Wenn T. C. Boyle ein bisschen mehr über die Frage nachgedacht hätte, welche Fehler
die Trump-
Gegner gemacht haben (siehe oben), hätte er auch über die
ungute Trump-Fixierung gerade eher liberaler oder linker Medien wie der
Washington Post sprechen können. Nicholas Potter
berichtet auf der Medienseite der
taz über die Krise der
Post, die unter dem neuen Eigner Jeff Bezos bis 2020 prächtig wuchs: "Doch
nach den Trump-Jahren ging es schnell bergab. 2023 verzeichnete die
Post Verluste von 77 Millionen Dollar, wie die Zeitung bekannt gab. Die Zahl der Onlinebesucher hat sich
halbiert, seit dem Amtsantritt Joe Bidens hat die Zeitung eine halbe Million Abonnenten verloren." Inzwischen ist die
Post allerdings auch von internen Skandalen geplagt, so Potter.
Die
SZ-Medienseite startet eine Serie zur Frage, wie man "die
Öffentlich-Rechtlichen vor sich selbst retten kann". Als erste schreibt die
Autorin Mithu Sanyal, die auch eine freie Mitarbeiterin des
WDR ist. Man kann nicht sagen, dass ihr Beitrag vor Ideen sprudelt, aber bei der Klage über die grassierende
Einstellung von Literatursendungen muss man ihr zustimmen: "So will der
SWR 'Lesenswert' einstellen, der
MDR 'Fröhlich lesen', der
BR hat bereits 'Lido' und 'Lesezeichen' gecancelt und der
HR das 'Bücherjournal'. Früher wurde zumindest noch gelogen, dass man in Wirklichkeit nur kürze, um
mehr Platz für Literatur und überhaupt Kultur zu schaffen. ... Inzwischen wird offen gesagt, dass
jede Pferdedoku mehr Zuschauer bringt als eine Literatursendung." Sanyal erzählt auch, wie ein geplantes Literatur-Podcast, an dem sie beteiligt war, von Bedenkenträgern im Sender gar nicht erst veröffentlicht wurde.
Die
RT, äh,
Berliner Zeitung, bringt einen
Beitrag von
Mathias Brodkorb, ehemals Bildungs- und Finanzminister von Mecklenburg-Vorpommern, der
Jürgen Elsässer eigentlich richtig sympathisch findet, zumal er schon vor fünfzehn Jahren Thesen wie heute Sahra Wagenknecht vertreten habe. Aber er sei auch ein
Narzisst und Neurotiker, immer gegen den Mainstream. "Elsässer also will das 'Regime' stürzen und dieses wehrt sich nun dagegen. Man könnte den Fall daher für eindeutig halten. Er ist es aber nicht. Es ist
nicht verfassungsfeindlich, verfassungsfeindlich zu denken. Man könnte sogar sagen: Genau diese Möglichkeit ist der Sinn der 'freiheitlichen demokratischen Grundordnung'. Die Verfassung erlaubt es nicht nur ausdrücklich, dass jeder Bürger regierungskritische Gedanken hegt. Jeder darf Staat und Demokratie sogar ganz ablehnen. Nur eines darf auch ein verfassungsfeindlicher Bürger nicht tun: sich politisch aktiv gegen den Kern der Verfassung betätigen. Er darf, wie die Juristen es sagen, also
keine '
Bestrebung' verfolgen." In der
taz plädiert Andreas Speit dagegen eindeutig für ein Verbot von
Compact.
Außerdem: Mit der melodramatischen Formel "Alea iacta est" kommentiert Michael Hanfeld in der
FAZ den Beschluss der Ampel, die Presse nun doch nicht für die Zustellung der
letzten Printexemplare zu subventionieren.