9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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2295 Presseschau-Absätze - Seite 24 von 230

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.08.2024 - Medien

Vor allem in Russland wird besorgt auf die Festnahme von Telegram-Gründer Pawel Durow geblickt, schreiben Silke Bigalke, Andrian Kreye und Oliver Meiler auf Seite 3 der SZ, denn: "Über Telegram werden ... auch interne Informationen aus Kreml und Geheimdienst verbreitet. ... Warum das jetzt ein Problem ist? Weil Durow aus Logik des Kreml einem Nato-Land in die Hände gefallen ist. ... Andere sorgen sich vor allem um die Telegram-Abhängigkeit der russischen Armee, Kriegsblogger diskutieren über die militärischen Folgen von Durows Festnahme. ... Während Kriegsenthusiasten also laut darüber nachdenken, ob Frankreich den russischen Truppen schaden will, sorgt sich die Opposition aus ganz anderen Gründen um Durows Zukunft. Für sie war Telegram ein letzter Strohhalm, Alternativen hat sie kaum: V-Kontakte gehört heute größtenteils dem Staat, niemand diskutiert hier mehr offen. Der Messenger Signal ist seit Anfang August ebenso gesperrt wie Facebook und Instagram. 60 Millionen Russen nutzen täglich Telegram, mehr als jedes andere soziale Netzwerk."
Stichwörter: Durow, Pawel, Telegram, Nato, Instagram

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.08.2024 - Medien

In der Nacht zum Dienstag wurde die Fassade des Tagesspiegel-Gebäudes in Berlin mit Hamas-Parolen beschmiert, meldet unter anderem das "Jüdische Forum für Demokratie und Antisemitismus" (jfda.de): "Die Täter hinterließen die Botschaft 'German Media Kills' und markierten die Fassade mit dem sogenannten Hamas-Dreieck, einem Symbol, das ursprünglich von der Hamas verwendet wurde, um Feinde zu kennzeichnen." Immer häufiger werden Journalisten auf "propalästinensischen" Demos angegriffen, heißt es weiter. "Die Eskalation der Gewalt ist besorgniserregend: Journalisten werden mit Eiern und Flaschen beworfen, in Sprechchören namentlich beleidigt und in sozialen Medien durch 'Steckbriefe' mit Porträtaufnahmen und Namen öffentlich bloßgestellt. Diese Bloßstellungen enthalten oft implizite Gewaltaufrufe, die nicht selten in reale Bedrohungen münden. So wurde der Journalist Iman Sefati, nachdem er über eine Demonstration der israelfeindlichen Szene berichtet hatte, bis zu seiner Wohnung verfolgt und dort mit einem Messer bedroht."
Stichwörter: Antisemitismus, Hamas, Islamismus

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.08.2024 - Medien

Dem FAZ-Kolumnisten Bülent Mumay, der vom Perlentaucher häufig zitiert wird, droht Haft, meldet die FAZ heute auf Seite 1 des Feuilletons. Ein Urteil gegen ihn wurde nicht aufgehoben. Die FAZ zitiert Mumay, der auch für die Deutsche Welle arbeitet, mit folgenden Worten: "Erdogan verliert an Macht, er versucht, seinen Druck auf die freie Gesellschaft zu erhöhen. Er weiß sehr wohl, dass die zunehmende Kritik an ihm den Verlust seines Sitzes im Palast beschleunigen wird. Deshalb wird er aggressiver und autokratischer. Der Grund für die jüngste Festnahme eines Bürgers, der das Instagram-Verbot und die gegen mich verhängte Bewährungsstrafe kritisierte, ist derselbe: Einschüchterung und Schweigen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.08.2024 - Medien

Claudia Tieschky, Medienredakteurin der SZ will die Hoffnung auf eine Reform der ARD und der Öffentlich-Rechtlichen insgesamt nicht aufgeben. Im Moment finden im Hintergrund entscheidende Verhandlungen statt, erzählt sie. Und es gibt den "Diskussionsentwurf für einen Reformstaatsvertrag" von den Rundfunkreferenten der Länder, den sie sinnvoll findet und der eine Verschlankung der ARD einleiten würde. Dann gäbe es sogar "einen Medienrat, in dem externe Experten prüfen, ob die Sender ihren öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllen. Es gäbe dann einen Kostendeckel für den Erwerb von Sportrechten und eine kluge und augenscheinlich auch rechtlich passable Lösung für eine verfassungsgemäße Beitragsanpassung ohne ständiges Geschrei."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.08.2024 - Medien

