsident Recep Tayyip Erdoğan die Plattform angegriffen: Instagram betreibe
Zensur. Sie blockiere Posts, in denen Hamas-Politbürochef
Ismael Haniyeh betrauert werde. Dessen Tod hatte der Präsident zuvor als 'zionistische Barbarei' gegeißelt und mit militärischem Eingreifen in den Konflikt gedroht."
Weitere Artikel: Seit dem 7. Oktober nehmen Angriffe auf
antiisraelischen Demonstrationen gegen
Journalisten zu,
meldet Nicholas Potter ebenfalls in der
taz: "'Die Lage ist bedrohlich bis gefährlich', sagt Jörg Reichel der
taz. Er ist Landesgeschäftsführer der dju in Berlin-Brandenburg und beobachtet die Pressefreiheit auf Demos seit Jahren. Seit dem 7. Oktober hat die Gewerkschaft alleine in Berlin 36 körperliche Übergriffe gegen Journalist*innen erfasst, die von antiisraelischen Demoteilnehmer*innen ausgingen - von Flaschenwürfen bis Fahnenstangenschläge."