Nachdem die Redaktion der flämischen Zeitung Humo die Kolumne des Autors Hermann Brusselmans, der schrieb, jedem Juden, dem er begegne die "Kehle durchschneiden" zu wollen (unsere Resümees), als Satire verteidigte, hat der niederländische Schriftsteller Arnon Grünberg die Redaktion nach 25 Jahren als Kolumnist verlassen. "Wenn der Wunsch, wahllos Juden die Kehle durchzuschneiden, als Satire bezeichnet wird, könnte man auch zu dem Schluss kommen, dass der Nationalsozialismus eine satirische Bewegung war, mit Joseph Goebbels als Minister für Satire", schreibt er heute in der NZZ und zitiert aus seinem Brief an die Herausgeber: "Es steht Ihnen frei, den Revisionismus in Ihrer Zeitschrift herunterzuspielen und zuzulassen, aber das bedeutet nicht, dass ich an der Seite des Revisionisten veröffentlichen möchte." Er warnt davor, die Fantasie Juden zu ermorden, sei "salonfähig" geworden: "Vor Jahren habe ich geschrieben, dass man in vielen Äußerungen nur das Wort 'Muslim' durch 'Jude' zu ersetzen braucht, um zu erkennen, was hier gerade passiert. Die Erniedrigung, die Demütigung und der Hass auf verletzliche Gruppen sind keine Religionskritik, geschweige denn eine Verteidigung der freien, liberalen Gesellschaft. Die Art und Weise, wie Politiker, Kolumnisten und Journalisten in Ländern wie den Niederlanden und Belgien in den letzten zwei Jahrzehnten über Muslime und Asylbewerber gesprochen haben, hat die Gesellschaft vergiftet. Das ist nicht die einzige Ursache, aber sicherlich eine der Ursachen für den neuen Antisemitismus."

Zunächst am Montag, seit 2015 am Samstag wird derzeit geprüft, ob der Spiegel künftig am Freitag erscheint, weiß Christian Meier in der Welt. Ziel ist offenbar eine Steigerung des Einzelverkaufs. Aber: "Der Einzelverkauf von Zeitungen und Zeitschriften ist allerdings in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Der Spiegel kam im zweiten Quartal des Jahres auf eine verkaufte Auflage von knapp 675.000 Exemplaren, doch nur 92.700 Exemplare davon wurden auf diese Weise abgesetzt. Und im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank der Einzelverkauf um 18,5 Prozent. Aufgefangen wird der Rückgang über die leichte Zunahme bei Abonnements, die zu einem stark steigenden Anteil aber digitale E-Paper-Abos sind. Vor zehn Jahren setzte der Spiegel im Einzelverkauf noch rund 251.000 Hefte ab."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.08.2024 - Medien

Die öffentlich-rechtlichen Medien lieben Sahra Wagenknecht seit eh und je - allenfalls Alexander Gauland konnte eine Zeitlang mit ihrer Talkshowpräsenz konkurrieren. Nun hat sich die Lage allerdings geändert, weil Wagenknecht ihre durch die Shows erworbene Berühmtheit in Politik ummünzt. Yelizaveta Landenberger zeigt in der FAZ, wie Wagenknecht nun weiter in den Sendern auftritt und dort Un- und Halbwahrheiten über die Ukraine verbreitet - der Deutschlandfunk musste einem Interview mit Wagenknecht neulich einen ganzen Faktencheck hinterherschicken. Und "die russischen Staatsmedien schätzen Wagenknechts Loyalität gegenüber dem Kreml und zitieren sie gern. Der erste Fernsehkanal teilte am 18. August auf seiner Website und der Streamingplattform Rutube, der russischen Youtube-Alternative, einen Mitschnitt von einer Nachrichtensendung, in der die Politikerin mit ihrer Forderung zu Wort kommt, einen Untersuchungsausschuss zur Rolle der Bundesregierung bei der Nord-Stream-Sprengung einzurichten. Wenn sich herausstellen sollte, dass deutsche Stellen vorab von den Anschlagsplänen gewusst hätten, so Wagenknecht, sei das ein Jahrhundertskandal."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.08.2024 - Medien

Le Monde oder die New York Times. Vormals renommierte Zeitungen bedecken sich in der Berichterstattung über Israel nicht gerade mit Ruhm. In Franc-Tireur, einer Zeitschrift der säkularen Linken in Frankreich, thematisiert Gaston Crémieux die Berichterstattung des Le Monde-Korrespondenten Benjamin Barthe, der durch extrem "propalästinensische" Positionen auffällt. Den von Israel getötete Hamas-Chef Ismael Haniyeh zählte er natürlich zu den "Gemäßigten". "Dieser Artikel löst in den sozialen Netzen eine Polemik aus. Leser stellen die Berichterstattung des Journalisten Benjamin Barthe über den Hamas-Israel-Krieg in Frage und verweisen auf den Einfluss seiner Frau Muzna Shihabi, einer radikalen palästinensischen Aktivistin." Schlimmer ist noch die Geschichte, die am Wochenende über die New York Times kursierte. Aufgedeckt wurde sie vom Wall Street Journal: Der Artikel steht hinter einer Paywall wird aber etwa von Jérôme Godefroy auf Twitter resümiert. Die Times-Journalistin und Australien-Korrespondentin Natasha Frost hatte Zugang zu einer Whatsapp-Gruppe australischer Juden, die sich über den 7. Oktober und den neuen Antisemitismus auch in Austalien austauschten. Darüber berichtete Frost anonymisiert in der Times. Aber Frost teilte dann "die privaten Daten der Gruppe mit einem Bekannten, der sie an pro-palästinensische und antizionistische Aktivisten weiterleitete. Diese veröffentlichten sie online in sozialen Netzwerken, nicht nur die Namen der Personen in der WhatsApp-Gruppe, sondern manchmal auch deren Fotos. Schnell begannen die so namentlich genannten Personen, belästigt und bedroht zu werden. Es wurden einige Fälle von Vandalismus gemeldet." Frost hat nach Bekanntwerden des Skandals um Entschuldigung gebeten.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.08.2024 - Medien

Das Bundesverwaltungsgericht hat das Compact-Verbot vorläufig aufgehoben (in der Hauptsache wird aber noch verhandelt). In der FAZ reagiert Michael Hanfeld mit Schadenfreude: "Nancy Faesers peinlicher Ausritt entspricht nämlich dem insgesamt gestörten Verständnis der Ampelkoalition, zumindest des rot-grünen Teils der Regierung, von Pressefreiheit und ihrem machttaktischen Verhältnis zur Presse: Kritiker werden verklagt, Claqueure hofiert. Eine Zustellförderung für unabhängige Zeitungen und Zeitschriften gibt es nicht, dafür aber direkte Zuwendungen für 'gemeinnützigen' Journalismus. Verkauft wird das in der Regel unter dem Etikett des Kampfs gegen den Rechtsextremismus", schimpft Hanfeld und kann sich noch einen Extraseitenhieb auf Correctiv nicht verkneifen.

In der taz reagiert Ambros Waibel noch polemischer: "Wer durch einen so vollkommen banal-alltäglichen Vorgang nun die Grundfesten des Rechtsstaates erschüttert sieht, hätte wohl auch hinter den Stacheldraht eines Konzentrationslagers darauf beharrt, dass die Regierung unter Reichskanzler Hitler ja rechtmäßig an die Macht gekommen sei, und also alles seine Ordnung habe - 'Jawoll, Herr SA-Mann, ich stehe sofort zum Gefoltertwerden bereit!' Einer masochistischen deutschen Öffentlichkeit, an der achtzig Jahre antifaschistische Erziehung bemerkenswert spurlos vorübergegangen sind, scheint das immer noch das Wichtigste zu sein: Die Hausordnung muss eingehalten werden, gerade auch im Kampf gegen rechts."

Zwei Meldungen in der FAZ berichten vom Ende des Branchenmagazins BuchMarkt 2025 und dem Ende des Medienhändlers Weltbild.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.08.2024 - Medien

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat das erst jüngst erlassene Verbot des rechtsextremen Magazins Compact zumindest vorläufig wieder aufgehoben, und das ist erfreulich, findet Christian Rath in der taz: "Denn der Beschluss zeigt, dass die Prüfung der Verhältnismäßigkeit hier ernst genommen und der Pressefreiheit ein großes Gewicht zugemessen wurde. Dreh- und Angelpunkt ist dabei, ob die teilweise menschenverachtenden Äußerungen im Compact-Magazin für die Publikation 'prägend' sind. Wenn etwa behauptet wird, die Masseneinwanderung verwandele Deutschland in eine 'große Vergewaltigungszone', dann verletzt diese Pauschalverhetzung die Menschenwürde aller Einwanderer. Aber das Gericht wird in der Hauptverhandlung prüfen, ob solche Formulierungen die Regel oder die Ausnahme sind."

Das Pauschalverbot sei vom Tisch, Compact kann aber immer noch verboten werden, schreibt in Wolfgang Janisch der SZ. Dabei kommt es besonders auf den Wert der Meinungsfreiheit an. "Dieser Punkt dürfte im Hauptsacheverfahren eine zentrale Rolle spielen: Wie dominierend ist die verfassungsfeindliche Rhetorik, und wie groß ist demgegenüber der Anteil von Texten, die rechtlich nicht angreifbar sind. Das Gericht hat, wie im Eilverfahren üblich, nur eine summarische Prüfung vorgenommen, in der Hauptsache dürfte es hier deutlich mehr in die Tiefe gehen. Dass das Gericht vorläufig dem Magazin recht gegeben hat, liegt auch am hohen Rang der Pressefreiheit - ihr komme im Eilverfahren besonderes Gewicht zu. Denn wenn eine Publikation erst einmal vom Markt verschwunden ist, ist der Schaden schwer zu reparieren, sollte sich das Verbot später als voreilig erweisen. Wichtig ist hier allerdings: Die Erfolgsaussichten der Klage bezeichnet das Gericht ausdrücklich als 'offen'."

Michael Hanfeld zitiert in der FAZ spöttisch einen Satz, den der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki nach der Verfügung des Verbots gesagt hatte: "Sollte das Verbot, was ich befürchte, gerichtlich aufgehoben werden, ist ein Rücktritt der Innenministerin unvermeidlich."

Der PEN Berlin hat in Torgau eine Podiumsdiskussion mit Patrick Bahners (FAZ) und Ralf Schuler (Nius) zum Thema Meinungsfreiheit veranstaltet, berichtet Marc Reichwein in der Welt. Dabei musste sich Bahners einiges an Vorwürfen gefallen lassen. "'Wieso wird so wenig auf die Trennung von Nachrichten und Kommentar geachtet? Ich erwarte vom Journalismus Tatsachen, nicht Meinungen.' (...) Medien seien schon immer Tendenzbetriebe gewesen, lässt Bahners die Leute wissen, wie immer herrlich grundsätzlich und historisch informiert argumentierend. Die Sympathie für die Diskutanten im Saal scheint ziemlich klar verteilt, Schuler steht bei seinen Fans hoch im Kurs dafür, Tacheles zu sprechen. Bahners mit seinen komplizierteren Argumentationen sorgt dafür, dass die Nius-Fans es nicht zu bequem haben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.08.2024 - Medien

Laut der Organisation Artículo 19 wird in Mexiko alle sechzehn Stunden ein Journalist oder eine Journalistin angegriffen, seit 2000 wurden 167 Medienvertreter ermordet, berichtet in der SZ Christoph Gurk, der von der mexikanischen Journalistin Maricarmen Aguilar Franco erfährt, dass die größte Gefahr für Journalisten in Mexiko die Berichterstattung über den Drogenhandel ist: "Denn wenn Reporter über die Verbrechen berichten, kann ein falsches Wort reichen. 'Schon steht man selbst auf der Abschussliste', sagt Aguilar. Sie erinnert sich, wie auch bei ihr in der Region die ersten abgetrennten Köpfe auftauchten - und wie auch sie auf einmal aufpassen musste, was sie schreibt. Denn es sind nicht nur die Bandenbosse: Die Macht der Kartelle reicht auch bis weit hinein in Politik, Wirtschaft und Justiz. Die Mächtigen kennen sich - und decken sich gegenseitig. Und so werden die allermeisten Gewaltverbrechen in Mexiko nicht aufgeklärt, die Täter landen so gut wie nie im Knast."
Stichwörter: Mexiko, Journalistenmorde